Menschenversuche im Altersheim

Silvan Lüchinger
Drucken
Teilen

Lärmklagen zwingen die Polizei jedes Wochenende zum Ausrücken. Lärmklagen verhindern die Neuauflage des St. Galler Weihern-Festivals und Lärmklagen erzwingen, dass der nächtliche Stundenschlag abgestellt werden muss. Warum eigentlich klagt niemand gegen die Laubbläser? Sie sind eine Landplage geworden. Und erst noch gefährlich. Dieser Tage erst wurde ein junger Mann, der am Strassenrand mit Blasarbeiten beschäftigt war, angefahren und zu Boden geworfen. Er hatte, so darf man vermuten, das herannahende Auto schlichtweg nicht gehört. Zwei Rippen seien gebrochen, schreibt die Polizei, und «die Arbeit konnte er nicht mehr fortsetzen». Bei allem Mitgefühl für den Laubbläser: zum Glück nicht.

Ob sich Insekten und Würmer aller Art dereinst als alltägliche Nahrung durchsetzen werden, ist umstritten. Ein Mittel zum Zweck sind Degustationen. So wie im Alters- und Pflegeheim Watt in Reute durchgeführt. Statt Kaffee und Kuchen erhielten die Bewohner am letzten Kafitreff gebratene Mehlwürmer und Wüstenheuschrecken vorgesetzt. Wer wollte, konnte nach dem Essen ein Fangnetz für die Selbstversorgung erstehen. Das Echo war unterschiedlich. Überlebt haben den Menschenversuch alle. Ausser den Insekten.

Die Dompfarrei Vaduz ist wieder besetzt. Für Generalvikar Markus Walser, der den Liechtensteiner Politikern unlängst die Benützung des gesunden Hausverstands angeraten hatte, kommt Jochen Folz aus Friedrichshafen. Folz ist Militärseelsorger und wurde 2012 zum Militärdekan befördert. Was schon länger gemunkelt wurde, ist jetzt offensichtlich: Das Fürstentum rüstet auf. Eidgenossen – schirmt das Haus! 70 neue Kampfjets sind die unterste Grenze.

Auf der Besucherterrasse des Flughafens Zürich steht eine lebensgrosse Statue des Toggenburger Skispringers Simon Ammann. Aus Toggenburger Fichte natürlich – schliesslich geht es um Werbung für Schweizer Holz. Von Zürich geht die Statue im August auf den Chäserrugg und anschliessend zur Heiligenverehrung nach Bern. Dort wird sie bleiben, bis in Unterwasser Sankt Simon endlich eine Kirche bekommt.

68 Wiler Mädchen wollen die Schule St.Katharina besuchen. Das sind zu viele. Vier werden per Losentscheid an die öffentliche Schule verdammt. Damit ist ihr Leben verpfuscht, bevor es richtig angefangen hat. Nie waren katholische Schulen gefragter als heute. Auch wenn kaum jemand mehr weiss, was katholisch eigentlich heisst.

Der Schweizerischen Bodensee-Schifffahrt geht es himmeltraurig. Am deutschen Ufer muss sie per sofort Anlege- gebühren zahlen, und ihre Abfahrtszeiten werden nicht angezeigt. In Romanshorn gibt es massiven Widerstand gegen den geplanten Abenteuerspielplatz auf der Bunkerwiese. Dieses Stück Land am See könnte die SBS tatsächlich besser nutzen: Am Nordufer deutsche Passagiere aufnehmen und sie auf der Bunkerwiese aussetzen – ohne Spielplatz und ohne Wegweiser.

An Pfingsten kommen der Heilige Geist und die lustigen Zwillinge. Kaum ist es ein paar Tage sonnig und das Gras schön gewachsen, muss es weg. Frank und Patrik wollen ihre Altstoffsammlung auslegen. Das für heute in Rorschacherberg geplante Bignik findet nun aber nicht statt. Ein Temperatursturz und Regen sind angesagt. Man kann das als Kunstsachverständiger bedauern. Oder entspannt feststellen: Das Wetter meint es gut mit uns.

Silvan Lüchinger

silvan.luechinger

@tagblatt.ch