Millionenbetrug vor Gericht

Kapitalanlagebetrug in der Höhe von mehr als acht Millionen Euro: Wegen dieses Delikts muss sich ein 70jähriger Mann seit gestern vor dem Landgericht Konstanz verantworten.

Eva Maria Vaassen
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KONSTANZ. Vom Frühjahr 1993 bis Anfang des Jahres 2009 soll der Mann aus Tägerwilen mehr als tausend Anleger mit falschen Versprechen über steuersparende Kapitalanlagen getäuscht haben. Die Anleger sind aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

In einer Villa gelebt

Nachdem der Mann in Frankreich untergetaucht war, konnte er erst vor zweieinhalb Monaten festgenommen und an die deutschen Behörden ausgeliefert werden. Im Mai 1993 hatte er eine Gesellschaft mit Sitz in Konstanz gegründet. Bis Anfang 1998 soll er insgesamt 1723 Kapitalgeber als sogenannte «atypisch stille Gesellschafter» angeworben haben, indem er ihnen steuersparende Kapitalanlagen mit einer Rendite zwischen fünfeinhalb und achteinhalb Prozent Rendite in Aussicht stellte. Von Anfang an habe er beabsichtigt, diese Gelder für eigene «notleidende» Objekte zu verwenden. Ein vor einem halben Jahr wegen Beihilfe zum Betrug verurteilter ehemaliger Mitarbeiter, ebenfalls aus Tägerwilen, beschrieb die Geschäftstätigkeit seines ehemaligen Chefs folgendermassen: «Der hat GmbHs gesammelt wie andere Leute Briefmarken.»

Hauptwohnsitz und Arbeitsplatz des Angeklagten war eine repräsentative Villa in Ermatingen. Den Gesellschaftsvertrag seiner Konstanzer Immobiliengesellschaft haben die Anleger laut Anklage nie zu Gesicht bekommen. Und die in den vorgelegten Prospekten dargestellten Immobilien, deren Vermietung oder Verpachtung die Renditen erbringen sollten, seien nie Eigentum des Fonds gewesen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft hat er mit den Geldern unter anderem Liegenschaften in Ermatingen und Klosters sowie im Schwarzwald-Baar-Kreis und auf Gran Canaria erworben.

Anklage gegen Mitarbeiter

Als der Mann im Juli 2008 den Offenbarungseid ablegen musste, gab er vier Millionen Euro Schulden an. Diese Summe, die von Anlegern in den Immobilienfonds eingezahlt worden war, hatte der Angeklagte in ein anderes Unternehmen umgeleitet, an dem er beteiligt war. Gestern erklärte sein Verteidiger, dass der 70-Jährige momentan keine Angaben zu den Anklagevorwürfen machen werde. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass inzwischen eine weitere Anklage der Konstanzer Staatsanwaltschaft gegen einen der mutmasslich wichtigsten Mitarbeiter des Angeklagten vorliege.

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Sollte der Angeklagte weiter schweigen, wird es erst im März ein Urteil geben. Bis dahin sind 47 Zeugen und eine Sachverständige geladen.

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