Mit Plan B zum besten Bauschreiner

APPENZELL. Anfang Oktober findet in London die Berufsweltmeisterschaft statt – mit zehn Teilnehmern aus der Ostschweiz. Heute: Peter Enzler, Bauschreiner, Appenzell.

Livia Caluori
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Peter Enzler, bester Bauschreiner der Schweiz, an der Arbeit. (Bild: pd)

Peter Enzler, bester Bauschreiner der Schweiz, an der Arbeit. (Bild: pd)

Appenzell. «Ich wollte eigentlich immer Landwirt werden und den elterlichen Bauernhof eines Tages übernehmen», sagt der Appenzeller Peter Enzler. Nach nur zehn Tagen in der Lehre zum Bauern platzte sein Traum: Er war gezwungen, sich einer Rückenoperation zu unterziehen. «Da musste ich einen Plan B finden», sagt er. Heute ist der 21-Jährige Schreiner. Aber nicht einfach irgendeiner, sondern der beste Massivholzschreiner (auch Bauschreiner) der Schweiz. An der Schweizer Meisterschaft setzte sich der Appenzeller gegen ursprünglich 900 Schreinerinnen und Schreiner durch.

Eine Tonne Werkzeug und 35 Fans

Mit dem Schweizer-Meister-Titel qualifizierte sich der ehrgeizige Handwerker für die Berufsweltmeisterschaft vom 5. bis 8. Oktober in London. «Während der vier Wettkampftage fertige ich einen Fensterrahmen und eine kleine Treppe an», sagt Peter Enzler. Für die beiden Gegenstände habe er je elf Stunden Zeit, um die internationale Konkurrenz auszustechen.

Mit einer Tonne Werkzeug wird der 21-Jährige gut gerüstet an den grössten internationalen Wettbewerb von jungen Berufsleuten reisen. «Wir Schreiner nehmen bezüglich dem Gewicht am meisten Gepäck mit», sagt er. Das Werkzeug bleibt aber nicht das einzige, das an die WM mitreist. An der Berufsweltmeisterschaft kann der Appenzeller auf eine kräftige Unterstützung durch das enge Umfeld zählen: 35 Familienmitglieder und Kollegen begleiten ihn in die Millionenstadt an der Themse, was ihn riesig freue. Ob sein Fanclub mitsamt Kuhglocken und einheitlichen T-Shirts anreist, weiss er nicht. «Ich lasse mich überraschen», sagt der junge Bauschreiner. Bei so vielen Begleitpersonen ist der Druck, der auf ihm lastet, besonders gross. Doch: «Mentales Training hilft mir, lockerer in den Wettkampf zu gehen und mich nicht zu verkrampfen», sagt der 21jährige Schreiner.

Für den Ernstfall bereitet sich Peter Enzler im Waadtländer Betrieb seines Trainers Roger Huwyler vor. «Im kleinen Dorf Bex trainiere ich seit Juli für die Berufsweltmeisterschaft», sagt er.

«Ich vermisse das Ausgehen»

Für Hobbies habe er keine Zeit während der intensiven Vorbereitung. «Vor allem der Ausgang mit meinen Freunden zu Hause kommt mir zu kurz», sagt er. Hier im Waadtland kenne er kaum Gleichaltrige. Ausserdem erschweren Sprachbarrieren den Kontakt erheblich: «Ich kann kein Wort Französisch», sagt er.

Nach der Weltmeisterschaft wird Peter Enzler sicher wieder öfters feiern gehen. Einen konkreten Plan für die Zeit nach dem grossen Ereignis hat der Appenzeller nicht. «Die freie Zeit werde ich erstmal voll auskosten», sagt er. Das hat er sich auch verdient.

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