Mehrheit will Beratung statt Bares

Keine Ein- und Auszahlungen, kein Geldwechsel mehr am Bankschalter, sondern ausschliesslich noch am Bancomaten: Mit dieser Neuerung wartet die Raiffeisenbank Buchs seit Mitte Januar auf – und erntet damit verbreitet Kritik.

Thomas Schwizer
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Ein älteres Paar erhält Bargeld am Schalter einer Ostschweizer Raiffeisenbank – eben nicht jener in Buchs. (Bild: ky/Martin Rütschi)

Ein älteres Paar erhält Bargeld am Schalter einer Ostschweizer Raiffeisenbank – eben nicht jener in Buchs. (Bild: ky/Martin Rütschi)

BUCHS. «Der Trend geht unvermindert in die Richtung, dass nicht mehr am Bankschalter Bargeld entgegengenommen oder herausgegeben wird, sondern der Geldbezug und die Einzahlung werden am Bancomaten und Überweisungen elektronisch vorgenommen» (mittels E-Banking). Das stellt Franz Würth, Mediensprecher der Raiffeisen-Gruppe, auf Anfrage fest.

Diese Entwicklung sei an allen Bankschaltern festzustellen. Nur noch eine deutliche Minderheit nehme am Bankschalter Aus- und Einzahlungen vor. Insbesondere Auszahlungen, aber zunehmend auch Einzahlungen würden grösstenteils an den Bancomaten erledigt. «Was der Automat gleich gut kann, soll er auch tun», so Würth.

Beratung wird intensiviert

Die meisten Bankkunden hätten beim Besuch des Bankschalters ein anderes Anliegen als Ein- oder Auszahlungen. Auf diese «klare Mehrheit» fokussiere man mit der Aufhebung der Bargeldschalter in der Geschäftsstelle Buchs der Raiffeisenbank Werdenberg, erklärt Franz Würth. Für die Kunden stünden bei der Raiffeisenbank weiterhin Kundenberater zur Verfügung. Durch die Aufhebung der Bargeldschalter würden die Beratungskapazitäten sogar ausgebaut. Das entspricht aus Sicht von Raiffeisen dem Bedürfnis der Kundschaft, weshalb man sich vermehrt auf diesen Bereich konzentriere.

Die Aufhebung der Ein- und Auszahlungsschalter entspricht allerdings nicht dem Bedürfnis von Kundin Emma Hagmann. Sie schildert, wie sie beim Eingang der Raiffeisenbank Buchs von Bankmitarbeitern «abgefangen» wurde. Sie hätten sie darauf hingewiesen, dass bei der Raiffeisenbank Werdenberg Einzahlungen am Schalter nur noch in den beiden Raiffeisenbanken in Grabs und Trübbach möglich seien, nicht mehr in Buchs. Das verursacht bei ihr Kopfschütteln. Das sei «nicht gerade Dienst am Kunden», stellt sie fest.

«Schon gute Erfahrungen»

Wenn jemand mit Ein- und Auszahlungen am Bancomaten Bedienungsprobleme oder sonstwelche Fragen habe, stehe ein Bankmitarbeiter in Buchs gerne für Auskünfte und Erläuterungen zur Verfügung, führt Würth weiter aus.

Bei Emma Hagmann hatten die hilfsbereiten Mitarbeiter allerdings Pech. Sie wollten ihr das Einzahlen am Automaten zeigen – allerdings funktionierte dieser dann ausgerechnet nicht! Das Angebot, sie solle doch am Nachmittag nochmals vorbeikommen, dann zeige man es ihr gerne, lehnte sie dankend ab. «Ich komme doch nicht extra deswegen nochmals von Sevelen nach Buchs», antwortete sie.

Eine neue Erfindung sei die Bank ohne Bargeldschalter nicht, stellt Franz Würth weiter fest. Dies gebe es in der Schweiz bereits manchenorts. «Wir haben an anderen Orten damit schon gute Erfahrungen gemacht.» Auf die Frage, ob Raiffeisen in der Ostschweiz und im Kanton St. Gallen bereits andere Geschäftsstellen auf «bargeldlos» umgestellt habe, muss Würth allerdings passen.

Die St. Galler Kantonalbank hat keine Geschäftsstelle ohne Bargeldschalter und plant dies auch nicht. Die Grossbank UBS hatte das Format bargeldlos in der Schweiz fast flächendeckend eingeführt, es allerdings inzwischen wieder rückgängig gemacht (siehe Text nebenan).

Mehr Sicherheit

Die Bank ohne Bargeldschalter sei auch im Dienste der Sicherheit, fügt Raiffeisen-Sprecher Franz Würth ein weiteres Argument ins Feld. Denn in den Bereichen, die öffentlich zugänglich seien, sei nun kein Bargeld mehr vorhanden. Die Frage der Sicherheit beurteilt Emma Hagmann anders: «Wenn ich am Bancomaten Geld rauslasse, können die Leute von aussen das durch die Glastüre sehen. Das ist sicher nicht gut für meine Sicherheit.» Laut Würth wurden jene Kunden der Raiffeisenbank in Buchs, welche regelmässig am Bargeldschalter bedient wurden, persönlich über die Neuerung informiert, und die Alternativen werden ihnen aufzeigt.

Offenbar stellt dies nicht alle Kunden zufrieden. Manche fühlen sich vor den Kopf gestossen – darunter auch Emma Hagmann. Sie hat in der Zwischenzeit die – wenigstens kostenlose – Raiffeisen-Bancomatkarte erhalten. Und sie hofft, dass beim nächsten Bankbesuch das «Gerät» funktioniert, wenn ihr ein Bankmitarbeiter die «elektronische» Einzahlung erklären will, die sie selbst nicht wünscht. Mit ihm hat Hagmann Mitleid, «denn er kann ja nichts dafür». Sie selbst kennt nämlich weitere unzufriedene, ja verärgerte Kundinnen, wie sie beifügt.

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