MISSGESCHICK: "Ein Armutszeugnis für den Piloten"

Ein Gleitschirmflieger rammt auf der Ebenalp eine Kuh. Das Video geht viral und erreicht über 110'000 Klicks. Was auf den ersten Blick lustig erscheint, erfreut die Gleitschirmszene ganz und gar nicht.

Alexandra Pavlovic
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Kurz vor dem Zusammenprall... (Bild: Screenshot Youtube)

Kurz vor dem Zusammenprall... (Bild: Screenshot Youtube)

"Wir sind nicht glücklich, dass das Video derart verbreitet wird", sagt Adi Hunziker, Geschäftsführer der Flugschule Appenzell. Während es für die meisten ein lustiger Anblick sei, dass ein Gleitschirmflieger eine Kuh rammt, so sei es für den Piloten ein Armutszeugnis. Und nicht nur das: "Es wirft auch ein schlechtes Licht auf unseren Sport", sagt Hunziker.

Rückblick: Am vergangenen Freitag wurde ein Youtube-Video hochgeladen auf dem zu sehen ist, wie ein Gleitschirmflieger auf der Ebenalp aus dem Tritt gerät und mit den Beinen voran eine Kuh rammt. Auslöser des Vorfalls soll gemäss der Videobeschreibung auf Youtube eine Windböe gewesen sein. Innert weniger Tage wurde das Video im Internet über 100'000 Mal angeschaut. Hunziker seinerseits hält fest, einzig der Pilot sei schuld am Missgeschick. "Zum Unfallzeitpunkt war es nämlich windstill", wie der Geschäftsführer und Gleitschirmlehrer sagt. An jenem Tag hätten einfache Bedingungen für die Sportler geherrscht. Die Person hatte schlichtweg ihren Schirm nicht im Griff. Mehr noch: Der Pilot habe einen der wichtigsten Punkte vergessen zu kontrollieren - "ob der Start- und Luftraum frei ist."

Wie Hunziker weiter sagt, müsse jeder Gleitschirmflieger fünf Punkte vor dem Abflug überprüfen. Da wären zum einen die Kontrolle der Gurte und Sitzschale sowie die Inspektion aller Leinen. Zum anderen die korrekte Auslegung des Schirms und die Überprüfung der Windstärke. Zu guter Letzt gelte es nachzusehen, ob der Start- und Luftraum frei ist. Im vorliegenden Fall hätten laut dem Experten die anwesenden Personen die Kühe beiseite treiben sollen. "Zudem hätte der Pilot auch einige Minuten abwarten können bis der Startplatz frei war, oder er hätte sich auch einen anderen Startpunkt suchen müssen. Er war ja nicht auf der Flucht." 

 

Bauer wartet auf Entschuldigung

Glück im Unglück hatte die Kuh, die auf den Namen Charlotte hört. Der Bauer habe erst durch die Medienberichte erfahren, dass sein Tier vom Gleitschirmflieger gerammt wurde. Verletzungen davon trug es keine, so Hunziker. Die Suche nach dem Schuldigen läuft. Noch konnte er nicht ermittelt werden - auf eine Entschuldigung wartet der Bauer noch immer.

Adi Hunziker, der nicht nur Gleitschirmlehrer sondern auch ein erfahrener Gleitschirmpilot ist, hat schon derartige Missgeschicke erlebt. "Zum Glück aber nie bei einem meiner Schüler", sagt er. Umso wichtiger sei es ihm, jedem den richtigen Umgang mit dem Gleitschirm beizubringen. Und dazu gehöre auch die richtige Handhabung.
 

Keine Sanktionen gegen Gleitschirmpiloten

Auch Daniel Graf, Mitglied der Fluggemeinschaft Alpstein, bestätigt, dass es sich im Youtube-Video um einen unerfahrenen Gleitschirmpiloten handelt. "Der Mann hat sich beim Startversuch verschätzt. Ein geübter Pilot hätte entweder seine Laufrichtung geändert, wäre also der Kuh ausgewichen, oder hätte den Start kontrolliert abgebrochen", sagt Graf. Dass der Gleitschirmpilot unqualifiziert war, ist nicht nur an seiner Ausrüstung zuerkennen, sondern auch an der hohen SHV-Nummer auf dem Schirm. Die Nummer zeigt gemäss Graf auf, wie erfahren ein Gleitschirmpilot ist. "Je tiefer die Nummer, desto länger fliegt eine Person."

Die Fluggemeinschaft Alpstein ist zuständig für die Start- und Landeplätze im Alpsteingebiet. Dazu gehört auch der im Film ersichtliche Startplatz, der sich in der Nähe der Bergstation Ebenalp befindet. "Der Landwirt der betroffenen Kuh hat sich nicht bei uns gemeldet, demnach gehen wir davon aus, dass das Tier unverletzt geblieben ist. Somit werden wir auch keine Sanktionen gegen den Piloten erheben", sagt Graf.Wäre die Kuh hingegen ernsthaft zu Schaden gekommen, hätte der Pilot mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen müssen. (lex)