Mehr Männer in den Krippen

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Betreuung Bei einem Projekt des Zentrums Frühe Bildung stehen die Betreuer im Vordergrund. Das Zentrum berät Kindertagesstätten dabei, wie sie männliche Mitarbeiter besser einbinden können. Und es möchte dazu anregen, Geschlechterrollen zu reflektieren. «Unser Ziel ist es, die Qualität der Kitas zu verbessern und dort ein Umfeld zu schaffen, in dem auch Männer gerne arbeiten und Kinder geschlechtsneutral spielen können», sagt Franziska Vogt, Leiterin des Zentrums Frühe Bildung. «Eine Kita kann eine sehr gute sein, ob es ein Frauenteam ist oder ein gemischtes Team.» Wesentlich sei die pädagogische Qualität. «Aber Kinder können von gemischten Teams in der Kita profitieren, weil ihnen andere Perspektiven und Rollenbilder aufgezeigt werden, wenn Männer mit ihnen den Tisch abräumen und Frauen mit ihnen klettern.»

Wickeln als Zeichen der Akzeptanz

Bei den Auszubildenden im Bereich Kinderbetreuung ist der Männeranteil in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2006 betrug er schweizweit 5,5 Prozent. Im Jahr 2015 waren es 14,2 Prozent. Aber noch immer sind Männer deutlich in der Unterzahl. Im Kanton St. Gallen betrug der Männeranteil in der Tagesbetreuung von Kindern im Jahr 2014 gemäss dem Bundesamt für Statistik 5,7 Prozent. Der Verein Spielgruppen St. Gallen/Appenzell hat 200 Mitglieder – eins ist männlich. «Ein Student hat neulich erzählt, dass er in der Kita, in der er arbeitet, sogar wickeln durfte», sagt Vogt. Das sei für Männer häufig ein Kriterium, ob sie von den Frauen als vollwertige Mitarbeiter anerkannt werden. «Dürfen Männer nicht wickeln, ist das eine Form von Diskriminierung.»

Das Zentrum für Frühe Bildung hat eine Broschüre herausgegeben mit dem Titel «Inklusion von Männern gemeinsam gestalten. Praxistipps für die Kita». Darin finden sich Formulierungen für eine Stellenausschreibung, die auch Männer motivieren soll. Es wird auch die Frage gestellt, welche Rollen in der Kita spielbar sind: ob es neben Puppen, Küchen und Bauarbeiterhelmen auch Aktentaschen und Telefone gibt. (kbr)