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Nach Missbrauchsverdacht in St.Galler Kita – Fachleute warnen: «Man sucht nun nach einem Schuldigen und findet ihn in den Männern im Allgemeinen»

Der Missbrauchsverdacht in einer St.Galler Kinderkrippe schürt neue Vorbehalte gegen männliche Betreuer. Fachleute warnen vor genereller Ablehnung.
Noemi Heule, Andri Rostetter
In der Kita Fiorino kam es vermutlich zu einem sexuellen Übergriff. (Bild: Benjamin Manser)

In der Kita Fiorino kam es vermutlich zu einem sexuellen Übergriff. (Bild: Benjamin Manser)

Der Andrang war gross. Am Donnerstag hat die Kinderkrippe Fiorino in St.Gallen zum Elternabend geladen. Gleichentags wurde bekannt, dass es in der Kinderkrippe vermutlich zu einem sexuellen Übergriff an einem knapp zweijährigen Knaben gekommen war. Der Verdächtige, ein ehemaliger Mitarbeiter, war bereits im Juli verhaftet worden und sitzt seither in Untersuchungshaft.

90 Eltern nutzten die Gelegenheit, um die Verantwortlichen sowie Vertreter des Kinderschutzzentrums mit Fragen zu konfrontieren.
Die Diskussion drehte sich insbesondere um die Rolle von Männern in der Kinderbetreuung.

«Man sucht nun nach einem Schuldigen und findet ihn in den Männern im Allgemeinen», sagt Nadine Hoch, Geschäftsleiterin von Kibesuisse, dem Verband Kinderbetreuung Schweiz. Sie hängt eine Frage an:

«Wieso haben Eltern weniger Vorurteile gegenüber männlichen Fussballtrainern oder Klerikalen?»

Die Kinderbetreuung gehört schweizweit zu den Berufen mit dem kleinsten Männeranteil. Rund acht Prozent der Beschäftigten sind männlich. Ihr Anteil steigt allerdings kontinuierlich: 2006 waren 5,5 Prozent der Auszubildenden Männer, mittlerweile sind es 15 Prozent. Der Verband setzt sich unter dem Titel «KinderbetreuER» für mehr Männer im stereotypen Frauenberuf ein. «Kinder brauchen männliche Bezugspersonen und Rollenvorbilder», sagt Hoch.

Männer unter Generalverdacht

Dennoch: Viele verlassen den Beruf wieder, da sie einem stetigen Kampf um Anerkennung ausgesetzt seien. «Stattdessen stellt man sie unter Generalverdacht», sagt sie. Für die wenigen männlichen Betreuer sind negative Schlagzeilen folgenschwer: «Jede Grenzüberschreitung ist ein Rückschlag.»

In einer Stellungnahme zum aktuellen Vorfall zitiert Kibesuisse aus dem Verhaltenskodex des Verbandes: «Der Körperkontakt ist situationsabhängig und altersgerecht», heisst es etwa. Küsse sind verboten und bei der Körperpflege, etwa Wickeln, bleibt die Tür geöffnet. Fotos dürfen nicht mit privaten Geräten und nur mit elterlicher Bewilligung gemacht werden.

«Kinder brauchen männliche Rollenvorbilder»

Im Kanton St.Gallen ist die Abteilung Kinder und Jugend im kantonalen Amt für Soziales für die Aufsicht und die Bewilligung von Kindertagesstätten zuständig. Das Amt steht derzeit in engem Kontakt mit den Verantwortlichen von Fiorino. «Bei solchen Vorkommnissen überprüfen wir immer, ob Massnahmen nötig sind», sagt Abteilungsleiter Roger Zahner. Zusammen mit der betroffenen Institution kläre man offene Fragen, etwa ob die Mitarbeitenden Hinweise auf ein allfälliges Fehlverhalten übersehen hatten. «Nach heutigem Wissensstand ist dies aber nicht der Fall.» Wenn so etwas passiere, suche man nach Lücken in der Aufsicht oder im Betrieb der betroffenen Institution und nach Möglichkeiten zur Verbesserung.

«Dabei tut gerade eine Kita alles, um solche Vorfälle zu vermeiden.»

Das Amt stattet jeder Tagesstätte im Kanton alle zwei Jahre einen Aufsichtsbesuch ab. Zahner und seine Leute beobachten die Arbeit der Angestellten, ihren Umgang mit den Kindern, die Umsetzung der Konzepte und prüfen die Bewilligungsvoraussetzungen. «Pädagogische Konzepte entwickeln sich laufend weiter, die Themen ändern sich.»

Keine absolute Sicherheit

Es sei wichtig, dass sich das Team einer Einrichtung kontinuierlich mit dem Kindeswohl befasse. Dazu gehöre die Auseinandersetzung mit Nähe, Distanz, Vertrauen oder Grundwerten. «Da geht es nicht nur um pädophile Übergriffe, sondern auch um andere Gewaltformen wie übertriebene Strafen, körperliche und psychische Gewalt», sagt Zahner. Der Kindesschutz sei ein «weiches» Thema, das sehr viel mit der Betriebskultur zu tun habe. «Es hängt viel davon ab, wie offen in einer Institution über grenzverletzendes Verhalten diskutiert wird und wie das Vertrauensverhältnis ist.» Absolute Sicherheit könne es aber nie geben.

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