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Missbrauchsfall im Bistum St.Gallen: Täter und Opfer standen bis vor kurzem in Kontakt

Ein 78-jähriger Priester aus dem Bistum St. Gallen hat einen Minderjährigen sexuell missbraucht. «Mein Mandant hat schon vor Jahren realisiert, dass er einen schweren Fehler begangen hat», sagt dessen Anwalt. Und er habe sein Opfer mit hohen Geldbeträgen unterstützt.
Michael Genova
Das Opfer erhält aus dem Genugtuungsfonds der katholischen Kirche 20000 Franken. (Bild: Urs Jaudas)

Das Opfer erhält aus dem Genugtuungsfonds der katholischen Kirche 20000 Franken. (Bild: Urs Jaudas)

Der Priester bereue sein Handeln zutiefst, heisst es in der Pressemitteilung des Bistums St.Gallen Und auch sein Rechtsanwalt Max Imfeld versichert: «Er ist tief betroffen.» Sein Mandant stehe zu seinen Taten und habe nie etwas davon bestritten.

Offenbar ist der Kontakt zwischen dem Priester und seinem Opfer nie ganz abgebrochen. Laut Imfeld waren die beiden bis vor wenigen Monaten im Austausch. Warum das Opfer den Kontakt abgebrochen habe, will er nicht sagen. Sein Mandant habe schon vor Jahren realisiert, dass er einen schweren Fehler begangen habe und sich bei seinem Opfer entschuldigt, auch schriftlich. In der Folge habe der Priester den heute 46-jährigen Mann immer wieder unterstützt, wenn es diesem schlecht ging. Auch mit hohen finanziellen Beträgen, wie Imfeld sagt. Der Priester beging die sexuellen Übergriffe ab 1987, als das Opfer 13 Jahre alt war. Die sexuellen Handlungen dauerten bis 1996, als das Opfer bereits 22 Jahre alt war.

Zur Frage, welche konkreten Taten dem Priester vorgeworfen werden, kann Rechtsanwalt Imfeld keine Stellung nehmen.

«Mein Mandant kann sich nicht mehr detailliert daran erinnern, was wann wo geschehen ist.»

Die Vorfälle lägen über 30 Jahre zurück. Nach Angaben des heute pensionierten Priesters soll es keine weiteren Opfer geben. Imfeld hält die Aussage seines Mandanten für glaubwürdig. Bislang seien ihm keine Hinweise auf weitere Opfer bekannt.

Rom könnte priesterliche Weihe aberkennen

Bischof Markus Büchel hat zwar Strafanzeige gegen den heute 78-jährigen Priester eingereicht. Juristisch hat dieser allerdings nicht mehr viel zu befürchten: Die Taten sind bereits verjährt. Zivil- oder strafrechtlich könne sein Mandant nicht mehr belangt werden, sagt Imfeld. Er gehe davon aus, dass auch das kirchenrechtliche Verfahren in Rom keine strafrechtlichen Konsequenzen haben werde. «Auch im Kirchenrecht gibt es eine Verjährung, die übrigens mit 20 Jahren ab Volljährigkeit des Opfers deutlich länger ist als im Schweizer Recht.»

Der Vatikan könnte allerdings disziplinarische Massnahmen aussprechen. Im schlimmsten Falle drohe die Laisierung, die Aberkennung der priesterlichen Weihe. Imfeld sagt:

«Für meinen Mandanten wäre das eine Katastrophe.»

Da Rom seine richterlichen Entscheide nicht publiziere, sei eine Prognose jedoch schwierig. Sicher sei nur, dass mit einem Entscheid aus Rom nicht so bald zu rechnen sei.

Nach seiner Pensionierung im Jahr 2011 half der Priester in der Pfarrei Goldach regelmässig aus. Laut Max Imfeld habe der Beschuldigte als Priester gelegentlich noch Gottesdienste und Beerdigungen geleitet. Zu Jugendlichen habe er jedoch keinen Kontakt mehr gehabt, und in der Jugendarbeit sei er seit Jahrzehnten nicht mehr eingesetzt worden. Seit Anfang Juni ist dem Priester die seelsorgerische Tätigkeit untersagt.

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