Multimedia-Story

Mit der Schnapsflasche über den Bach hüpfen: Butler bereiten sich in St.Gallen auf einen speziellen Einsatz vor

Ab Juli bieten die Ostschweizer Tourismusdestinationen Übernachtungen in einem Doppelbett unter freiem Himmel an. Es ist eine Weiterentwicklung der «Nullsternhotel»-Idee der St.Galler Künstler Frank und Patrik Riklin. In St.Gallen luden die Zwillinge zu einer eigenwilligen Schulung für angehende Butler.

Roger Berhalter
Drucken
Teilen
Die angehenden Butlerinnen Margrith Tanner (links) und Monika Vorburger in Aktion.

Die angehenden Butlerinnen Margrith Tanner (links) und Monika Vorburger in Aktion.

Bild: PD

Patrik Riklin wirft die zwei Windmaschinen im Kuhstall an. «Manchmal wird es ziemlich winden, damit müsst ihr rechnen», sagt der St.Galler Künstler. Margrith Tanner und Monika Vorburger nicken. Die beiden treten mit weissem Hemd, schwarzer Fliege und weissen Butler-Handschuhen an zur ersten Disziplin an diesem Schulungsmorgen: Bettenmachen bei heftigem Gegenwind.

Es ist eine skurrile Szene, die sich neben dem Restaurant Scheitlinsbüchel in St.Gallen abspielt: Mitten im Kuhstall steht ein Doppelbett wie aus dem Luxushotel, inklusive weissen Duvets und Nachttischlämpchen. Die Kühe glotzen, die Geissen lugen aus ihrer Box, und Margrith Tanner schüttelt die Decken.

Bettenmachen im Kuhstall: Patrik Riklin (links) filmt die nicht ganz ernst gemeinte Butlerschulung und überträgt sie live auf Facebook.

Bettenmachen im Kuhstall: Patrik Riklin (links) filmt die nicht ganz ernst gemeinte Butlerschulung und überträgt sie live auf Facebook.

Bild: Michel Canonica

Zum Schluss schlägt die angehende Butlerin mit der Handkante auf das Kissen, so dass sich zwei dekorative Spitzen formen. Riklin ist zufrieden: «Kompliment!»

Doppelbetten an sieben Standorten in der Ostschweiz

Patrik Riklin und sein Zwillingsbruder Frank haben das Bettenmachen im Kuhstall inszeniert, um auf ihr neustes Projekt aufmerksam zu machen. Die St.Galler Künstlerbrüder arbeiten dafür mit sieben Tourismusdestinationen aus der Ostschweiz und dem Fürstentum Liechtenstein zusammen.

Ab Juli soll es an sieben Standorten «immobilienbefreite Hotelzimmer» geben, wie es die Riklins nennen. Sprich: Ein Doppelbett unter freiem Himmel. Dort können die Gäste übernachten, umsorgt von einem ortskundigen Butler, der das Bett auch bei Wind faltenfrei beziehen kann.

Vom «Nullsternhotel» zum «Zero Real Estate»

Mit diesem «Zero Real Estate» genannten Projekt entwickeln Frank und Patrik Riklin ihre Idee des «Nullsternhotels» weiter. Es begann 2008, als sie einen Zivilschutzbunker zum «Nullsternhotel» erklärten und damit international bekannt wurden. Ab 2016 folgten weitere «Nullstern»-Versionen, diesmal mit einem Doppelbett unter freiem Himmel, im Bündner Safiental, im Appenzellerland und im Toggenburg.

Inszenierung mit starken Bildern: Das Hotelzimmer der Riklin-Zwillinge vor den Churfirsten im Sommer 2018.

Inszenierung mit starken Bildern: Das Hotelzimmer der Riklin-Zwillinge vor den Churfirsten im Sommer 2018.

Bild: PD

Auch diese Aktionen wussten die Künstler mit starken Bildern zu inszenieren; wiederum war die Resonanz gross. Heute seien 9000 Namen auf der Warteliste, sagt Patrik Riklin. So viele Menschen wären bereit, 300 Franken für eine Übernachtung im Freien auszugeben.

Heiterer Ernst mit Umsatzpotenzial

Die zwei Butlerinnen sind inzwischen bei der zweiten Disziplin angelangt: Mit einer Flasche Alpenbitter und zwei vollen Gläsern sollen sie im Zickzack über einen Bach springen. «Versucht, ein bisschen Dynamik reinzubringen», dirigiert Patrik Riklin.

Margrith Tanner hüpft souverän übers Wasser, ohne einen Tropfen zu verschütten. Lachend ruft sie:

«Ich dachte, das mit dem Bach sei ein Witz!»

Nein, ein Witz sollen die «immobilienbefreiten Hotelzimmer» keineswegs sein. Patrik Riklin spricht lieber von «heiterem Ernst». Er verweist erneut auf die lange Warteliste und auf das damit verbundene Umsatzpotenzial. «Die Nachfrage ist da.»

Mehr zum Thema