Missklang im Militärspiel

Schweizer Rekruten spielen auf ausländischen Blasinstrumenten. In den Ohren mancher Politiker klingt das gar nicht gut. Der Thurgauer SVP-Präsident Ruedi Zbinden und der St.Galler CVP-Nationalrat Jakob Büchler wollen das ändern.

Sabrina Bächi
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Ein WK-Spiel in Brass-Band-Formation spielt für die Bevölkerung in Frauenfeld. (Bild: Nana do Carmo (Frauenfeld, 27. Juni 2013))

Ein WK-Spiel in Brass-Band-Formation spielt für die Bevölkerung in Frauenfeld. (Bild: Nana do Carmo (Frauenfeld, 27. Juni 2013))

Die Nationalhymne der Schweiz: Symbol für unser einig, schönes Land. Gespielt wird die Landeshymne aber auf ausländischen Instrumenten. Zumindest beim Schweizer Militär. Denn Recherchen unserer Zeitung zeigen: Bei der Neubeschaffung von Blasinstrumenten für das Schweizer Militärspiel werden Schweizer Instrumentenbauer derzeit nicht berücksichtigt.

Thurgauer Politiker erkennen das Problem

Für Thurgauer Politiker ist das ein Skandal. Sie meinen: In der Schweiz spielt die Musik. «Wenn wir schon Schweizer Instrumentenbauer haben, sollte das Schweizer Militärspiel auch Schweizer Instrumente spielen», sagt Ruedi Zbinden, Präsident der SVP Thurgau. Mindestens eine Offerte sollten die Handwerkbetriebe bei der Armasuisse stellen können, meint er.

Das Thema hat bereits weitere Kreise gezogen: Nun ist es auch in Bern im Gespräch, nachdem Nationalrätin Verena Herzog sich der Problematik angenommen hat. «Ich unterstütze dieses Anliegen sehr gerne», sagt sie. «Es ist wichtig, dass Schweizer Firmen mindestens eine Offerte anbringen können.» Der St. Galler Nationalrat Jakob Büchler hat das Anliegen nun in die Sicherheitspolitische Kommission des Nationalrats hineingetragen. «Ich habe von meinen Kommissionskollegen volle Unterstützung erhalten. Viele wussten gar nicht, dass in dieser Beziehung ein Missstand herrscht.» Er selbst habe den Rüstungschef der Armasuisse, Martin Sonderegger, angefragt, wie die Situation bezüglich Schweizer Blasinstrumenten sei. Wie die Antwort genau ausfiel, will er nicht sagen. Aber zufrieden ist er damit nicht. Für ihn hat sich die Sache noch lange nicht erledigt: «Ich werde dieser Sache in der nächsten Sitzung Anfang November nochmals nachgehen.»

Pro Jahr benötigt das Schweizer Militär rund 200 neue Instrumente – weil so viele neue Rekruten für das Militärspiel ausgehoben werden. Der Bedarf an neuen Instrumenten ist gross. Dass die Schweizer Politik sich der Thematik nun annimmt, freut die Schweizer Instrumentenbauer. Denn diese stossen mit ihren Anfragen an das Militär seit Jahren auf taube Ohren, wie es auf Anfrage bei Ostschweizer Unternehmen heisst. Musik Haag aus Weinfelden und das Unternehmen Wilson aus Flums wurden noch nie angefragt zu offerieren. Obwohl beide Musikhäuser internationale Referenzen haben.

Die Instrumentenbauer zeigen sich enttäuscht. Sie fühlen sich nicht ernst genommen. Der Leiter Bildung im Arenenberg, Ruedi Huber, stärkt den Schweizer Unternehmen den Rücken. Er meint: «Es würde bestimmt helfen, wenn die Armee diesen Beruf unterstützen würde, indem sie Instrumente aus der Schweiz kauft.» 2008 wurde im Arenenberg die Abteilung für Instrumentenbau errichtet. Jedes Jahr machen dort etwa 10 Lernende aus der ganzen Schweiz ihren Abschluss. Der Kanton Thurgau finanziere etwa die Hälfte der Ausbildung mit, damit die Lernenden auf hohem Niveau ausgebildet werden können, sagt Huber.

Die Qualität stimmt – der Preis nicht

2009 durfte Musik Spiri aus Winterthur bei der Armasuisse eine Offerte für ihre Trompeten einreichen. Das Ergebnis: «Die Spiri-Trompete wurde gleich gut bewertet wie die amerikanische Trompete der Marke Bach. Einziger Unterschied: der Preis», sagt Nina Spiri.

10 bis 15 Prozent mehr hätte die Trompete aus Winterthur das Schweizer Militär gekostet. Auch die Trompeten von Musik Haag aus Weinfelden und von Wilson aus Flums kosten mit 4200 Franken knapp 15 Prozent mehr als eine amerikanische Bach. Dem Militär ist das ein Dorn im Auge: Denn nach Bundesgesetz muss die wirtschaftlich günstigste Option gewählt werden. Damit wären die Schweizer Unternehmen aus dem Rennen. Die Instrumentenbauer lassen dieses Argument nicht gelten. Sie sagen: Die Preise sind verhandelbar.