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Metal-Festival endet im Desaster

Machtlos mussten die Organisatoren des Jonschwiler Sonisphere zusehen, wie der Grossanlass im Schlamm versank – und sehen sich deswegen massiver Kritik ausgesetzt. In Jonschwil bleibt der Aufräumequipe ein Chaos zurück.
Michael Hug
Der Dauerregen löste den Boden auf der Jonschwiler Degenau richtiggehend auf. Hätte dieses Chaos verhindert werden können? (Bilder: Reto Martin)

Der Dauerregen löste den Boden auf der Jonschwiler Degenau richtiggehend auf. Hätte dieses Chaos verhindert werden können? (Bilder: Reto Martin)

jonschwil. Er sei nicht 1050 Kilometer gefahren, um in einer Fangopackung zu enden, schreibt ein Italiener auf Facebook. Andere Fans greifen zu deutlicheren Worten. Der Tenor: Schimpf und Schande auf die Zustände in Jonschwil, unfähige Open-Air-Veranstalter, die nur abzocken wollten, infrastrukturelle Mängel in fast allen Bereichen. Nicht einmal genügend Bier sei vorhanden gewesen. Und das gehörte noch zu den kleinsten Problemen am Metal-Festival Sonisphere.

Chaos bereits zu Beginn

Schon am Donnerstag war klar, dass der Anlass in einem Desaster enden könnte. Sichtbarstes Zeichen dafür war der Rückstau auf der Autobahn am Freitagmorgen. Den Grund erklärt Stefan Frei, OK-Mitglied und Gemeindepräsident von Jonschwil-Schwarzenbach: «Die Autos blieben schon beim Einfahren auf die Wiesenparkplätze stecken, so dass sie gestossen und gezogen werden mussten.» Das habe viel Zeit gebraucht, worauf sich der Rückstau bildete. Die Polizei verfügte dann die Sperrung der Parkplätze.

Die später eintreffenden Besucher wurden auf den Strassen rund um die beiden Dörfer zum einseitigen Parkieren eingewiesen. Parkierte Autos standen schliesslich bis nach Niederstetten, Oberuzwil und Rickenbach. Grundstückbesitzer in Schwarzenbach, Jonschwil und Bettenau boten ihre Vorplätze zur Benützung an – nicht aber ohne dafür die hohle Hand zu machen. Bis zu 30 Franken mussten dafür bezahlt werden.

«Lebensgefahr auf Gelände»

Die Zahl der angereisten Autos und Wohnmobile dürfte zwischen 10 000 und 20 000 gelegen haben. Das totale Verkehrschaos in der Region blieb aber aus. Dennoch musste aufgrund der prekären Situation viel Hilfs- und Sicherheitspersonal vom Festival auf das umliegende Gelände abgezogen werden. Laut Frei wurden dann 40 Angehörige der Feuerwehr Jonschwil und des Sicherheitsverbunds der Region Wil aufgeboten, die Sicherheitsaufgaben übernehmen mussten.

Durch den 18stündigen Dauerregen hatten sich auf dem Gelände Schlammseen gebildet, die notfallmässig durch Spezialfahrzeuge abgesaugt wurden. Frei: «Es bestand Gefahr für Leib und Leben.»

Gefährliche Momente erlebte auch das SBB- und Sicherheitspersonal am Bahnhof Schwarzenbach. Die SBB hatten mehrere Extrazüge eingesetzt, ausserdem hielten auch Intercity-Züge am kleinen Bahnhof. Dieser konnte den Andrang nach Mitternacht zeitweise nicht mehr bewältigen. Auf dem Perron kam es zu gefährlichen Szenen durch betrunkene Heimkehrer.

Viele Abreisende mussten erst ein Bahnbillett kaufen, da dieses im Festivalticket nicht inbegriffen war.

Gewundert haben dürften sich 1.-Klasse-Reisende, als sich verdreckte Rockmusikfans aufgrund völlig überfüllter Züge in ihre Abteile drängten.

Das Festivalgelände, die mehrere Hektaren grosse, topfebene Degenau bei Jonschwil, glich am Samstag einem umgepflügten Acker. 20 Zentimeter tief war der Schlamm, überall, auch innerhalb der grossen Verpflegungszelte.

Selbst die temporären Gehwege aus Kunststoffplatten waren im Schlamm versunken. Zur Frage, warum man nicht rechtzeitig Stroh oder Holzschnitzel gestreut habe, sagt Linus Thalmann, verantwortlich für die Infrastruktur: «Stroh oder Schnitzel sind erfahrungsgemäss innert Minuten im Dreck verschwunden. Das einzige, was nützt, sind Kunststoffplatten. Um diese zu verlegen, war die Zeit vor dem Anlass zu knapp.

» Man habe erst am Mittwoch gesehen, dass «mehr als nur ein normaler Regen im Kommen war», so Thalmann. Tatsächlich fielen in der Messstation Tänikon in 18 Stunden 91 Millimeter Regen, so viel wie üblicherweise in einer Woche.

Vom Ausmass überrascht

Am Samstag zeigten sich die Auswirkungen in aller Deutlichkeit. Die während der Nacht abgereisten Besucher hinterliessen auf der Jonschwilerstrasse eine Schlammspur. An den Dorfbrunnen wuschen Besucher Schuhe und Kleider.

Gemeindepräsident Frei: «Wichtig ist jetzt, das Dorf vom Schmutz zu befreien.» Vom Chaos scheinen die Organisatoren überrollt worden zu sein: Gestern teilten sie mit, dass für die ganze Woche zusätzliche Helfer zum Aufräumen gesucht würden – gegen Entschädigung. Den Imageschaden allerdings können auch die nicht wegputzen.

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