MENSTRUATION
Periodentracker: Acht Apps und ein digitales Armband im Vergleich

Zyklus-Apps boomen. Nicht mehr nur Frauen, die sich in der Familienplanung befinden, greifen darauf zurück.

Jolanda Riedener
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Immer mehr Frauen verzichten auf die Pille, überwachen ihren Zyklus stattdessen mit Hilfe von Apps und verwenden zusätzlich ein nichthormonelles Verhütungsmittel. Zyklus-Apps liegen im Trend. Frauen nutzen sie nicht nur, um dem Kinderwunsch auf die Sprünge zu helfen, sondern auch, um den eigenen Zyklus zu erforschen und den Körper besser zu verstehen.

Wir haben zehn Apps näher angeschaut und verglichen. Als Verhütungsmittel mit einem Pearl-Index von 0,8 bis 3 eigenen sich diese jedoch nur bedingt. Je länger dabei das Intervall mit geschütztem Geschlechtsverkehr ausfällt– zum Beispiel mit Kondom –, desto höher ist die Sicherheit, nicht schwanger zu werden, und desto besser eignet es sich als Verhütungsmittel. Andererseits bleiben dann weniger Tage für ungeschützten Sex.

Pearl-Index

Der Pearl-Index gibt an, wie zuverlässig eine Verhütungsmethode ist. Der Index bezieht sich auf 100 Frauen, die eine bestimmte Methode anwenden. Ein Index von 1 bedeutet, dass pro Jahr von diesen 100 Frauen eine trotz Verhütung ungewollt schwanger wird. Die Quote bezieht sich sowohl auf die korrekte als auch auf unsachgemässe Anwendung. Bei der Pille beträgt der Pearl-Index 0,1 bis 0,9, bei der Temperaturmethode, welche diese Apps unter anderem nutzen, 0,8 bis 0,9, und bei der Verhütung mit Kondom liegt der Index je nach korrekter Anwendung zwischen 2 bis 12.

Flo (Android und iOS)

Bild: PD

Das bietet die App: Der Tracker nutzt künstliche Intelligenz, um die Vorhersagen zum Menstruationszyklus zu erstellen. Man erhält Push-Nachrichten zum Zyklus, eigenem Wohlbefinden und zur Gesundheit. Indem man Symptome erfasst, soll die App dabei helfen, Probleme im Körper zu erkennen, oder raten, eine Ärztin aufzusuchen. Gesundheitsdaten sollte man für genauere Angaben individuell eingeben: etwa sein Gewicht, Schlafenszeiten, Trinkmenge, Stimmungslage, körperliche Beschwerden, Scheidenausfluss, Lust auf Sex oder die Basaltemperatur, also die Körpertemperatur unmittelbar nach dem Aufwachen.

Neben Fachartikeln gibt es Informationen, die interaktiv in Form eines Chats aufgebaut sind. Zum Beispiel zur Stressreduktion oder Tipps für einen erholsamen Schlaf, für die Ernährung oder Sexualität. Auch Erklärvideos zum Zyklus oder digitale Bewegungstrainings bietet die App. Ein Kalender zeigt täglich, in wie vielen Tagen der Eisprung zu erwarten ist, ob die Chance, Schwanger zu werden, gross ist und wann die Periode kommt.

Für wen empfiehlt sie sich: Diese Zyklus-App eignet sich für Frauen in verschiedenen Lebenssituationen. Gleich zu Beginn wird man deshalb gefragt, ob man die App nutzen will, um seinen Zyklus zu verfolgen, um Schwanger zu werden oder um die Schwangerschaft zu verfolgen.

Preis: Die Testversion ist für 30 Tage kostenlos. Das Jahresabo erhält man für 32 Franken, ein Monat kostet 6.50 Franken.

Clover (iOS und Android)

Bild: PD

Das bietet die App: Mit Clover kann man Symptome, Stimmung, Sex, Zervixschleim oder Scheidenausfluss, die Intensität der Menstruation oder die Einnahme der Pille, erfassen. Angezeigt werden jeweils die Tage bis zum Eisprung oder zur Periode, den Tag des Zyklus und die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. Die App lässt sich mit Apple Health synchronisieren. Ein Vorteil ist, dass man die Länge des Zyklus individuell bestimmen kann.

Für wen empfiehlt sie sich: Mit der Clover-App kann man zwei verschiedene Ziele verfolgen: einerseits den Zyklus überwachen, andererseits die Schwangerschaftschancen erhöhen.

