Meisterschaft statt Olympiade

Zwei Bauernfamilien im Werdenberg mussten ihre «Bauernhof-Olympiaden» umbenennen. Swiss Olympic hatte reklamiert und rechtliche Schritte angedroht.

Corinne Hanselmann
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Swiss Olympic intervenierte wegen der Marke Olympiade. (Bild: epa/Sebastien Nogier)

Swiss Olympic intervenierte wegen der Marke Olympiade. (Bild: epa/Sebastien Nogier)

Seit über zehn Jahren führt die Familie Babette und Andreas Schlegel auf ihrem Bergbauernhof am Grabserberg Plauschwettkämpfe für Gruppen mit verschiedenen Disziplinen wie Hufeisen-Werfen, Gummistiefel-Weitwurf oder Holzkuh-Melken durch. Auch die Familie Barbara und Hans Dürr macht dies auf ihrem Bauernhof in Gams. Von Anfang an habe man diese Anlässe «Bauernhof-Olympiade» genannt. Organisiert und koordiniert werden sie von Tourist Info Werdenberg in Zusammenarbeit mit den Bauernfamilien.

Verletzung des Markenrechts

Vergangenes Jahr nun kam ein Schreiben vom Verband Swiss Olympic: «Wir haben festgestellt, dass Sie eine kommerzielle Bauernhof-Olympiade öffentlich ausschreiben. Die Marke <Olympiade> ist im Namen des Internationalen Olympischen Komitees IOC in der Schweiz rechtlich geschützt und darf in kommerziellem Zusammenhang für sportliche und kulturelle Aktivitäten von unberechtigten Dritten nicht verwendet werden.» Man begrüsse zwar «solche teambildenden sportlichen und kulturellen Aktivitäten», bitte aber freundlich darum, auf geschützte Ausdrücke wie Olympiade und olympisch umgehend zu verzichten.

Obwohl sich die Beteiligten daraufhin trafen, um einen neuen Namen zu finden und dies dem Nationalen Olympischen Komitee auch mitteilten, flatterte bald ein weiteres Schreiben ins Haus. Erneut wurden die Landwirte aufgefordert, umgehend auf die Bezeichnung «Olympiade» zu verzichten. «Sollten Sie unserer Aufforderung nicht nachkommen, behalten wir uns vor, rechtliche Schritte einzuleiten», wurde angedroht. Die Tourist Info Werdenberg und die beiden Familien einigten sich schliesslich mit Swiss Olympic und nennen ihre Plauschwettkämpfe neu Bauernhof-Meisterschaft. «Der Ausdruck Olympiade war schon sehr treffend, aber ich habe mit dem Namen Meisterschaft auch kein Problem», sagt Babette Schlegel. Den Vorwurf von Swiss Olympic, dass dessen geschützter Begriff Olympiade für einen kommerziellen Anlass verwendet und dadurch die Marke geschädigt werde, findet Schlegel nur bedingt berechtigt. «Eine goldene Nase verdienen wir uns damit nicht.»

Nur der Name ändert

Rund vier- bis sechsmal im Jahr finde auf ihrem Hof eine Meisterschaft statt, und je nach Grösse der Gruppe sei der Aufwand verhältnismässig gross, sagt Babette Schlegel. Der Anlass sei eine gute Möglichkeit, das Leben auf dem Bauernhof aufzuzeigen. Nebst dem Namen ändere sich aber nichts. Die Bauernhof-Meisterschaft bleibt ein spassiger Teamwettkampf mit grossem Unterhaltungswert.