Menschenhandel: Regelmässige Kontrollen im Thurgauer Rotlichtmilieu

Nach Einschätzung der Kantonspolizei ist der Menschenhandel im Thurgau nur gering verbreitet. Massnahmen koordiniert ein «Runder Tisch»

Christian Kamm
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Menschenhandel erkennen: Die Kantonspolizei kontrolliert die Etablissements regelmässig.

Menschenhandel erkennen: Die Kantonspolizei kontrolliert die Etablissements regelmässig.

Mario Heller / AAR

Weltweit seien 40 Millionen Menschen Opfer von Menschenhandel, beinahe die Hälfte davon Frauen, heisst es in einer Einfache Anfrage, die mit Ausnahme von GLP und BDP von Vertretern aller Parteien im Grossen Rat lanciert worden ist. Sexuelle Ausbeutung in Form von Prostitution oder Zwangsheirat und Ausbeutung von Arbeitskraft seien die verbreitetsten Formen. Gleichzeitig sei diese Ausbeutung in der Schweiz ein Low-Risk-Geschäft: «Kaum geahndet und deshalb äusserst lukrativ.»

«Verbreitung relativ gering»

Laut Kantonspolizei ist die Verbreitung von Menschenhandel im Kanton Thurgau «als relativ gering einzustufen», heisst es in der Beantwortung des Vorstosses. Als Grundlage für diese Einschätzung würden die Rotlichtbetriebe im Kanton regelmässig überprüft. Bei diesen Kontrollen gehe es einerseits um ausländerrechtliche Aspekte:

«Ziel ist aber auch, Menschenhandel zu erkennen.»

Zudem könne festgestellt werden, ob bestimmte Personen zwischen den einzelnen Etablissements verschoben würden. Auch wolle man mit dem direkten Kontakt Zwangssituationen erkennen, schreibt der Regierungsrat.

Zahl der Betriebe nimmt tendenziell ab

Darüber hinaus bestehe ein «Runder Tisch Menschenhandel Thurgau», um Informationen und Massnahmen zu koordinieren. Die Zahl aktiver Rotlicht-Etablissements liegt laut Angaben des Kantons bei aktuell 40, die Tendenz sei abnehmend. Keinen grossen Niederschlag findet der Menschenhandel strafrechtlich im Kanton: Zwischen 2011 und 2019 sind acht Verfahren geführt worden − drei wurden mit einer Einstellungsverfügung abgeschlossen, zwei mit einer Nichtanhandnahme- und drei mit einer Abtretungsverfügung. Zwölf Strafverfahren betrafen im selben Zeitraum die Förderung von Prostitution. Lediglich zwei Verfahren wurden mit einer Verurteilung durch das Strafgericht abgeschlossen und eines mit einem Strafbefehl.

Innerhalb der Kantonspolizei sind die Spezialisten für Menschenhandel im Dienstzweig Kapitaldelikte angesiedelt. Zudem sind im Regionalen Ermittlungsdienst der Kriminalpolizei einzelne Ermittler entsprechend ausgebildet. Seit mehreren Jahren gibt es in der Staatsanwaltschaft einen Fachverantwortlichen für Menschenhandel, der sich, so die Regierung, intensiv mit der Thematik auseinandersetzt.

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