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MESSERATTACKE: «Aus Langeweile zugestochen»

Vor einer Shisha-Bar in Konstanz wurde im vergangenen März ein junger Mann niedergestochen. Nun steht der 18-jährige mutmassliche Täter vor Landesgericht.
Eva Maria Vaassen

Für einen 19-Jährigen aus dem Kanton Schaffhausen endete der Besuch einer Shisha-Bar in Konstanz im vergangenen März tödlich. Als der junge Mann sich nachts mit einigen anderen Gästen vor dem Lokal befand, wurde er völlig unvermittelt mit einem Messer niedergestochen. Zuvor soll es zu einer Auseinandersetzung zweier Gruppierungen gekommen sein, in die er nicht einbezogen gewesen sein soll. Der 19-Jährige verstarb noch in der gleichen Nacht in einem Krankenhaus.

Als mutmasslicher Täter muss sich seit gestern ein zur Tatzeit 17-Jähriger vor der Grossen Jugendkammer am Landgericht Konstanz verantworten. Die Anklage lautet auf Mord. Seit dem Vorfall in der Nacht vom 10. auf den 11. März 2017 befindet er sich in Untersuchungshaft. Vor einer Woche wurde er 18 Jahre alt.

Öffentlichkeit ausgeschlossen

Wegen gefährlicher Körperverletzung mitangeklagt ist ein 21-Jähriger, der mit ihm zusammen in der Tatnacht einen Begleiter des getöteten Jugendlichen aus Schaffhausen verletzt haben soll. Auch der 21-Jährige musste vier Monate in der Untersuchungshaft verbringen, bis er im vergangenen August wieder auf freien Fuss gesetzt wurde.

Der Prozess in Konstanz konnte gestern wegen grossen Publikumsandrangs und strengen Einlasskontrollen erst mit knapp zweistündiger Verspätung beginnen. Nachdem die Personalien der Angeklagten festgestellt worden waren, beantragte der Verteidiger des 18-Jährigen den Ausschluss der Öffentlichkeit. So mussten die rund 70 anwesenden Zuschauer und Berichterstatter wieder aus dem Gerichtssaal bugsiert werden, weil auch die Beratung und Verhandlung über diesen Antrag nicht öffentlich war. Nach weiterer, rund 20-minütiger Wartezeit verkündete das Gericht seinen Beschluss, die Öffentlichkeit während des gesamten Verfahrens auszuschliessen.

Geplant sind sechs Verhandlungstage, an denen 25 Zeugen, eine Mitarbeiterin der Jugendgerichtshilfe und zwei Sachverständige befragt werden sollen. Teilweise müssen die Aussagen von Angeklagten und Zeugen von zwei Dolmetschern übersetzt werden.

Gericht will Privatsphäre des Angeklagten schützen

Der Anwalt der Familie des getöteten 19-Jährigen hatte vor Prozessbeginn gegenüber Medienvertretern erklärt, dass er sich gegen den Ausschluss der Öffentlichkeit aussprechen werde. Die Familie des Tatopfers mit Migrationshintergrund würde eine solche Entscheidung nicht verstehen und sich womöglich benachteiligt fühlen.

Das Gericht stufte dann aber den Persönlichkeitsschutz des 18-jährigen mutmasslichen Täters höher ein als das öffentliche Interesse. Die Entscheidung wurde mit einer deutlichen Reifeverzögerung des zur Tatzeit noch minderjährigen Angeklagten begründet. Dieser Umstand lasse befürchten, dass ihm eine öffentliche Verhandlung und Berichterstattung noch mehr schaden könne. Und zwar umso mehr, als man in diesem Prozess sehr intensiv auf seine Persönlichkeit eingehen müsse. Dies könne auch Bereiche betreffen, welche die zu schützende Privatsphäre betreffen und nicht für die öffentliche Diskussion und Berichterstattung geeignet seien.

«Tat war eine Machtdemonstration»

So blieb den Zuhörern, darunter vor allem Verwandte und Bekannte der Prozessbeteiligten, sowie den Medienvertretern auch der genaue Inhalt der Anklageschrift vorenthalten. Sie wird nach deutschem Recht erst zu Prozessbeginn öffentlich verlesen. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft machte am Rande des Prozesses deutlich, was die Ermittlungen ergeben hatten. Demnach habe der damals 17-Jährige «ohne rechtfertigenden Grund, völlig unvermittelt, aus Langeweile und als Machtdemonstration» zugestochen. Mit einem Urteil ist Ende Februar zu rechnen. Ob es öffentlich verkündet werden soll, ist derzeit noch unklar.

Eva Maria Vaassen

ostschweiz@tagblatt.ch

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