Mit der IT-Bildungsoffensive geht es voran: Die Universität St.Gallen bildet bald Informatikstudenten aus – die School of Computer Science an der HSG ist eröffnet

Am Mittwoch wurde die School of Computer Science an der Universität St.Gallen eingeweiht. 2021 beginnt der Masterstudiengang. Erste positive Effekte für die Ostschweizer Informatikbranche sind in drei Jahren zu erwarten.

Rossella Blattmann
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Barbara Weber, Dekanin der neu eröffneten School of Computer Science an der Universität St.Gallen.

Barbara Weber, Dekanin der neu eröffneten School of Computer Science an der Universität St.Gallen.

Bild: Michel Canonica

Barbara Weber freut sich. Das nasskalte St.Galler Oktoberwetter trübt die Stimmung der Innsbrucker Informatikerin nicht. Die Professorin ist die erste Dekanin der School of Computer Science (SCS) an der Universität St.Gallen (HSG). Am Mittwochnachmittag hat Weber gemeinsam mit dem St.Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP), Präsident des Universitätsrates, und HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller die School of Computer Science an der Rosenbergstrasse 30 hinter den Gleisen des St.Galler Hauptbahnhofs eingeweiht.

HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller, SCS-Dekanin Barbara Weber sowie Bildungsdirektor Stefan Kölliker haben am Mittwoch die School of Computer Science an der Universität St.Gallen eröffnet.

HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller, SCS-Dekanin Barbara Weber sowie Bildungsdirektor Stefan Kölliker haben am Mittwoch die School of Computer Science an der Universität St.Gallen eröffnet.

Bild: Michel Canonica

Kleine Feier wegen Corona

Die rund 30 Anwesenden klatschen. Eigentlich hätte die Eröffnung in grossem Stil stattfinden sollen, sagt Annkathrin Heidenreich, Kommunikationsverantwortliche der Universität St.Gallen. «Doch wegen des Coronavirus feiern wir nun im kleineren Rahmen», sagt sie. Neben der Dekanin Weber, Kölliker und Ehrenzeller sind auch Volkswirtschaftsdirektor Beat Tinner (FDP) und der St.Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin (FDP) anwesend. Scheitlin sagt:

«Die Eröffnung der School of Computer Science ist ein wichtiger Mosaikstein der IT-Bildungsoffensive.»

Am 10. Februar hatten knapp 70 Prozent der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger im Kanton St.Gallen deutlich Ja zu einem Kredit von 75 Millionen Franken für Informatikprojekte auf allen Bildungsstufen gesagt. Für die Universität – die School of Computer Science an der HSG – wurden 18,8 Millionen Franken vorgesehen.

Fachkräftemangel in der Ostschweiz

Stefan Kölliker, St.Galler Bildungsdirektor und Präsident des HSG-Universitätsrates.

Stefan Kölliker, St.Galler Bildungsdirektor und Präsident des HSG-Universitätsrates.

Bild: Michel Canonica

Nachdem Weber, Kölliker und Ehrenzeller das rote Band feierlich durchschnitten haben, geht es mit Maske – auf dem HSG-Gelände herrscht Maskenpflicht – weiter in den ersten Stock hinauf. Jochen Müller, Geschäftsführer der School of Computer Science, moderiert die Gesprächsrunde. Stefan Kölliker ergreift das Wort.

«In der Ostschweiz fehlen die IT-Fachkräfte.»

Bei den IT-Firmen bestehe ein grosser Mangel an Spezialisten, der nun mit dem neuen Informatikstudiengang behoben werden soll, so Kölliker. «Die 18,8 Millionen aus der IT-Bildungsoffensive hätten nicht besser investiert werden können.»

HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller.

HSG-Rektor Bernhard Ehrenzeller.

Bild: Michel Canonica

Das St.Galler Studium in Computer Science soll laut Rektor Bernhard Ehrenzeller ein Informatikstudium mit dem gewissen Etwas sein. Denn HSG-Informatikstudentinnen und -studenten würden auch Kenntnisse in Wirtschaft-, Rechts- und Kulturwissenschaften vermittelt. Er sagt: «Die Ostschweiz wird damit zum wichtigen Standort für Informatikfachleute, die gleichzeitig eine wirtschaftsorientierte Ausbildung haben.»

Erste Erfolge für die Ostschweizer Wirtschaft in drei Jahren erwartet

«Wir möchten einerseits durch Kooperationsprojekte mit der Ostschweizer Wirtschaft zur regionalen Verankerung der HSG beitragen, andererseits aber auch zu einem international sichtbaren Informatikstandort werden», sagt SCS-Dekanin Weber beim anschliessenden Apéro. Erste Projekte hätten bereits begonnen, sagt sie, und nimmt einen Schluck Weisswein aus ihrem Glas. Zum Beispiel arbeite man in der Stadt St.Gallen mit den Stadtwerken und dem Kehrichtheizkraftwerk zusammen, sagt Webers Kollege Damian Borth, einer der sechs Professoren am Institute of Computer Science.

In einem Jahr beginnen die ersten Masterstudentinnen und -studenten das Informatikstudium an der HSG, im darauffolgenden Jahr soll voraussichtlich der Bachelorstudiengang starten. Das heisst: Heute in drei Jahren werden die ersten SCS-Studentinnen und -Studenten ihr Masterdiplom in den Händen halten. «Dann sind sie bereit, im Ostschweizer Arbeitsmarkt durchzustarten», sagt Barbara Weber.

Der Bildungsdirektor mag Roboter

Beim anschliessenden Rundgang erhalten die Gäste einen Einblick in die Räumlichkeiten der School of Computer Science, und Studenten stellen erste Projekte vor. Ein Programm der Abteilung Data Science zum Beispiel wandelt die auf Schweizerdeutsch gesprochenen Worte einer SRF-Meteo-Moderatorin in hochdeutsche Untertitel um.

Ein weisser Roboter mit türkisen Leuchtaugen hat es Stefan Kölliker besonders angetan. Der Bildungsdirektor beugt sich fasziniert zum Androiden hinunter. «Wer ist Stefan Kölliker?», fragt ein Student den Roboter. «Ein Schweizer Politiker!», antwortet dieser – und Kölliker freut sich über die künstliche Intelligenz.

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