Milchimport
«Ein absolutes No-Go»: Ostschweizer Milchbauern wehren sich gegen Pläne einer Rheintaler Käserei, die drei Millionen Liter Milch aus Deutschland importieren will

Die Imlig Käserei Oberriet AG hat ungewöhnliche Pläne: Obwohl in der Schweiz kein Milchmangel herrscht, möchte sie Milch aus Deutschland importieren und damit Halbhartkäse für deutsche Discounter herstellen. Bei der Eidgenössischen Zollverwaltung wurde ein entsprechendes Gesuch eingereicht.

Christa Kamm-Sager
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Deutsche Milch soll in der Schweiz zu Käse verarbeitet werden.

Deutsche Milch soll in der Schweiz zu Käse verarbeitet werden.

Symbolbild: Mareycke Frehner

Die Ostschweizer Milchbauern sind empört. Grund dafür liefert ihnen die Imlig Käserei Oberriet AG. Die Rheintaler Käserei will Milch aus Deutschland importieren – und nicht gerade wenig: Drei Millionen Liter sollen zur Käserei im Rheintal gelangen und dort zu Halbhartkäse für den deutschen Markt verarbeitet werden.

Dazu hat die Käserei ein Gesuch bei der Eidgenössischen Zollverwaltung eingereicht. «Es ist inakzeptabel, wenn eine Schweizer Käserei durch die Verarbeitung von Importmilch, unsere Käseexporte direkt konkurrenziert», äussert sich Markus Berner, Geschäftsführer der Vereinigten Milchbauern Mitte-Ost (VMMO), zu diesen Plänen. Es gäbe bestimmt genügend Schweizer Milchbauern, welche diese Milchmenge gerne liefern würden.

Das wichtigste Produkt der Schweizer Milchwirtschaft

«Milchimporte sind ein absolutes No-Go», so Berner weiter. Käse sei das wichtigste Produkt der Schweizer Milchwirtschaft. 2019 seien 44,5 Prozent der Milch zu Käse verarbeitet worden, 39 Prozent der Schweizer Käseproduktion sei exportiert worden, heisst es von Seiten der VMMO.

Geradezu widersprüchlich werde es, wenn man sich bewusst mache, dass sich der Schweizer Käse einerseits auch dank durch den Bund co-finanzierte Massnahmen im Ausland als hochwertiges Produkt etabliert habe und nun andererseits eine andere Bundesbehörde dem Import von drei Millionen Liter Milch zustimmen soll. Indirekte Milchimporte in die Schweiz kenne man bis jetzt erst etwa durch den temporären Zukauf von Butter. Dass Milch importiert und in der Schweiz verkäst werden soll, sei neu.

Käse aus möglichst günstiger Milch

«In der Schweiz herrscht kein Milchmangel. Dass nun Verarbeiter Importmilch verkäsen wollen, ist deshalb äusserst stossend», so Markus Berner. Die Motivation des Importgesuchs sei rein wirtschaftlich und ziele nur darauf ab, mit möglichst günstiger Milch in der Schweiz Käse zu produzieren.

Jede Käserei könnte mit den entsprechenden Anstrengungen ihre Milch in der Schweiz beziehen.

«Verarbeiter, die es bevorzugen, Milch zu importieren anstatt den Schweizer Produzenten marktübliche Preise zu bezahlen, wollen die tägliche Arbeit unserer heimischen Landwirtschaft nicht honorieren.»

Die Schweizer Milchbäuerinnen und Milchbauern hätten zudem hohe Auflagen und damit verbunden hohe Grundkosten. «Wir können nicht konkurrenzieren mit dem Ausland; auch wegen der hohen Tierschutzvorschriften und Strukturkosten», so Berner. Dies solle auch dementsprechend abgegolten werden.

Sollte das Importgesuch durch die Eidgenössische Zollverwaltung bewilligt werden, schaffe die Behörde ein Präjudiz, welches weiteren Importen Tür und Tor öffne. «Die VMMO sprechen sich vehement gegen Milchimporte aus.»

Die Käserei aus dem Rheintal, die das Gesuch bei der Zollverwaltung eingereicht hat, möchte keine Stellung beziehen zu ihren Plänen. Auf ihrer Website wirbt sie unter anderem damit, Käseprodukte aus Schweizer Milch, Kulturen, Lab und Salz herzustellen.