Mehr Männer für die Pflege

ST.GALLEN. Mehr junge Leute sollen sich für einen Beruf im Gesundheits- und Sozialbereich entscheiden. An der 22. Ostschweizer Bildungsausstellung (OBA) stehen diese Berufe im Zentrum. Bis Dienstag werden 20 000 Besucher erwartet.

Margrith Widmer
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Berufe im Gesundheits- und Sozialbereich sind vor allem bei jungen Frauen beliebt. (Bild: Ralph Ribi)

Berufe im Gesundheits- und Sozialbereich sind vor allem bei jungen Frauen beliebt. (Bild: Ralph Ribi)

Mit «Karriere nach der Lehre» gib es dieses Jahr an der Ostschweizer Bildungsausstellung (OBA) ein neues Angebot. Während vier Tagen informieren rund 150 Aussteller in den Olma-Hallen über Grund- und Weiterbildung sowie über Erwachsenen- und Tertiärbildung. «International kann sich nur behaupten, wer Spitzenleistungen bringt und Spitzenkräfte ausbildet», sagte der Direktor der Olma-Messen Nicolo Paganini gestern an der Eröffnungsfeier. Das duale Bildungssystem der Schweiz habe sich soeben an den Berufsweltmeisterschaften in Brasilien bewährt.

Quereinsteiger und Erwachsene

Da in Gesundheits- und Sozialberufen Fachkräftemangel herrscht, sind zahlreiche Aussteller in diesem Jahr darum bemüht, die grosse Bandbreite dieser Berufe aufzuzeigen. Dabei richten sie sich gezielt auch an Erwachsene, die sich in einer Phase der beruflichen Umorientierung befinden und nach passender Weiterbildung suchen. Sie geben Karrieretips oder beraten Interessierte darin, wie der Quereinstieg gelingt.

«Gerade auch Männer müssen verstärkt für die spannenden Karrieren im Sozial- und Gesundheitsbereich begeistert werden», sagt die St. Galler Gesundheitsdirektorin Heidi Hanselmann. Noch immer würden in diesem Bereich vorwiegend Frauen arbeiten. Die Attraktivität der Ausbildung werde laufend gesteigert.

«Attraktion für Junge»

«Die OBA ist als analoge Bildungsausstellung gerade für junge Menschen eine Attraktion. Sie können Berufe live erleben», sagt Paganini. Die Kinder seien «süchtig nach solchen Erlebnissen». So hätten sich in diesem Jahr mehr Schulklassen angemeldet als 2014. In der Sonderschau «Skills» etwa können die Jugendlichen zuschauen, wie Lernende aus technischen Berufen ihre Projekte präsentieren. «Persönliche Meisterwerke», an denen sie ein Jahr lang getüftelt und gearbeitet haben. Und die Sonderschau «typisch Frau, typisch Mann» zeigt auf, wie es Fachmännern Gesundheit oder Kindererziehern im Berufsalltag ergeht. Darüber, dass es im Gesundheitswesen sehr viele verschiedene Bildungswege gibt, informieren verschiedene Experten. So erzählt etwa Fredy Lanz, Leiter der Ausbildung Pflege am Ostschweizer Kinderspital, von seiner Karriere. Lanz lernte erst Polymechaniker, ging mit 25 erstmals zur Berufsberatung und entschied sich dann zu einer Laufbahn in der Krankenpflege. «Heute ist vieles technischer. Zudem muss alles für Krankenkassen und Statistik dokumentiert werden», sagt er. Damit bleibe weniger Zeit für die Patienten. Positiv seien der höhere Stellenwert und die Attraktivität vieler Gesundheitsberufe.

Nicole Mösli, Leiterin des Departements Pflege und Mitglied der Geschäftsleitung des Kantonsspitals St. Gallen, erzählt, wie sie sich von ihren Kolleginnen beeinflusst, für den Beruf der Pflegefachfrau entschieden hat. Das sei zwar ein typischer Frauenberuf mit zahlreichen Frauen als Führungspersonen, sagt sie. Trotzdem brauche es mehr Männer in der Pflege. Die Weiterbildungsmöglichkeiten seien vielfältig. «Ausserdem ist es der beste Beruf, den es gibt», sagt sie.

Mit dem Tod umgehen

Andrea Graf, Fachfrau Gesundheit mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis sowie Teilnehmerin an den Berufsweltmeisterschaften, berichtet vom Arbeitsalltag in der Hirslandenklinik am Rosenberg. Die Arbeit im Team sei spannend. Genauso wie die Verantwortung, das Vorausplanen und das «Learning by doing». Es gebe aber auch Schwieriges. «Ein Todesfall zu verarbeiten, ist nie einfach.»

Ungewohnte Tips gab es vom Psychologen und Autor Bas Kast. Um auf gute Ideen zu kommen, müsse man an Denkstrukturen rütteln und das Gehirn schockieren. Er sagt: «Dann macht es plötzlich klick.»

Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 10 bis 17 Uhr, Montag und Dienstag 8.30 bis 16.30 Uhr.