Kommentar
Michael Auer wird Hochschulratspräsident: Keine Angst vor dem Topbanker!

Mit der Wahl von Michael Auer zum Hochschulratspräsidenten ist der St.Galler Regierung eine Überraschung gelungen. Köpfe wie ihn gibt es nicht wie Sand am Meer.

Andri Rostetter
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Andri Rostetter, Ressortleiter Ostschweiz. (Bild: Ralph Ribi)

Andri Rostetter, Ressortleiter Ostschweiz. (Bild: Ralph Ribi)

Im ersten Moment reibt man sich die Augen: Ein Banker soll die oberste Führung der Ostschweizer Fachhochschule übernehmen? Und erst noch einer aus dem Führungszirkel um den gefallenen Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz? Ist das nur politisch unsensibel oder schlichtweg unbedarft?

Sicher ist: Mit der Wahl von Michael Auer zum Hochschulratspräsidenten ist der St.Galler Regierung eine Überraschung gelungen. Wer diese Personalie kritisieren will, hat ein leichtes Spiel. Als Mitglied der Geschäftsleitung und letzter CEO der Ära Vincenz ist Auer unbestritten Teil der unrühmlichen Raiffeisen-Vergangenheit.

Auer war nie in den Raiffeisen-Skandal verwickelt

Auch Auer hat zuletzt die Segel gestrichen und der Bank den Rücken gekehrt. Juristisch gesehen trifft ihn keinerlei Schuld. Er war zu keiner Zeit in irgendwelche Verfahren im Zusammenhang mit den Untersuchungen gegen Vincenz verwickelt. Im Gegenteil: Auer hat die Bank in der prekären Phase nach dem abrupten Abgang von CEO Patrick Gisel interimistisch geführt. Auf diese Position hätte er sich kaum vorgewagt, hätte er befürchten müssen, dass ihm seine Verbandelung mit Vincenz gefährlich werden könnte.

Breite Dossierkenntnisse und hervorragendes Netzwerk

Diese Überlegungen wird auch die St.Galler Regierung gemacht haben, als sie Auer gewählt hat. Sie wird die Risiken genau abgewogen haben. Und sie wird sich den Leistungsausweis des Mannes angeschaut haben: Auer war nicht nur langjähriger Topbanker, sondern auch Hochschulrat der FHS St.Gallen, Fachbeiratspräsident, Präsident des Ausserrhoder Freisinn und Schulratspräsident von Speicher.

Das deutet nicht nur auf beste Dossierkenntnisse, ein hervorragendes Netzwerk und politischen Sachverstand hin. Es zeigt auch Einsatzwillen, Stehvermögen und regionale Verbundenheit. Solche Köpfe gibt es nicht wie Sand am Meer. Auers Wahl ist damit weniger ein Risiko als möglicherweise sogar ein Glücksfall.