Kolumne

Schlittschuh-Miete in Frauenfeld, oder mit einem Schuh kommt niemand weit

Was passiert, wenn man ohne Ausweis aber mit zwei erwartungsvollen Buben im Schlepptau an der Kasse der Eishalle Frauenfeld steht.

Ida Sandl
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Ohne Schlittschuhe kann man nicht Eishockey spielen,  so ist das nun mal.  (Bild: PD)

Ohne Schlittschuhe kann man nicht Eishockey spielen,  so ist das nun mal.  (Bild: PD)

Das Schild ist gut zu sehen und seine Aussage ist eindeutig. Schlittschuhe ausleihen kann nur, wer einen Ausweis dabei hat. Aber, eigentlich ist es dann schon zu spät. Denn wer das liest, der steht bereits an der Kasse der Eishalle Frauenfeld, ohne Ausweis, dafür mit zwei Buben, neun und zwölf Jahre alt. Und die beobachten alles, was sich gerade abspielt, mit grossen Augen. Noch glänzen diese grossen Kinderaugen, doch jeden Moment können sie sich verdüstern. Dumpfe Enttäuschung statt euphorischer Vorfreude.

Umkehren? Nein, geht gar nicht, sagt sich Stéphane G. (44 Jahre alt), der an diesem Nachmittag an der Kasse der Eishalle steht. Ohne Ausweis, aber mit den Buben. Eishockeyspielen hat er ihnen versprochen. Der Ausweis liegt einsam daheim, irgendwo in der Zürcher Wohnung. Aussichtslos ihn holen zu können. Die praktisch denkende Dame an der Kasse rät:

«Dann gehen sie doch zum Auto und bringen ihren Fahrausweis»

Doch Stéphane G. hat kein Auto, nur ein SBB-Generalabonnement auf seinem Smartphone. Das bietet er der Kassierin als Pfand für die Schlittschuhe an, inklusive Handy versteht sich. Immerhin ein iPhone 10. Doch für kostspielige Technik hat die Frau offensichtlich keinen Sinn. Sie schlägt Stéphane G. stattdessen vor, er solle ihr einen seiner Schuhe als Pfand überlassen. Er ist zwar ein wenig verdutzt, dass ein Schuh mehr gelten solle als das iPhone, nimmt das Angebot aber diskussionslos an. Der Nachmittag ist gerettet. Auch wenn die Leute schmunzeln, als er mit nur einem Schuh in die Umkleide-Kabine humpelt.

Nach drei Stunden auf dem Eis bringt Stéphane G. die Schlittschuhe zurück und bekommt seinen Schuh im Gegenzug ausgehändigt. Er meint, er habe aus den Augenwinkeln noch einen anderen einzelnen Schuh im Regal stehen sehen.

Sind Schuhe das gängige Pfand in Frauenfeld?

Ist es also gängige Praxis in der Kantonshauptstadt, Schuhe als Pfand einzuziehen? Fabrizio Hugentobler, der Chef über die Frauenfelder Freizeitanlagen, kann sich das nicht recht vorstellen. Konsequenz sei aber nötig, betont er. «Wir haben leider schlechte Erfahrungen gemacht.» Ein billiges Pfand bleibe an der Kasse liegen und die geliehenen Schlittschuhe verschwinden auf Nimmerwiedersehen.

Fabrizio Hugentobler hat auch eine Erklärung, warum die Kassiererin das Smartphone nicht akzeptieren wollte. Handys als Pfand seien heikel. Wenn im Nachhinein irgendein Problem damit auftauche, «dann wird die Schuld sicher auf uns geschoben.»