Mildere Strafe gefordert

Der Mann, der in Wil 2008 nach einer Familienfehde zwei Personen erschoss, steht Ende Oktober erneut vor Gericht. Im Berufungsverfahren fordert er eine mildere Bestrafung.

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ST. GALLEN/WIL. Das Kreisgericht Wil sprach den Täter im vergangenen Juni des doppelten Mordes schuldig. Nach einem Streit zwischen kosovarischen Familien hatte er mit Schüssen einen Familienvater und dessen 18jährigen Sohn auf offener Strasse niedergestreckt.

Der Gerichtspräsident bezeichnete die Tat als kaltblütige «öffentliche Hinrichtung» vor den Augen des zweiten Sohns. Der Verteidiger hatte eine Gefängnisstrafe von höchstens zehn Jahren beantragt. Der Täter habe die Tötung seiner Gegner nicht geplant. Er habe nur seinem Bruder und seinem Sohn helfen wollen. Der Verteidiger plädierte auf vorsätzliche Tötung.

Vorsätzliche Tötung statt Mord

Auch in der Berufung ans Kantonsgericht St. Gallen verlangt der Beschuldigte, dass er lediglich der mehrfachen vorsätzlichen Tötung, des Raufhandels und der mehrfachen Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von nicht über zwölf Jahren bestraft werde.

Zwischen den beiden verfeindeten Familien war es wiederholt zu Drohungen, Beschimpfungen und Schlägereien gekommen.

Aus nächster Nähe erschossen

Am 3. Mai 2008 trafen drei Mitglieder der einen und fünf Angehörige der andern Familie in der Nähe des Bahnhofs Wil aufeinander. Die späteren Opfer bremsten ihre Gegner mit dem Auto aus und zwangen sie zum Anhalten. Danach gingen der Vater und einer der Söhne mit Schlagstöcken auf ihre ebenfalls bewaffneten Gegner los. Da zog der Haupttäter eine Pistole und schoss auf die zwei Angreifer. Als diese bereits getroffen waren, tötete er sie mit Schüssen in den Kopf und in den Hals aus nächster Nähe. Gemäss dem erstinstanzlichen Urteil beging der heute 52-Jährige zusätzlich noch einen Mordversuch, indem er auf den flüchtenden Zwillingsbruder des getöteten Sohns schoss. Ein zweiter Bruder und ein Sohn des Haupttäters erhielten bedingte Freiheitsstrafen von je acht Monaten wegen Schlägereien. Ein weiteres Familienmitglied wurde freigesprochen. Der heute 23jährige Mann, dessen Vater und Bruder bei der blutigen Familienfehde erschossen wurden, war ebenfalls wegen Raufereien angeklagt. Das Gericht sprach ihn frei. (sda)