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Er präsidierte den SC Herisau und zog Niki Lauda über den Tisch: Deutscher Millionenbetrüger muss in St.Galler Gefängnis

Der deutsche Finanzmanager Michael S. hat Tausende Anleger um viele Millionen geprellt. Nun hat ein Vorarlberger Sozialunternehmen den früheren Finanzjongleur entlassen – er hatte eine offene Schweizer Haftstrafe verschwiegen.
Michael Genova
Finanzjongleur Michael S. (Mitte) sponserte den österreichischen Ex-Skirennfahrer Michael Walchhofer (links) und den ehemaligen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda (rechts) – Geld sahen die beiden allerdings nie. (Bild: Mario Kneisl/GEPA (Kitzbühel, 20. Januar 2011))

Finanzjongleur Michael S. (Mitte) sponserte den österreichischen Ex-Skirennfahrer Michael Walchhofer (links) und den ehemaligen Formel-1-Weltmeister Niki Lauda (rechts) – Geld sahen die beiden allerdings nie. (Bild: Mario Kneisl/GEPA (Kitzbühel, 20. Januar 2011))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Der deutsche Finanzjongleur Michael S. schien geläutert. Schon während seiner Haft arbeitete er als Praktikant beim Vorarlberger Sozialunternehmen Integra. Und nach seiner vorzeitigen Entlassung im Frühjahr 2016 erhielt er sogar eine Führungsfunktion. Bis diese Woche bekannt wurde, dass Michael S. seinem Arbeitgeber eine offene Haftstrafe im Kanton St.Gallen verschwiegen hatte. Er erhielt die Kündigung.

Michael S. verkaufte Anfang der 2000er-Jahre über ein internationales Firmengeflecht vermeintliche Vermögensanlagen. Dazu gründete er die Liechtensteiner Money Service Group (MSG) und die Samiv AG mit Sitz in Herisau und einer Zweigstelle in Rorschach. 2012 krachte das illegale Schneeballsystem zusammen – über 2000 Kleinanleger verloren rund 80 Millionen Euro.

Kanton St.Gallen verschickt demnächst Aufgebot

Das Liechtensteiner Obergericht verurteilte Michael S. 2013 zu einer Haftstrafe von sieben Jahren, vom Rorschacher Kreisgericht erhielt er 2016 eine Zusatzstrafe von einem Jahr. Bis zuletzt hatte Michael S. gehofft, dass ihm die Schweizer Strafe erspart bliebe, doch das Bundesgericht wies im vergangenen Jahr seine Beschwerde ab.

Deshalb muss sich der frühere Finanzjongleur nun auf eine unangenehme Reise vorbereiten. Barbara Looser Kägi, Leiterin des St. Galler Amts für Justizvollzug, bestätigt:

«Es ist vorgesehen, dass Herr S. in diesem Jahr seine Strafe antreten wird.»

Michael S. werde demnächst von den Behörden eine briefliche Aufforderung zum Haftantritt erhalten.

Wird eine Person in mehreren Ländern verurteilt, gilt folgende Grundregel: Jedes Land ist für den Vollzug seiner Strafen selber verantwortlich. «Sehr viele treten ihre Haftstrafen freiwillig an», sagt Barbara Looser Kägi. Stellt sich eine verurteilte Person mit ausländischem Wohnsitz trotzdem nicht freiwillig, wird sie international zur Fahndung ausgeschrieben.

Politischer Kontroverse in Vorarlberg

In Vorarlberg ist Michael S. bereits zum Politikum geworden. Nationalrat Gerald Loacker (Neos) brachte den Fall mit einer parlamentarischen Anfrage an den österreichischen Justizminister ins Rollen. Es sei nicht logisch, dass ein österreichischer Sozialbetrieb die Resozialisierung eines deutschen Staatsbürgers übernehme, der im Fürstentum Liechtenstein und in der Schweiz verurteilt wurde, sagt er.

Vor allem wundert sich Loacker darüber, dass der ehemalige Millionenbetrüger beim Sozialunternehmen Integra schon kurz nach seiner Anstellung zum Leiter der Personalentwicklung aufsteigen konnte. «Warum muss die Resozialisierung in einer Führungsposition stattfinden?», fragt er. «Das ergibt keinen Sinn.»

Zwar begrüsst Loacker, dass der Sozialbetrieb in der Zwischenzeit das Arbeitsverhältnis mit Michael S. aufgelöst hat. «Ohne öffentlichen Druck wäre es jedoch nie so weit gekommen», ist er überzeugt. Integra beschäftigt sich mit der Integration von Arbeitslosen und wird mit öffentlichen Geldern finanziert. Deshalb fordert Loacker nun eine Überprüfung der Finanzen.

Villa in Liechtenstein, Finca in Spanien

Michael S. war eine schillernde Figur und international bestens vernetzt. In den 1990er-Jahren präsidierte er den Eishockeyclub SC Herisau, später stieg er mit seiner MSG im grossen Stil ins Sportsponsoring ein. Mit dem Geld seiner Anleger unterstützte er die Schweizer Super League, das Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel oder die Vierschanzen-Tournee. Auch Prominente fielen auf seine Masche herein. Formel-1-Weltmeister Niki Lauda warb auf seinen Mützen für die MSG und sollte dafür 1,2 Millionen Euro erhalten. Doch Michael S. blieb ihm einen grossen Teil der «Kapperlmiete» schuldig.

Ausserdem verlor Lauda 500'000 Euro mit Anlageprodukten. Er sei noch nie von einem Menschen so getäuscht worden, sagte Lauda später als Zeuge vor dem Gericht in Vaduz. «Am liebsten hätte ich ihm eine drüber ghaut.» Auch die ehemaligen österreichischen Skirennfahrer Michael Walchhofer und Harti Weirather gehören zu den Geschädigten.

Mit einem grossen Teil der Kundengelder finanzierte Michael S. seinen luxuriösen Lebensstil. Alleine für seine Villa in Liechtenstein bezahlte er über 22'000 Franken Miete pro Monat. Dazu kamen eine Jacht in Mittelmeer und eine Finca in Spanien. Am Ende hatte er das meiste Geld verprasst. Bei der Verhaftung stellte die Polizei noch 160'000 Euro in bar sowie Zigarren, Schmuck und Wein im Wert von 200'000 Franken sicher.

Michael S. wird laut Amtsleiterin Barbara Looser Kägi wahrscheinlich in den offenen Vollzug kommen. Dieser kommt für Täter in Frage, die nicht als gemeingefährlich oder fluchtgefährdet gelten. Das kommende Jahr könnte der Ex-Betrüger also in der Strafanstalt Saxerriet, in der Ausserrhoder Strafanstalt Gmünden oder in der Justizvollzugsanstalt Realta im bündnerischen Cazis verbringen.

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