Mit Eskalationen kennt er sich aus

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Wer 16 Jahre Regierungsrat war, kann es danach etwas gemütlicher nehmen – könnte man meinen. Erst recht, wenn er in seiner Amtszeit ein Attentat im Kantonsparlament schwer verletzt überlebt hat. Hanspeter Uster, ehemaliger Zuger Sicherheits­direktor, macht das Gegenteil. Der 59-Jährige wird die Untersuchungskommission im Tierquälerei-Fall von Hefenhofen leiten – und es ist nicht sein erster Auftrag dieser heiklen Art. So untersuchte der Jurist den Polizeieinsatz gegen den Bieler «Amok-Rentner» Peter Hans Kneubühl. Und nahm Vorfälle in einer Solothurner Strafanstalt unter die Lupe. Wie jetzt im Thurgau wurde auch damals in Solothurn die Frage gestellt, ob Uster seinen früheren Job als Regierungsrat gut genug gemacht habe, um für die Untersuchung qualifiziert zu sein. Die Antwort des Solothurner Parlaments lautete Ja.

Usters Wahl in die Zuger Regierung 1990 war eine Sensation. Niemand hätte gedacht, dass er als Links-Alternativer im reichen, konservativen Kanton den Sprung schaffen würde. Befürchtungen, Uster werde die Polizei auflösen, erwiesen sich als unbegründet. Er stockte das Korps auf und erarbeitete sich Respekt über die Parteigrenzen hinaus. Legendär ist seine Velofahrt ins Ägerital, wo sich ein Bürger verschanzt hatte und mit einem Gewehr drohte. Uster sprach stundenlang mit dem Mann – bis dieser besänftigt war und ihm den Karabiner übergab. (av)