Preis: Während sieben Tagen kann man die App kostenlos testen. Das Jahresabo kostet 19.90 Franken. Für drei Monate kostet die App zehn Franken, für einen Monat fünf Franken.

Clue (Android und iOS)

Bild: PD

Das bietet die App: Es gibt eine Reihe Symptome, die man mit Clue erfassen kann. Die Kategorien lassen sich beliebig auswählen oder ausblenden: Blutung, Pille, Geschlechtsverkehr, Haut, Stimmung, Schmerzen, Gewicht. Clue ist eine übersichtlich gestaltete App und einfach zu bedienen: Zwischen Zyklus, Kalender und Tracking kann man mit einem Klick switchen. Unregelmässige Zyklen kann man ausschliessen, das erhöht die Genauigkeit der Prognosen. Ebenfalls angegeben werden: Menstruation, Eisprung, das Risiko, Schwanger zu werden, und das prämenstruelle Syndrom (PMS). Das PMS ist ein regelmässig wiederkehrendes Muster emotionaler und physischer Schwankungen während der Tage vor der Periode.

Clue verfügt weiter über eine Zyklus-Infothek mit Erklärungen. Weiterführende Texte zu Themen wie Fruchtbarkeit, Verhütung, Menstruation, Sex sowie zahlreiche Inhalte, welche die LGBT-Community betreffen, sind grösstenteils auf Englisch, dafür immer mit Quellen und Literaturhinweisen versehen. Zur Benützung der App ist eine Registrierung erforderlich. Die Urheber schreiben, dass sie sich an ethische Grundsätze halten, bei ihnen Gesundheit an erster Stelle stehe und ihnen Datenschutz wichtig sei.

Für wen empfiehlt sie sich: Die persönlichen Daten kann man teilen, falls man zum Beispiel seinen Partner oder die Partnerin einbeziehen möchte. Die App richtet sich auch an Menschen aus dem Transgenderspektrum und an homosexuelle Paare.

Preis: Clue kann man während sieben Tagen kostenlos testen. Im Jahr kostet die App 39 Franken, monatlich muss man 9.50 Franken bezahlen.

Cycles (iOS)

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Das bietet die App: Die Handhabung von Cycles ist intuitiv. Mit einem Drop-Down-Menu lassen sich Symptome zu verschiedenen Kategorien auswählen. Zwischen Zyklus, Kalender und dem eigenen Profil kann man rasch switchen. Es werden Prognosen aufgrund des Zyklusstands erstellt. Auch Erinnerungsfunktionen, zum Beispiel für die Pilleneinahme, lassen sich unkompliziert erstellen. Die App empfiehlt Artikel auf Grundlage des eigenen Zyklus, jedoch in Englisch.

Für wen empfiehlt sie sich: Es gibt zwei Optionen, diese App zu nutzen: Erstens, man möchte den eigenen Zyklus erfassen oder zweitens, dem Zyklus einer Person folgen.

Preis: Cycles kann man während sieben Tagen gratis testen, danach kostet die App 29 Franken pro Jahr. Achtung: Falls man doch kein Jahresabo haben möchte, muss man 24 Stunden vor Ablauf der Testphase kündigen.

Period Tracker (Android und iOS)

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Das bietet die App: Besonders farbenfroh kommt der Period Tracker daher. Der Tracker lässt sich mit der Apple-Health-App verbinden. Daten wie Symptome, Stimmungslage oder Gewicht und Schlafgewohnheiten lassen sich unkompliziert erfassen. Es gibt auch Platz für eigene Notizen. Im Kalender wird angegeben, welche Tage fruchtbar sind, wann der Eisprung stattfinden wird oder wann die Periode kommt. Die App ist zweckmässig, Hintergrundinformationen erhält man jedoch keine. Nicht intuitiv gestaltet ist das Wechseln zwischen unterschiedlichen Funktionen. Dafür lässt sich die Zykluslänge manuell einstellen und es gibt eine Funktion, bei der unregelmässige Zyklen automatisch ausgeschlossen werden.

Für wen empfiehlt sie sich: Der Period Tracker verfügt über einen Schwangerschaftsmodus: Der Perioden-Countdown wird dann angehalten und durch den Entbindungstermin ersetzt. Die Premiumversion verfügt ausserdem über einen Kinderwunschmodus.

Preis: Es gibt eine Gratisversion, die allerdings mit Werbung angereichert ist. Die Premiumversion kostet 10.50 Franken pro Jahr und kann während der ersten 14 Tage gratis getestet werden. Sie verfügt über einen erweiterten Kalender, mehr Symptom-Optionen und enthält keine Werbung.

