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Mein Stück Vorarlberg: Vorarlbergs Fussballszene lebt – mit Widersprüchen

Adi Fischer

Gäbe es so etwas wie Gerechtigkeit, müssten die Spieler und Funktionäre des SCR Altach von den Fans auf Händen getragen werden. Das Dörfchen am Rhein zählt keine 7000 Bewohner, sein Fussballklub aber hat in den vier Jahren seit dem Bundesliga-Aufstieg die grossen österreichischen Vereine Salzburg, Rapid und Austria Wien insgesamt 15-mal (!) besiegt und im Europacup gegen Mannschaften von Europameister Portugal und WM-Viertelfinalist Belgien grossartige Erfolge gefeiert.

Euphorie im ausverkauften Schnabelholz? Mitnichten. Nicht wenige nehmen es der Mannschaft übel, dass sie es sich erlaubt hat, heuer nur als achtbestes Team ins Ziel zu kommen. Die Zuschauerzahlen sind um 20 Prozent auf einen Schnitt von gut 4000 gesunken, es dominieren kritische Geister mit hohem Analyse- und eher geringem Anfeuerungspotenzial. Bedingungslose Treue war einmal: Als die ehemaligen Grossklubs Bregenz und Dornbirn vor einem halben Jahrhundert – meist erfolglos – gegen den Abstieg kämpften, wurden sie von 10'000 und mehr Fans angefeuert. Nicht das einzig Widersprüchliche im Vorarlberger Fussball. Lange vor Erfindung der Nachwuchsakademie debütierten 19-Jährige wie Adi Knoll, Fritz Rafreider oder Helmut Metzler in der Nationalmannschaft, startete Vorarlbergs Bester aller Zeiten, Bruno Pezzey, von einem – verglichen mit heutigen Verhältnissen – Krautacker in Lauterach aus seine Weltkarriere. Und auch Nationalspieler wie Adi Hütter und Markus Weissenberger oder die FC-St.-Gallen-Legionäre Gerhard Ritter, Martin Gisinger und Dietmar (Didi)Metzler wurden wegen ihrer Kreativität und Torgefährlichkeit geschätzt.

Heute? Einen Stürmer von wenigstens nationaler Bedeutung findet man seit Jahrzehnten nicht mehr, und die wenigen Talente, die es als Defensivkünstler bis in die heimische Bundesliga schaffen, kommen durchwegs aus Miniklubs – bevorzugt aus dem Bregenzerwald, den man bis zur Jahrtausendwende in Vorarlberg fussballerisch kaum wahrgenommen hat. Warum das so ist? Niemand weiss es. Der Fussballverband kann sich um solche Themen nur am Rande kümmern, er hat andere Sorgen. Innerhalb weniger Monate ist es gelungen, zweimal mit Verbandsentscheidungen Vereinsfunktionäre zur Weissglut zu bringen und findigen Rechtsanwälten eine interessante Spielwiese zu bereiten. Eine völlig missglückte Ligareform für Reservemannschaften (!) und ein kurz vor Saisonschluss beschlossenes Ligaverbot wegen zu kleiner Plätze für drei nicht unerfolgreiche Amateurvereine (zwei von ihnen erhielten umgehend wieder eine Ausnahmegenehmigung) vermitteln abseits noch zu klärender juristischer Spitzfindigkeiten ein reichlich chaotisches Bild. Leicht hat es der Verband freilich auch nicht: So ist es bei Vorarlbergs besten Amateurvereinen in den letzten Jahren zur Mode geworden, nach errungenem Meistertitel den Aufstieg in die nächst höhere, überregionale Spielklasse zu verweigern. Wehrt sich der Verband mit Massnahmen wie Aufstiegspflicht, müssen die Vereine es irgendwie richten, dass sie nicht Meister werden…

Angesichts solcher Problemfelder tun spektakuläre Erfolge gut. Georg Margreitter ist als Führungsspieler mit Nürnberg in die Bundesliga aufgestiegen, und mit dem in Bern selig gesprochenen Adi Hütter wird erstmals ein Vorarlberger einen Klub der höchsten deutschen Spielklasse trainieren. Ausgerechnet Eintracht Frankfurt, wo Markus Weissenberger schöne Erfolge feierte und Bruno Pezzey zur Legende wurde.

Adi Fischer 1952 in Dornbirn, lebt in Wolfurt. Spielte zehn Jahre in der Vorarlberg-Liga (FC Wolfurt); die ORF-Karriere des späteren Chefredakteurs begann in der Sportredaktion; 2008 veröffentlichte er ein inzwischen vergriffenes Buch über die Grössen des Vorarlberg Fussballs.

Adi Fischer 1952 in Dornbirn, lebt in Wolfurt. Spielte zehn Jahre in der Vorarlberg-Liga (FC Wolfurt); die ORF-Karriere des späteren Chefredakteurs begann in der Sportredaktion; 2008 veröffentlichte er ein inzwischen vergriffenes Buch über die Grössen des Vorarlberg Fussballs.

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