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Mit Laserstrahlen gegen Blitzeinschläge: Ein Experiment auf dem Säntis will Blitze künstlich auslösen

Können Laserstrahlen Blitzeinschläge verhindern? Ein Experiment auf dem Säntis soll im kommenden Sommer Antworten liefern.
David Grob/Daniel Walt
Ein exponierter Berg: Bis zu 400 Blitze werden pro Jahr am Säntis registriert. (Bild: Benjamin Manser)

Ein exponierter Berg: Bis zu 400 Blitze werden pro Jahr am Säntis registriert. (Bild: Benjamin Manser)

Bis zu 400 Blitze pro Jahr zucken beim Säntis über den Himmel. Ein Rekordwert in der Deutschschweiz. Einzig auf der Rigi wird eine ähnlich hohe Blitzaktivität registriert. Die Gemeinsamkeit der markanten Bergspitzen: ihre grossen Antennen, die Blitze anziehen.

Die vielen Gewitter beim Ostschweizer Hausberg möchte nun der Genfer Professor für angewandte Physik, Jean-Pierre Wolf, nutzen. Während eines Experiment im kommenden Sommer will der Genfer Forscher mit seinem Team Laserstrahlen in Gewitterwolken schiessen und die Auswirkungen testen. Ende August legte die Gemeinde Wildhaus-Alt-St.Johann hierzu eine Baueingabe auf. Ein rund zwei auf zwei Meter grosser Unterstand soll für das Teleskop errichtet werden, das ab Mai 2020 die Laserstrahlen in die Wolken aussendet.

Mit Laserstrahlen Blitze vom Himmel holen

Das Projekt auf dem Säntis ist Teil eines Forschungsprojektes, an dem Wolf und sein Team seit über zehn Jahren forschen. Der Genfer Physiker hat eine kühne Idee: Er will Blitze gezielt vom Himmel an den Boden leiten. Hierzu, so Wolfs Vision, sollen Laserstrahlen mit Leistungen im Terrawattbereich in Gewitterwolken geschossen werden und einen elektrisch leitenden Luftkanal kreieren. Dadurch könnten die Forscher Blitze gezielt an den Boden in Richtung eines normalen Blitzableiters leiten.

Der Versuch auf dem Säntis ist Teil dieser Forschungsarbeiten. Doch Blitze an den Boden lenken, das wollen die Genfer Forscher während ihres Experiments auf dem Säntis nicht. Jean-Pierre Wolf:

«Mit den Laserstrahlen soll zunächst einmal erreicht werden, dass sich die Blitze bereits innerhalb der Wolken entladen.»

Während des Versuchs soll getestet werden, welchen Unterschied es ausmacht, ob der Laser eingesetzt wird oder nicht. In Zusammenarbeit mit der Swisscom wollen die Genfer Forscher so herausfinden, ob mit Laserstrahlen Blitzeinschläge in die Telekommunikations-Anlage verhindert werden können. Die Testphase auf dem Säntis ist Teil von Wolfs Projekt «Laser Lightning Rod», das von der Europäischen Union mit knapp vier Millionen Euro unterstützt wird.

Doch nicht nur die Auswirkungen auf die Blitzeinschläge möchten die Genfer Forscher untersuchen. Auch die Laser selbst sollen erforscht werden. Mit gutem Grund: Ein ähnliches Experiment vor über zehn Jahren scheiterte an der noch rückständigen Technologie. 2008 führten Wolf und sein Team Versuche an exponierter Lage in Mexiko durch. «Die Lasertechnologie war damals noch nicht so weit», sagt Wolf. Die gewünschten Effekte hätten deshalb nicht erreicht werden können.

Blitze verursachen Milliardenschäden

Wolfs Idee ist bestechend, können doch dadurch Blitze gezielt von empfindlichen Objekten weggelenkt werden. Hintergrund: Blitzeinschläge sind eine Gefahr für technische Anlagen – nicht nur auf dem Säntis, sondern weltweit. In den USA beispielsweise entstünden jährlich Schäden von rund 5 Milliarden Dollar aufgrund von Blitzeinschlägen, so Wolf.

«Und an Flughäfen sorgen sie dafür, dass es Probleme beim Start und bei der Landung von Maschinen gibt.»

Die Säntis-Schwebebahn AG erhebt gegen das Projekt keine Einsprache. «Wir wehren uns nicht gegen technische Fortschritte», sagt der technische Leiter der Säntisbahn, Michael Wehrli. Sollte alles nach Plan gehen, so wird sich in rund einem Jahr zeigen, ob der Laser-Blitzableiter eine Zukunft hat.

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