«Mit dem Euro-Kurs wird es hart»

Bauernpräsident Hansjörg Walter und der Präsident der St. Galler Bauern, Markus Ritter, sind sich einig: Die vollständige Liberalisierung des Milchmarktes trifft vor allem den Bereich der Industriemilch. Und hier ist die Ostschweiz schwach.

Eveline Dudda
Merken
Drucken
Teilen
Markus Ritter (Bilder: Reto Martin)

Markus Ritter (Bilder: Reto Martin)

ST. GALLEN. Dass beinahe 90 Prozent der Appenzeller Bauern, 80 Prozent in St. Gallen und mehr als 60 Prozent der Thurgauer Bauern Rindvieh halten, ist für Hansjörg Walter, Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes, logisch: «Die Ostschweiz verfügt über eine gute Futtergrundlage, viele begeisterte Viehzüchter und starke Käsereistrukturen.»

Nur im Industriemilch-Bereich ist die Ostschweiz schwach. Seit die Swiss Diary Food in Konkurs gegangen ist, muss die Ostschweizer Industriemilch durch das Nadelöhr Zürich zur Emmi nach Luzern oder zur Cremo nach Freiburg transportiert werden.

Cremo räumt 17 Prozent ab

Noch schwächer sind derzeit die Milchpreise, wie Walter vorrechnet: «Bei der Cremo geht derzeit 17 Prozent der Menge für 32 Rappen in die Abräumung, da kommen die Bauern auf einen Mischpreis von weniger als 50 Rappen pro Kilo Milch.

» Eine Wertschöpfungskette sei nicht nachhaltig, «wenn ein Glied zu kurz kommt». Walter geht davon aus, dass sich die Milchmenge nicht in den Griff bekommen lässt. Er fürchtet sogar, dass es noch schlimmer wird: «Mit dem Euro-Kurs wird es jetzt ganz brutal. Da sind Exportprobleme absehbar.» Laut Markus Ritter, Präsident des St. Galler Bauernverbandes, verfolgen «rund 15 bis 20 Prozent der Bauern eine Wachstumsstrategie».

Diese Landwirte wollen günstig produzieren und investieren deshalb erst einmal viel Geld in technische Lösungen. Die Milch dieser Bauern verkauft sich ausschliesslich über den (tiefen) Preis. Sobald die Nachfrage fällt, oder die Kosten für Produktionsmittel steigen, wird es für diese Bauern eng.

Mit silofreier Milch besser dran

Ritter gibt der Wertschöpfungsstrategie bei einem allfälligen Freihandel die besseren Chancen: «Silofreie Käsereimilch ist auch bei hohem Grenzdruck weniger austauschbar.»

Hansjörg Walter

Hansjörg Walter