Mehrsprachige Bildung für Migranten

KONSTANZ. Mehrsprachigkeit in Schulen ist eine Herausforderung: An einer von der Internationalen Bodensee-Hochschule IBH geförderten Tagung in Hegne bei Konstanz brachten Pädagoginnen, Linguisten, Psychologinnen und andere Experten ihre Perspektiven ein.

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KONSTANZ. Mehrsprachigkeit in Schulen ist eine Herausforderung: An einer von der Internationalen Bodensee-Hochschule IBH geförderten Tagung in Hegne bei Konstanz brachten Pädagoginnen, Linguisten, Psychologinnen und andere Experten ihre Perspektiven ein. «Die Flüchtlingsströme, darunter viele Kinder, unterstreichen die Aktualität des Themas Mehrsprachigkeit. Wir können diesem nicht ausweichen», erklärt Doris Edelmann, Professorin an der PHSG. «Die Pädagogischen Hochschulen haben Vorbildcharakter, dürfen keine monokulturellen Inseln sein.» Sie sollten für Studierende mit Migrationshintergrund attraktiver werden.

Albanisch nicht gleich Englisch

Mehrsprachigkeit dürfe man nicht naiv begegnen, meint Inci Dirim, Professorin an der Universität Wien. «Wenn eine Lehrperson ein Mädchen auffordert, ein Lied auf Albanisch zu singen, kann sie auslösen, was sie nicht wollte.» Sprachen hätten unterschiedliche Wertigkeiten. «Man attestiert dem Mädchen nicht nur Sprachkompetenz, sondern auch eine vorurteilsbehaftete Zugehörigkeit.» Englisch sei eben nicht gleich Tschetschenisch. «Sprachen aus mächtigen Ländern sind besser positioniert als andere.»

Heute steigen Kinder mit Migrationshintergrund oft ohne Deutschkenntnisse in die Schule ein. Andere sind zwar länger da, bekunden aber subtilere Probleme. Laut Marten Kossmann (Uni Leiden) geht es nicht nur um Bilingualismus. Kinder wachsen mit Hocharabisch, Hochdeutsch und beiderseits lokalen Dialekten auf. Andere sprechen zu Hause bereits zwei andere Sprachen als Deutsch.

Lehrpersonal weiterbilden

Für Diemut Kucharz, Professorin an der Universität Frankfurt, ist klar: «Sprachförderung in Deutsch muss in den Alltag integriert werden, nicht in gesonderte Kleingruppen.» Die Lehrkräfte müssten in Sprachfördertechniken geschult werden, die Kinder zum Sprechen anregen. Dazu gehört die Vollendung eines Satzes, wenn ein Kind Bruchstücke von sich gebe. Auch Doris Edelmann sagt: «Wir müssen Fachkräfte unterstützen, etwa mit Weiterbildungen oder Assistenzlehrkräften vor Ort.»

Die IBH ist der grösste hochschulartenübergreifende Verbund Europas. Die 30 Mitgliedshochschulen in Deutschland, Liechtenstein, Österreich und der Schweiz bilden ein Netzwerk und nutzen Synergien. (red.)