MELS: Sportwoche bricht Reitkurs ab

Der Tierquäler-Skandal im thurgauischen Hefenhofen hat Auswirkungen im Sarganserland. Ein Reitkurs wird aus Sicherheitsgründen abgesagt: Die Kursverantwortliche wird mit den Vorfällen im Thurgau in Verbindung gebracht.

Hans Bärtsch
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Die zehn Kinder, die den Reitkurs besuchen wollten, seien in anderen Kursen untergebracht worden. (Bild: Keystone/Symbolbild)

Die zehn Kinder, die den Reitkurs besuchen wollten, seien in anderen Kursen untergebracht worden. (Bild: Keystone/Symbolbild)

Aus «Sicherheitsgründen» ist der im Rahmen der Sportwoche für die Regionen Sarganserland, Werdenberg, Liechtenstein und Bündner Herrschaft angebotene Kurs Reiten in Mels gestern ab­gebrochen worden. Der Grund dafür ist, dass die Kursverantwortliche namentlich von den Boulevardmedien mit dem Tierschutzskandal im Kanton Thurgau in Beziehung gebracht wird.

Ein «vorbildliches» Vorgehen

Die Kursleiterin selbst habe den Abbruch angeregt, sagten die Sportwoche-Verantwortlichen Bigna Gruber und Ralph Windmüller gestern an einem Behörden-, Sponsoren- und Medienanlass in Sargans. Sie nannten dies «vorbildlich». In erster Linie gehe es darum, die teilnehmenden Kinder nicht negativen Ereignissen auszusetzen, die mit dem Reitkurs nichts zu tun hätten. Aufgrund des erhöhten Interesses der Öffentlichkeit müsse mit einem «unerwünschten Rummel» gerechnet werden. Deshalb «können wir die persönliche Sicherheit ihres Kindes nicht garantieren», heisst es in einem Schreiben an die Eltern der kursteilnehmenden Kinder – verbunden mit der Bitte, «die Teilnehmer nicht zum Kursort zu bringen».

Mit dem Vorschlag des Kursabbruchs nehme die Kursleiterin nicht nur die Kinder, sondern auch sich selber aus der Schusslinie, sagte Windmüller. Die zehn Kinder, die den Reitkurs besuchten, seien in anderen Kursen untergebracht worden.

Schreiben an die Eltern

Bis gestern sahen die Sportwoche-Verantwortlichen keinen Handlungsbedarf, zumal in der Vergangenheit immer alles tadellos abgelaufen sei auf dem Hof. «Der Kurs wurde von uns mehrfach besucht und bis zum jetzigen Zeitpunkt zu unserer vollen Zufriedenheit durchgeführt», heisst es im Schreiben an die Eltern weiter. Auch die Gesamtsituation wie Hygiene oder Tierhaltung «können unsererseits nicht beanstandet werden».

Das kantonale Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen hatte den Hof Ende Juli überprüft und keine Auffälligkeiten festgestellt; es habe keinen Hinweis gegeben, dass der Tierschutz dort nicht eingehalten wird. Der Reitstall ist in einem Bauernhof etwas oberhalb von Mels eingemietet. Die Sportwoche-Reitkursleiterin ist als Freundin des Thurgauer Tierquälers in den Fokus von Tierschützern und den Medien geraten. Hinterfragt wird, wie viel sie von den Vorfällen in Hefenhofen weiss und welche Rolle sie im Skandal spielt. Spuren der Geschichte führen auch nach Graubünden. Kurz vor der Räumung des Hofs in He­fenhofen seien vernachlässigte Tiere auf verschiedene Bündner Alpen verschoben worden.