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«Missbrauch von Mutterseite ist viel seltener»

Nachgefragt

Eine Frau und ihr Partner haben den neunjährigen Sohn der Frau missbraucht und ihn gegen Geld auch von anderen, darunter einem St. Galler, vergewaltigen lassen. Wir haben bei Thomas Knecht, leitender Arzt Forensik in Herisau, nachgefragt, wie es zu solchen Taten kommen kann.

Thomas Knecht, was bringt eine Mutter dazu, ihr Kind so zu missbrauchen?

Zum einen muss von einer sehr schwachen Mutter-Kind-Bindung ausgegangen werden, welche das fürsorgliche Element vermissen lässt. Dass damit Geld gemacht wurde, deutet auf einen übersteigerten Materialismus hin, gepaart mit Gemütskälte. Als weiterer Faktor sind die Beziehung zum Partner, respektive die Machtverhältnisse in Betracht zu ziehen. Neue Partner sind gehäuft ein Risiko in Bezug auf Kindsmisshandlungen aller Art, da ihnen die Erfahrung der frühkindlichen Betreuung fehlt.

Macht es für das Kind einen Unterschied, ob es von Mutter oder Vater missbraucht wird?

Je enger und vertrauensvoller die Beziehung vom Kind zum Erwachsenen war, desto mehr bricht hier eine Welt zusammen. Eine engere Beziehung besteht in vielen Fällen zur Mutter, wobei sexueller Missbrauch von dieser Seite viel seltener vorkommt.

Der Partner der Mutter war bereits wegen Missbrauchs verurteilt. Wieso lässt sich eine Frau auf einen solchen Mann ein?

Da müssen starke Anziehungs- und Bindungskräfte im Spiel sein, die sorgfältig abgeklärt werden müssten. Eine starke Attraktion übt der Faktor «Ähnlichkeit» aus. Daneben kommen in Frage: Sexuelle Hörigkeit, materielle Abhängigkeit, soziale Aufstiegsmöglichkeit, unter Umständen auch eine gemeinsame Perversion.

Wie sind die Mutter und ihr Partner zu bestrafen?

Im Rahmen einer psychiatrischen Begutachtung dürfte zunächst festgestellt werden, ob die Charakterabnormitäten behandelbar sind, da man das Wiederholungsrisiko senken will. Eine Therapie kann auch als Begleitung eines langzeitlichen Strafvollzuges durchgeführt werden.

Kann der Knabe die Vergewaltigungen verarbeiten?

Es ist mehr als fraglich, ob er da noch unbeschadet aus dieser Geschichte herauskommen kann. Je nachdem wie widerstandsfähig er ist, muss mit erheblichen Schäden im Bereich Beziehungsfähigkeit und Sexualität gerechnet werden. Darum empfiehlt sich die Aufnahme einer kindgerechten Traumatherapie. (maw)

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