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Kolumne

Mein Stück Vorarlberg: Deutschlands Fleiss, Schweizer Genauigkeit, Österreichs Charme

Peter Marte

Drei Vorarlberger sitzen beim Kartenspiel: Einer muss niesen – ein anderer wünscht «G’sundheit» – der Dritte meint trocken: «Toand m’r jassa oder schwätza?» Geschichten wie diese sind es, die mich an Vorarlberg begeistern und gleichzeitig ärgern. Die volle Konzentration auf eine Sache, die Gelassenheit, das bolzengerade Wort finde ich super; die Ignoranz und «am liebsten gar nicht kommunizieren wollen», sich ja nicht stören lassen, finde ich weniger prickelnd.

Ich liebe Vorarlberg: Wegen seiner Vielfalt an Landschaften (Gletscher, Berge, Hügel, Ried, Bodensee), den Möglichkeiten in Wirtschaft, Kultur, Sport und Freizeit, seiner zentralen Lage in Europa. Wegen seiner kreativen, engagierten und verlässlichen Menschen, der frischen Luft, dem sauberen Wasser, der kurzen Wege, der guten Infrastruktur bei Gesundheit, Bildung, Verkehr, Tourismus, Sicherheit.

Aber ich ärgere mich über den oft übertriebenen Arbeitseifer; einmal nichts zu tun, das Leben «nur» zu geniessen, das geht eigentlich gar nicht – echte Lebensfreude zu zeigen ist für viele Landsleute schon fast eine Sünde. Darum hört man auch immer wieder auf die Frage «Wie geht’s?» nicht etwa «Danke, gut», sondern eher «Bin all dra»!

In Vorarlberg fragt man die Menschen auch heute noch oft nicht nach ihren Namen sondern «weam g’hörscht?» oder «vo wo kummscht»? – Die Abstammung ist für viele immer noch viel zu wichtig – und bedeutet natürlich im Umkehrschluss, allem Neuen, Fremden gegenüber wenig aufgeschlossen zu sein. Und das, obwohl wir ein weltweit tätiges Exportland und in Wahrheit schon immer ein Einwanderungsland waren: Zuerst kamen die (Schweizer) Walser, später Tausende Trentiner, Südtiroler, Steirer, Kärntner, Oberösterreicher usw. – dann Menschen aus Ex-Jugoslawien, der Türkei, schliesslich Syrer, Afghanen, Tschetschenen – und in letzter Zeit auch immer mehr Deutsche und Ungarn. Ein Unternehmer, der sich in Vorarlberg ansiedelte, meinte einmal treffend: «Hier finde ich eine perfekte Kombination aus dem Fleiss der Deutschen, der Genauigkeit der Schweizer und dem Charme der Österreicher.»

Vorarlberg ist zugleich wirtschaftsfreundlich und umweltengagiert, weltoffen und kleinbürgerlich. «Ma will halt all’s» – oder wie man in der Schweiz sagt: «Am liabsta s’Weggli UND s’Füferli». Und dieses Streben nach Vielfalt ist wahrscheinlich sowohl die Stärke als auch die Schwäche unseres Landes. Wir geben uns gerne weltoffen, etwa bei Wirtschaft und Kultur. Trotzdem sind wir auch ein Land der Zäune, Hecken und Mauern im Kopf – eben ein «Ländle». Nach dem «Schaffa» ziehen wir uns gerne in unser «Hüsle» zurück und wollen in unserem Wohlstand nicht gestört werden, nicht vom Rasenmäher des Nachbarn, nicht von fremden Blicken und schon gar nicht von fremden Menschen.

Die meisten dieser Eigenschaften gelten wohl auch für mich: Ich bin begeisterter Europäer, stolzer Österreicher, aber halt auch ein echter Gsiberger, mit einer Mutter aus Hamburg und einer Gattin mit Vorfahren aus Südtirol. Darum fühl ich mich hier so wohl – es ist eben meine Heimat!

Peter Marte

1956 in Bregenz geboren, Volkswirt und Journalist, von 1998 bis 2017 Leiter der Pressestelle des Landes Vorarlberg.

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