«Mir war sofort klar, dass es ein Wolf ist»: Wie die betroffenen Schafzüchter den Angriff in Thundorf erlebt haben

Auf einem abseits gelegenen Hof in Thundorf hat ein grosses Raubtier zwei Schafe totgebissen, zwei weitere verletzt und eines verschleppt. Ziemlich sicher handelt es sich um einen Wolf. Die betroffenen Schafzüchter erzählen, wie sie den tragischen Abend erlebt haben.

Ida Sandl
Hören
Drucken
Teilen
In diesem Stall in Thundorf hat der Wolf Schafe gerissen.

In diesem Stall in Thundorf hat der Wolf Schafe gerissen.

Bild: Andrea Stalder

Dass etwas nicht stimmte, bemerkte zuerst der Bruder des Schafzüchters. Er wollte wie jeden Tag sein Lieblingslamm mit dem Schoppen füttern. Es war schon leicht dämmerig, etwa 17 Uhr am 14. Januar. Doch das Lamm war nicht da.

«Zuerst dachte ich, es sei gestohlen worden», sagt der Mann, der lieber anonym bleiben möchte. Als der Bruder kam und sie sich die Situation genauer ansahen, wurde klar, was wirklich passiert ist. Zwei Lämmer lagen totgebissen am Boden, zwei weitere waren verletzt. Das fünfte Lamm war verschwunden.

Sie hatten zwar gehört, dass ein Wolf unterwegs sei. «Aber ich habe es nicht geglaubt», sagt der Schafzüchter, ein schmächtiger Mann mit Schnauz. Nachdem klar war, dass ein Wolf im Stall war, habe er sofort nach seinen anderen Schafen geschaut, die etwas entfernt untergebracht waren.

Und da stand er. Mitten auf der Wiese. Ein Tier von der Grösse eines stattlichen Schäferhundes. «Mir war sofort klar, dass es ein Wolf ist.»

Der Wolf rannte eine Weile und blieb dann stehen

Der Wolf habe ihn gesehen, sei weggerannt und nach einer Weile wieder stehen geblieben. Er habe das Tier mit dem Auto verfolgt. «Ich wollte sehen, wo er hinläuft.» Lange habe die ungleiche Verfolgungsjagd nicht gedauert, dann sei das Tier im Wald verschwunden. Am Stall befindet sich ein Fenster, etwa 30 mal 30 Zentimeter gross. Dort wurden Blutspuren und Haare entdeckt. Der Wolf müsse also durch das Fenster in den Stall eingedrungen sein und wohl auf diesem Weg wieder verschwunden sein, so die Erklärung der Schafzüchter. Doch verliess er den Tatort mit einem zwei Monate alten und 15 bis 20 Kilo schweren Lamm im Maul.

Der Schafzüchter nimmt den Wolfriss relativ gelassen. Natürlich sei es nicht schön, aber er sei nicht wütend auf den Wolf.

«Wir müssen mit solchen Situationen leben.»

Die Leidtragenden sind jetzt erst mal seine Schafe, sie müssen ab Dämmerungseinbruch im Stall bleiben.