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Drei Messerattacken innert weniger Tage: Hat die Ostschweiz ein Stichwaffenproblem?

Innert etwas mehr als einer Woche sind in der Ostschweiz drei Menschen durch Messer verletzt worden. Diese Häufung lässt aufhorchen. Die Polizei relativiert, findet aber: Messer können sehr einfach im Internet bestellt werden.
Alexandra Pavlovic
Verletzungen durch Messer gibt es in der Ostschweiz zwar häufig. Dennoch stellt die Polizei keine Zunahme der Fälle fest. (Bild: Keystone)

Verletzungen durch Messer gibt es in der Ostschweiz zwar häufig. Dennoch stellt die Polizei keine Zunahme der Fälle fest. (Bild: Keystone)

Ein 47-Jähriger wird Ende Oktober in Horn bei einer Messerstecherei schwer verletzt. Einige Tage später wird in St.Gallen auf offener Strasse ein 21-Jähriger niedergestochen. Anfang November will ein 20-Jähriger in Weinfelden einen Streit schlichten und wird ebenfalls mit einem Messer verletzt. Drei Vorfälle – dreimal ein Messer als Tatwaffe. Und in jedem Fall wurden Personen dadurch verletzt, teils schwer. Ist es nur ein Gefühl, oder haben Angriffe mit Messern auf Personen zugenommen?

«Rein statistisch gesehen stellen wir keine starke Zunahme des Tatmittels ‹Schneid-/Stichwaffe› fest», sagt Florian Schneider, Mediensprecher der St.Galler Kantonspolizei. Dieses Tatmittel werde bei den Tötungsdelikten und den schweren Körperverletzungen explizit ausgewiesen. Die Zahlen der Kriminalstatistiken verdeutlichen zwar Schneiders Aussage – sie zeigen allerhöchstens eine leichte Zunahme der Fälle in den vergangenen Jahren:

Gewaltstraftaten Kanton St.Gallen

Tötungsdelikt mit Schneid-/Stichwaffe
Schwere Körperverletzung mit Schneid-/Stichwaffe
20122013201420152016201720180246810

Im Kanton Thurgau zeigt sich hingegen ein anderes Bild. «Die Kantonspolizei Thurgau verzeichnet keinen Anstieg bei Angriffen mit Messern. Die Zahlen bewegen sich auf dem Niveau der Vorjahre», sagt Michael Roth, Mediensprecher der Kapo Thurgau, auf Nachfrage. Der Blick in die Kriminalstatistik untermauert Roths Erklärung und zeigt, dass sich die Zahlen im einstelligen Bereich bewegen:

Gewaltstraftaten Kanton Thurgau

Tötungsdelikt mit Schneid-/Stichwaffe
Schwere Körperverletzung mit Schneid-/Stichwaffe
2012201320142015201620172018Jahr0246

Aufgrund der jüngsten Vorfälle könnte man dennoch meinen, dass das Messer zu einem alltäglichen Begleiter geworden ist. Doch der Eindruck täuscht auch hier: «Aus polizeilicher Sicht fällt uns das nicht auf», sagt Florian Schneider von der St.Galler Kantonspolizei. So stelle die Polizei auch bei Personenkontrollen keine auffallende Zunahme von Messern fest.

«Wir haben schon früher regelmässig Messer bei Personenkontrollen festgestellt.»

Auch im Thurgau ist das nicht anders. «Das Mitführen eines Messers ist nicht verboten, sofern es nicht unter das Waffengesetz fällt», erklärt Kapo-Sprecher Michael Roth. Die Thurgauer Kantonspolizei stelle bei Personenkontrollen ab und zu Messer fest. Die meisten werden legal mitgeführt. Der Besitz legaler Messer werde nicht registriert, stellt Michael Roth von der Kapo Thurgau weiter fest. «Grundsätzlich stellt aber jede Waffe und jeder gefährliche Gegenstand bei missbräuchlicher Verwendung eine Gefahr dar.»

Florian Schneider von der St.Galler Kantonspolizei fügt hinzu:

«Was auffällt, ist, dass Messer sehr einfach im Internet bestellt werden können.»

Florian Schneider, Mediensprecher St.Galler Kantonspolizei.

Florian Schneider, Mediensprecher St.Galler Kantonspolizei.

Gerade Onlineshops aus aus Ländern, die andere Waffengesetze haben, würden ‹coole› Messer zu Spottpreisen anbieten. Diese werden auch in der Schweiz bestellt und oft vom Zoll abgefangen. «Die Kantonspolizei St.Gallen muss anschliessend die im Kanton St.Gallen wohnhaften Personen wegen der Einfuhr verbotener Waffen zur Anzeige bringen», erklärt Schneider weiter.

Hier sei oftmals ein Trugschluss das Problem. Viele denken: Wenn sie ein Messer bestellen und dieses auch in die Schweiz geliefert wird, ist es auch legal, ein solches zu besitzen. Das ist aber gemäss Kapo-Mediensprecher Schneider nicht so. Vor einem Kauf müsse man sich über die rechtlichen Bestimmungen informieren. «Aus unserer Sicht ist es schon fraglich, wofür man beispielsweise ein einhändig bedienbares Kampfmesser haben muss. Diese Frage kann aber letztlich nur der Besteller beantworten.»

Nicht den Helden spielen

Michael Roth, Mediensprecher Kantonspolizei Thurgau.

Michael Roth, Mediensprecher Kantonspolizei Thurgau.

Bemerkt man Personen mit Messern, gilt grundsätzlich: Nicht den Helden spielen – die Polizei alarmieren. «Wer eine Person mit einem Messer feststellt, tut gut daran, nicht selber aktiv zu werden, sondern die Polizei zu informieren», sagt Schneider. Und auch Roth erwidert: «Werden Personen mit Waffen festgestellt, bittet die Polizei um unverzügliche Meldung über die Notrufnummer 117 mit Personenbeschreibung und deren Aufenthaltsort.»

Dann könne die Polizei die Personen kontrollieren und überprüfen, ob sie die Waffe rechtmässig mitführen. «Dasselbe gilt bei gefährlichen Gegenständen, die missbräuchlich getragen oder mitgeführt werden.»

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