Missen-König wider Willen

Das drohende Aus für die Wahl der Miss Ostschweiz nach dem Absprung des Hauptsponsors ist abgewendet. Für den Anlass ist ein Organisator gefunden worden. Der neue ist ein alter Hase im Geschäft – er springt aus Goodwill ein.

Janique Weder
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Die Titelanwärterinnen an der Miss-Ostschweiz-Finalnacht 2015 im Hotel Einstein. (Bild: Benjamin Manser)

Die Titelanwärterinnen an der Miss-Ostschweiz-Finalnacht 2015 im Hotel Einstein. (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. Nie mehr Miss Ostschweiz? Dieses Szenario drohte, weil vor einigen Monaten der Hauptsponsor des Schönheitswettbewerbs, das Möbelhaus Svoboda, abgesprungen war. Zudem kündigte der bisherige Veranstalter seinen Rückzug an. Damit wäre die amtierende Miss Ostschweiz, Alessandra Fontanive aus Rorschacherberg, die letzte hiesige Schönheitskönigin gewesen. Doch nun ist Tatsache, was sich bereits abgezeichnet hat: Die Wahl ist gerettet.

«Musste mich zwingen»

Ein neuer Organisator ist gefunden: Marcel Weingartner, Chef der St. Galler Modelagentur «Look Model Agency», wie «20 Minuten» berichtet. Weingartner ist ein Altbekannter im Missengeschäft: Er hatte die Miss-Ostschweiz-Wahl vor 29 Jahren ins Leben gerufen. Zwei Jahrzehnte lang hatte Weingartner die Wahl selber organisiert, bis er sie an Ralf Huber von der Rorschacher Eventfirma rhc GmbH übergab.

Im Hintergrund wirkte Weingartner auch die vergangenen Jahre mit. Diese Rolle habe ihm gefallen, sagt Weingartner. Dass er die Wahl nun wieder alleine stemmen muss, löst bei ihm keine Begeisterung aus. «Ganz ehrlich, ich musste mich dazu zwingen», sagt Weingartner.

30. Missen-Wahl im Jahr 2016

Der Event sei nicht besonders lukrativ und sehr aufwendig: Vom Casting über die Sponsorenrekrutierung, die Shootings, der Website-Gestaltung bis hin zur Wahlnacht und der Betreuung der Siegerin gebe es viel zu tun. «Aber ich konnte auch nicht einfach zusehen, wie die Miss-Ostschweiz-Wahl stirbt. Schon gar nicht im Hinblick auf das kommende Jahr.» Dann findet die Wahl zum 30. Mal statt.

Aufgrund des Ausstiegs des Hauptsponsors Svoboda klafft ein grosses Loch in der Kasse. Weingartner hofft, dieses mit zwei, drei neuen Sponsoren füllen zu können. Noch sei diese Frage nicht geklärt. Und auch wenn er weitere Sponsoren gewinnen könne, erhalte er kaum mehr so viele Gelder wie früher. «Das bedeutet, dass die Wahl in einem kleineren Rahmen durchgeführt wird.» Weingartner plant «eine Rückkehr zu den Anfängen» und will den Schönheitswettbewerb im St. Galler Nachtclub Trischli durchführen. Dort, wo Susi Ritter im Jahr 1987 zur allerersten Miss Ostschweiz gekürt worden war.

Früher anrüchig, heute toleriert

Laut Weingartner hat sich das Geschäft seit der ersten Misswahl verändert. «Die Wahl ist frecher, sexier geworden.» Heute sei es normal, dass Frauen in Bikinis über den Laufsteg gingen. «Früher galt dies als anrüchig.» Eine gute Figur sei inzwischen sehr wichtig. Dafür müssen die Kandidatinnen nicht mehr so gross sein wie früher: 165 Zentimeter reichen. Auch hinsichtlich der Herkunft sind die Veranstalter offener geworden. Mussten die Missen früher einen Schweizer Pass besitzen, reicht es heute, wenn sie in der Schweiz geboren worden sind und über eine Niederlassungsbewilligung C verfügen.

Marcel Weingartner Miss-Ostschweiz-Organisator (Bild: pd)

Marcel Weingartner Miss-Ostschweiz-Organisator (Bild: pd)

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