MyNFT (Android und iOS)

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Das bietet die App: Diese App wendet die NFP-Methode (Natürliche Familienplanung) an: Anhand von Körpersymptomen wird der Zyklus einer Frau ermittelt. MyNFP verfügt über ein breites Dossier mit Fragen und Antworten. Sowohl automatische als auch manuelle Auswertungen sind möglich. Erfassen kann man neben den wichtigsten Symptomen wie Temperatur, Zervixschleim, Schmerz oder Blutung auch zusätzliche Daten. Bevor Auswertungen und Prognosen vorhanden sind, müssen erst mindestens zwei Zyklen manuell erfasst werden.

Für wen empfiehlt sie sich: Diese App richtet sich sowohl an Frauen mit Kinderwunsch als auch an Frauen, welche damit ihren Zyklus verfolgen möchten.

Preis: Kostenlos testen kann man die App während sieben Tagen. Danach kostet myNFP während eines Jahres 27 Franken, für drei Monate neun Franken.

Lilly (iOS)

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Das bietet die App: Es gibt zwei Möglichkeiten, die App zu nutzen. Entweder anhand von Auswertungen mit Durchschnittswerten oder aufgrund von Symptomen. Zweiteres empfiehlt sich besonders, wenn eine Schwangerschaft vermieden werden soll. Auswertungen sind erst vorhanden, wenn man ausreichend Daten eingetragen hat und die App eine Regelmässigkeit erkennt. Das Eintragen der Symptome funktioniert ähnlich wie bei den anderen Zyklustrackern. Die Nutzerführung ist etwas weniger intuitiv als bei anderen Apps, die in diesem Artikel erwähnt sind.

Für wen empfiehlt sie sich: Lilly kann man sowohl zur Überwachung des Zyklus verwenden als auch zur Familienplanung.

Preis: Die App ist gratis. Für einmalig sechs Franken kann man Zusatzfunktionen freischalten, zum Beispiel PDF-Dateien erstellen, weitere Daten hinzufügen oder Push-Nachrichten aktivieren,

Lady Cycle (Android)

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Das bietet die App: Bei Lady Cycle kann man seine Menstruationszyklen eingeben und visualisieren oder analysieren lassen. Die App hilft dabei, die fruchtbare Tage und den Geburtstermin zu schätzen. Ausserdem verfügt die App über ein Tutorial sowie ein Handbuch. Die Stiftung Warentest Deutschland zählt Lady Cycle zu den besten Zyklusapps. Die fruchtbaren Tage werden für jeden Zyklus neu bestimmt. Die App setzt sich für Privatsphäre ein, heisst es.

Für wen empfiehlt sie sich: Lady Cycle richtet sich an Frauen mit Kinderwunsch oder begleitet sie während der Schwangerschaft. Weiter eignet sie sich für Frauen, die den eigenen Körper und die Psyche während des Zyklus erforschen wollen.

Preis: Lady Cycle ist kostenlos, Zusatzfunktionen können mit der Premiumversion für 45 Franken freigeschaltet werden.

Ava: Hormon-Tracking-Armband

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Das bietet die App: Nicht nur via App, sondern zusätzlich mit einem Hormon-Tracking-Armband, funktioniert dieses Produkt. Entwickelt hat es die Schweizerin Lea Bidder. Ava misst die Daten der Benutzerin, verarbeitet sie und liefert die Ergebnisse ans Smartphone. Die Hersteller versprechen, dass das Armband genauer ist als Perioden-Tracking-Apps. Ava erkenne in Echtzeit, wann die fünf fruchtbarsten Tage sind. Das Armband erfasst während des Schlafs Daten wie Hauttemperatur, Ruhepuls, Atemfrequenz oder Durchblutung und zeigt der Nutzerin am Morgen die Ergebnisse.

Armband schlägt bei Fruchtbarkeit Alarm

Für wen empfiehlt sie sich: Inzwischen ist Ava nicht nur als Hilfsmittel zur Kinderzeugung geeignet, sondern auch zur Zyklusverfolgung oder auch zur Überwachung der Geburt, wo zum Beispiel Stresslevel und Schlaf angegeben werden. Von Ava abgeraten wird jenen Frauen, die nach einer Verhütungsmethode suchen, hormonelle Verhütungsmethoden verwenden oder einen Zyklus haben, der von Monat zu Monat stark variiert.

Preis: Das Armband kostet 299 Franken.