Menschen retten nach Konzept

Damit bei einem Brand wie in Flawil die Rettung der Personen einwandfrei verläuft, kommen Evakuierungskonzepte zum Einsatz. Je nach Gebäude und Institution stellen sich dabei unterschiedliche Herausforderungen.

Lara Wüest
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Für Ernstfälle wie den Spitalbrand am Dienstag in Flawil gibt es Evakuierungskonzepte. (Bild: Vivien Steiger)

Für Ernstfälle wie den Spitalbrand am Dienstag in Flawil gibt es Evakuierungskonzepte. (Bild: Vivien Steiger)

ST. GALLEN. In der Notfallstation des Spitals Flawil hat es am Dienstag gebrannt – 24 Personen mussten evakuiert werden. Dass durch den Brand niemand verletzt wurde, ist dem Einsatz der 50 Feuerwehrleute zu verdanken, die das Feuer und den entstandenen Rauch innerhalb kurzer Zeit unter Kontrolle brachten. Neben dem Löschen des Brandes spielte aber auch der reibungslose Ablauf des Evakuierungsprozesses eine wichtige Rolle. Damit dieser jeweils funktioniert, braucht es ein Evakuierungskonzept, das die notwendigen organisatorischen Massnahmen regelt. Nicht überall sieht dieses jedoch gleich aus.

Patienten auf Hilfe angewiesen

«Die Schwierigkeit bei einer Evakuation in einem Spital ist, dass viele Patienten nicht vollkommen mobil und deshalb oft auf fremde Hilfe angewiesen sind», sagt Philipp Lutz, Medienbeauftragter des Kantonsspitals St. Gallen. Gehe ein Feueralarm los, brauche es deshalb die Mitarbeit des Personals. Als erstes müsse dieses die Feuerwehr alarmieren. Danach müssten die Patienten aus der unmittelbaren Gefahrenzone gebracht werden, so Lutz weiter. «Dabei handelt es sich am Anfang immer um eine Teilevakuierung des Gebäudes. Zuerst wird überprüft, ob es auf demselben Stockwerk Räume gibt, in welchen die Patienten in Sicherheit gebracht werden können.» Der Einsatzleiter der Feuerwehr entscheide dann, ob eine Verlegung auf andere Stockwerke oder die Evakuation des gesamten Gebäudes nötig sei.

Rettung erfolgt etappenweise

In der anfänglichen Teilevakuierung in einem Spital besteht gemäss Lutz der Unterschied zu Evakuierungskonzepten von anderen Gebäuden. «Wir müssen bei der Rettung der Personen stets etappenweise vorgehen, da der Betrieb auch während einer Rettungsaktion möglichst lange aufrechterhalten werden muss.» Eine besondere Herausforderung wäre, wie Lutz sagt, die Evakuierung einer Intensivstation, da ein Transport der Intensivpatienten ein gewisses Risiko beinhaltet. Deshalb würde hier der Zeitpunkt der Evakuierung «so lange wie möglich hinausgezögert». Auch hier gelte jedoch: Die Sicherheit der Patienten komme an erster Stelle. «Ab einem gewissen Punkt müssen wir einfach schauen, dass wir die Personen nach draussen bekommen. Sei es in ihren Betten oder auf Tragbahren.»

Auch der Kanton St. Gallen kennt ein Evakuierungskonzept für Gebäude der öffentlichen Verwaltung. Obwohl dieses jeweils den einzelnen Gebäuden angepasst wird, gibt es ein Grundkonzept, das bei allen grösseren Bauwerken in einer Notsituation zur Anwendung kommt. Nach einem Feueralarm etwa fordert speziell geschultes Personal die Angestellten dazu auf, das Gebäude zu verlassen. Die Menschen müssen sich daraufhin zu einem Sammelplatz begeben und dort auf weitere Anweisungen warten. «In der Regel verläuft das alles sehr geordnet ab», sagt Erwin Schweizer, Leiter der zentralen Dienste der Staatskanzlei des Kantons. Zwar habe es im Regierungsgebäude seit über zehn Jahren keinen Ernstfall mehr gegeben, jedoch fänden alle drei bis vier Jahre Übungen zusammen mit der Feuerwehr statt.

Modernste Technik an der FHS

Ein weiteres Gebäude, welches bereits einige solche Übungen erlebt hat, ist die Fachhochschule des Kantons St. Gallen. Gebrannt hat es zwar auch dort noch nie. Aufgrund von Baumängeln wurde jedoch das Brandmeldesystem bereits einige Male ausgelöst, wie der Verwaltungsdirektor Carlo Höhener sagt. Einmal sei etwa der Dampf des neuen Mensa-Steamers verantwortlich gewesen. Höhener nimmt das jedoch gelassen: «Nun wissen wir zumindest, dass alles gut funktioniert.»

Da das Gebäude der Fachhochschule neu sei, verfüge es über die aktuellsten Techniken und Vorschriften, so der Verwaltungsdirektor. So könnten etwa auch Personen, die sich in den obersten Stockwerken aufhalten, das Gebäude im Fall eines Brandes sicher verlassen. «Über spezielle Fluchttreppenhäuser aus Beton und Stahl gelangen sie ins Freie. Sogar bei einem Grossbrand dauert es mehrere Stunden, bis diese Treppenhäuser in Flammen stehen.»