Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Streit wegen der Politik: Mit Messer Freund verletzt

Drei Freunde verabredeten sich zum Trinken. Am Schluss des Abends musste einer von ihnen mit einem Bauchstich ins Spital. Ein 35-jähriger Tamile wehrt sich am Kantonsgericht St. Gallen gegen einen Schuldspruch.
Claudia Schmid
Kantonsgericht St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Kantonsgericht St. Gallen. (Bild: Ralph Ribi)

Das Kreisgericht Rheintal war im September 2017 zur Überzeugung gelangt, dass der Beschuldigte für die schwere Verletzung des Opfers verantwortlich ist. Es verurteilte ihn wegen versuchter vorsätzlicher Tötung zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren. Gegen dieses Urteil legte der Staatsangehörige von Sri Lanka Berufung ein und verlangte am Kantonsgericht St. Gallen einen Freispruch von Schuld und Strafe.

Die Tat geschah an einem Samstag im März 2013 in der Wohnung des Beschuldigten, wo sich auch der Mitbewohner aufhielt. Ein Freund kam zu Besuch, und die drei Landsleute tranken reichlich Whisky und Bier. Wie der Mitbewohner später aussagte, wurden die beiden Freunde nach einer hitzigen Diskussion plötzlich handgreiflich. Schliesslich habe der Beschuldigte ein Messer von der Küchenkombination genommen und zugestochen. Das Opfer erlitt in der Bauchgegend innere Verletzungen, die zwei Operationen nötig machten.

Alle drei Freunde waren zum Tatzeitpunkt stark betrunken. Beim Opfer wurden am frühen Morgen 1,48 Gewichtspromille, beim Beschuldigten 1,98 und beim Mitbewohner 2,03 gemessen. Alle drei gaben zu Protokoll, dass sie nicht mehr genau wüssten, worum es bei der verbalen Auseinandersetzung gegangen sei. Der Beschuldigte erklärte an der Berufungsverhandlung, er sei schlafen gegangen. Erst einige Zeit später habe er durch den Mitbewohner erfahren, dass der Freund einen Messerstich im Bauch habe.

Tatwaffe nicht mit Sicherheit identifiziert

Der Verteidiger verlangte die Aufhebung des erstinstanzlichen Urteils. Die Aussagen der drei Männer seien alles andere als konstant. Aufgrund des hohen Alkoholpegels müsse man davon ausgehen, dass die Erinnerungen an die Geschehnisse nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen würden. Tatsache sei, dass man ein Messer gefunden habe, welches aber nicht mit Sicherheit als Tatwaffe identifiziert worden sei. Auf dem Messer, das die Untersuchungsbehörden im Abwaschkorb gefunden hätten, seien keine Fingerabdrücke und kein Blut gefunden worden, sondern einzig die DNA des Opfers. Dies könne bedeuten, dass sich das Opfer selber mit dem Messer verletzt habe.

Die Staatsanwältin beantragte die Abweisung der Berufung. Fakt sei, dass Beschuldigter und Opfer eine verbale Auseinandersetzung über ein politisches Thema und später eine Rangelei gehabt hätten, erklärte sie. Das Opfer habe unmittelbar nach der Tat zu seiner Ehefrau gesagt, er sei vom Beschuldigten – wohl unabsichtlich – in den Bauch gestochen worden, und er werde nun ins Spital gebracht. Das habe er auch in der ersten Befragung durch die Untersuchungsbehörden wiederholt. Vor allem, weil das Opfer von einer unabsichtlichen Tat des Beschuldigten gesprochen habe, könne man davon ausgehen, dass er die Wahrheit gesagt habe. Das Urteil des Kantonsgerichts St. Gallen steht noch aus.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.