Mit spezialisiertem Team eine Versorgungslücke schliessen: Kanton St.Gallen will zusätzliche Notfallversorgung für psychisch kranke Kinder

Psychiatrische Kriseninterventionen bei Kindern und Jugendlichen haben in den letzten zehn Jahren im Kanton St.Gallen stark zugenommen. Da die zuständigen Organisationen überlastet sind, soll eine zusätzliche kinder- und jugendpsychiatrische Notfallversorgung und Krisenintervention geschaffen werden. Ein Ausbau sei dringend notwendig, so die Regierung.

Drucken
Teilen
Die vorberatende Kommission des Kanton St.Gallen begrüsst das neue Konzept für eine zusätzliche Notfallversorgung von psychisch kranken Kindern. Bereits im Sommer 2020 soll es umgesetzt werden.

Die vorberatende Kommission des Kanton St.Gallen begrüsst das neue Konzept für eine zusätzliche Notfallversorgung von psychisch kranken Kindern. Bereits im Sommer 2020 soll es umgesetzt werden.

Bild: Keystone

(red/lex) Die Zunahme an psychiatrischen Notfällen bei Kindern und Jugendlichen ist nicht nur im Kanton St.Gallen, sondern auch schweizweit zu beobachten. «Zurückzuführen ist sie unter anderem auf steigenden Leistungsdruck, veränderte Familienstrukturen oder soziale Vereinsamung», schreibt die Staatskanzlei in einer Mitteilung vom Montag. Bei den meisten Notfällen handele es sich um akute Selbstgefährdung wegen Suizidalität.

Die Krisenintervention erfolgt kurzfristig, ist sehr aufwendig und übersteigt die aktuellen personellen Ressourcen der zuständigen Organisationen wie des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes (KJPD), des Kinder und Jugendpsychiatrischen Zentrums Sonnenhof Ganterschwil (KJPZ) und des Ostschweizer Kinderspitals (OKS) sowie des ebenfalls betroffenen Kantonsspitals St.Gallen (KSSG).

Die Regierung anerkennt daher den dringenden Handlungsbedarf und spricht sich für Eintreten auf die Vorlage und eine möglichst rasche Umsetzung aus, wie es weiter im Communiqué heisst. «Besonderen Wert legen wir auf die Pflege der Schnittstellen mit Vernetzungspartnern wie Schulpsychologischer Dienst, KESB, Kinderärzte.»

Spezialisiertes Team, gemeinsamer Pikettdienst

Was heisst das nun konkret? Vorgesehen sei ein auf Krisenintervention spezialisiertes Team des KJPD.

«Es soll die Notfallversorgung während der regulären Arbeitszeiten sicherstellen und das KSSG und das OKS fachlich unterstützen.»

Hinzu komme ein gemeinsamer, spezialisierter Pikettdienst von KJPD und OKS. Bei Bedarf könne das zunächst zentrale Beratungsangebot auf die Regionen ausgedehnt werden. Die Nachbetreuung sei durch das bestehende Angebot sichergestellt.

Die Leistungen der Notfallversorgung sollen teilweise durch die Krankenkassen vergütet werden. «Der zusätzliche jährliche Finanzierungsbedarf zulasten des Kantons beträgt 1,1 Millionen Franken.» Zusätzlich plane das KJPZ eine selbstfinanzierte Kriseninterventionsstation.

Der St.Galler Kantonsrat berät die Vorlage in der kommenden Aprilsession in erster Lesung und spätestens in der Maisession 2020 in zweiter Lesung. Die Botschaft und der Entwurf der Regierung sind im Ratsinformationssystem www.ratsinfo.sg.ch unter der Geschäftsnummer 34.20.09 zu finden.

Mehr zum Thema