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MELS: Zum Ende ein Raum der Würde

In Mels entsteht die erste Hospizwohnung im Kanton St. Gallen. Sie bietet Platz, Menschen am Ende ihres Lebens in familiärer Atmosphäre zu betreuen.
Reinhold Meier
Weitsichtiges Engagement: Präsidentin Elisabeth Warzinek in der Hospizwohnung. (Bild: Reinhold Meier)

Weitsichtiges Engagement: Präsidentin Elisabeth Warzinek in der Hospizwohnung. (Bild: Reinhold Meier)

MELS. Jeden trifft es und doch wurde es zum Tabu, das Lebensende, das Loslassen, das Sterben. Derzeit bauen Bund und Regionen, Spitäler und Spitex, Seelsorger und Ärzte zwar flächendeckende Palliative-Strukturen auf. Doch es gibt Situationen, in denen Sterbende keinen idealen Platz finden. «Etwa dann, wenn sie ihren letzten Tage nicht im Spital oder Heim verbringen wollen, die Betreuung zu Hause aber unmöglich ist», erklärt Elisabeth Warzinek, Präsidentin der Hospizgruppe Sarganserland.

Diese Lücke soll die Hospizwohnung im Melser Kapuzinerkloster schliessen. Ein Gang über die Baustelle zeigt, dass hier eine Zwei-Zimmer-Wohnung entsteht, die samt Dusche rollstuhlgängig ist und dank Schiebetüren keinen Platz verschwendet. Haltegriffe, ein Aufzug und ein Pflegebett gehören zur Grundausstattung. «Bei den Möbeln sind wir flexibel.» Man könne sie mitbringen oder auf eine vorhandene Ausstattung zurückgreifen. Die Wohnung liegt in einem Trakt des Klosters, der künftig von den Patres nicht mehr benötigt und darum vermietet wird.

Autonomes und würdiges Leben bis zuletzt

«Das ruhige und geschützte Umfeld gibt Raum und Zeit für ein würdevolles Abschiednehmen», ist Warzinek überzeugt. Sterbende könnten hier ihre sozialen Kontakte weiter pflegen. Via Hospizgruppe sei zudem eine Begleitung durch Engagierte möglich sowie der Kontakt zu Medizin, Pflege und Seelsorge sichergestellt. Dies alles auf Wunsch und nach der freien Entscheidung des Betroffenen. So werde ein autonomes und würdiges Leben bis zuletzt ermöglicht, sagt Warzinek, die sich deutlich von Suizidbeihilfe abgrenzt. Davon distanzieren wir uns.»

Man sei überzeugt, dass würdiges Sterben mit umfassendem Respekt und Autonomie für die Betroffenen auch in schwersten Momenten möglich sei. «Die Hospizwohnung schafft den individuellen Rahmen dafür.» Experten aus der Region begrüssten dieses Konzept denn auch, heisst es weiter. Ein wichtiger Lückenschluss, meinen etwa der Sarganser Onkologe Stefan Greuter, der Palliative-Mediziner des Spitals Walenstadt, Ignaz Good, und die Leiterin der dortigen Palliative-Abteilung, Ina Bujard. Erfahrungen mit den landesweit erst sechs Hospizwohnungen zeigen, dass die Nachfrage das Angebot denn auch bald übersteigen könnte. Die meisten Menschen wünschen sich am Lebensende persönliche Nähe und professionelle Palliative Care.

Die Hospizgruppe Sarganserland entwickelt sich derweil zu einem Vorzeigeprojekt in der Region. Vor fünf Jahren schloss sie sich zu einem Verein zusammen, nachdem sie aus vier örtlichen Initiativen zusammengewachsen war. Für sein vorbildliches Engagement war der Verein 2014 von der Gemeinde Sargans und 2015 vom Kanton St. Gallen mit dem Prix Benevol ausgezeichnet worden. Heuer kam die Anerkennung durch die St. Galler Kantonalbank hinzu, die ihn in einem Wettbewerb unter 137 Bewerbern prämiert hat. Nun übernimmt das Institut die Ausbaukosten für die Wohnung in Höhe von 80 000 Franken. «Ein Glücksfall», freut sich Warzinek. Sie kann sich auf die Betriebskosten konzentrieren. Das Echo lässt viel Unterstützung erahnen. Serviceclubs, Organisationen, Vereine und Einzelpersonen haben Zuwendungen in grösserer fünfstelliger Höhe gesprochen. Am 1. April 2017 wird die Hospizwohnung mit einem Tag der offenen Tür in Betrieb gehen.

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