«Meistens sind Männer betroffen»

Welche Bedeutung hat das neue Bundesgerichtsurteil für die kantonalen Gerichte? Aussergewöhnlich am aktuellen St. Galler Fall sei, dass das Urteil eine Frau betreffe, sagt der Thurgauer Obergerichtspräsident Thomas Zweidler. «Meistens sind Männer betroffen.

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Welche Bedeutung hat das neue Bundesgerichtsurteil für die kantonalen Gerichte? Aussergewöhnlich am aktuellen St. Galler Fall sei, dass das Urteil eine Frau betreffe, sagt der Thurgauer Obergerichtspräsident Thomas Zweidler. «Meistens sind Männer betroffen.» Denn diese hätten in der Regel das höhere Einkommen als ihre geschiedenen Frauen. Als speziell stuft Zweidler zudem die Umstände des Falles ein. Die betreffende Mutter arbeite seit zehn Jahren nicht mehr und müsse sich jetzt ein fiktives Einkommen anrechnen lassen. Vor diesem Hintergrund habe das Bundesgericht entschieden, dass das St. Galler Gericht genauere Angaben machen müsse, welche Berufe die Frau ausüben und welchen Lohn sie erzielen könne.

Was das hypothetische Einkommen der Mutter angeht, bewegt sich das Bundesgericht laut Zweidler aber auf der Linie seiner bisherigen Rechtsprechung. Auch in früheren Fällen habe das höchste Schweizer Gericht einen hypothetischen Lohn festgesetzt, wenn jemand grundsätzlich arbeiten könne. Wichtig sei, den Unterhalt der Kinder sicherzustellen. (hal)