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Mehr Macht den Assistenten: Die Linke fordert bessere Bedingungen für Nachwuchs-Wissenschafter an der HSG

Die SP-Grüne-Fraktion im St.Galler Kantonsparlament verlangt, dass mit dem neuen Universitätsgesetz auch der akademische Nachwuchs an der HSG bessergestellt wird. Der Präsident des HSG-Mittelbaus sagt, wo die grössten Probleme liegen.
Adrian Vögele
Das Machtgefälle zwischen den Professoren und dem restlichen akademischen Personal an der HSG wird kritisiert. (Bild: Urs Bucher)

Das Machtgefälle zwischen den Professoren und dem restlichen akademischen Personal an der HSG wird kritisiert. (Bild: Urs Bucher)

Die Universität St.Gallen braucht dringend neue Regeln. Und zwar nicht nur intern, sondern per Gesetz: Darüber ist sich die Politik einig. Insbesondere die Linke hatte die Vorgänge rund um Spesenbezüge und Nebentätigkeiten von Professoren immer wieder scharf kritisiert. SP und Grüne arbeiten nun auf einen Systemwechsel hin, der nicht nur die oberen Etagen der HSG betrifft.

Es sei «unbestritten, dass den allermeisten Angestellten der Universität nichts vorzuhalten ist», heisst es in einer Interpellation der Linken im Kantonsrat. Gemeint sind damit nicht zuletzt jene akademischen Mitarbeiter, die nicht mehr Studenten und noch nicht ordentliche Professoren sind – Assistenten, Lehrbeauftragte, ständige Dozenten und so weiter. Dieser sogenannte Mittelbau arbeite oft in unsteten Arbeitsverhältnissen, sei nicht sonderlich gut bezahlt und habe innerhalb der Universität wenig zu sagen, bemängelt die SP-Grüne-Fraktion. Im Senat, dem obersten akademischen Organ, sind sie gegenüber den ordentlichen Professoren zahlenmässig nur eine Randgruppe. Überhaupt zeigten die Machtverhältnisse an der Uni eine grosse Kluft zwischen den Professoren und dem übrigen akademischen Personal. Die Linke fordert, dass diese Strukturen bei der Revision des Unigesetzes hinterfragt werden.

Mittelbau-Präsident schlägt neuen Senat vor

Aus der Universität selber kommen unterschiedliche Signale im Hinblick auf das neue Gesetz. Der designierte Rektor Bernhard Ehrenzeller – er tritt das Amt im Februar 2020 an – warnte im Interview mit unserer Zeitung vor einer Überregulierung durch die Politik. Die HSG müsse vor allem selber Lösungen finden, ihre Autonomie sei zentral, so der Staatsrechtsprofessor.

Erik Hofmann, Präsident HSG-Mittelbau (Bild: PD)

Erik Hofmann, Präsident HSG-Mittelbau (Bild: PD)

Beim wissenschaftlichen Nachwuchs klingt es – zumindest bezüglich seiner eigenen Situation – etwas anders. Erik Hofmann, Präsident des HSG-Mittelbaus, begrüsst den Vorstoss der Linken. «Das Interesse der Politik ist erfreulich.» Tatsächlich seien diverse Änderungen notwendig. Ob die Politik hier am Ende den Takt vorgeben muss, hängt aus Sicht von Hofmann davon ab, «wie wandlungsbereit sich die Universität und ihre bestimmenden Gremien zeigen». Eingriffe der Politik seien sicher nicht gänzlich abzulehnen, vor allem dann nicht, wenn sich intern abzeichnen sollte, dass sonst alles beim Alten bliebe.

Hofmann bekräftigt, die Nachwuchs-Wissenschafter an der Uni hätten zu wenig politisches Gewicht. Im Senat sind die 1300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Mittelbaus mit zehn Personen vertreten. Diese stehen den etwa hundert ordentlichen Professoren gegenüber, die allesamt einen Sitz im Senat haben. Für Hofmann eine «fast schon groteske» Untervertretung, wenn man die Bedeutung des Mittelbaus für den Betrieb und die Ausstrahlung der HSG betrachte. Er plädiert dafür, dass mit der Revision des Universitätsgesetzes der Senat neu strukturiert wird, sodass alle Gruppen der Hochschule angemessen vertreten seien.

Auch beim Machtgefälle zwischen den ordentlichen Professoren und dem Mittelbau besteht gemäss Hofmann Handlungsbedarf. In einer besonders kritischen Situation seien angestellte Wissenschafterinnen und Wissenschafter, die an der Doktorarbeit oder Habilitation arbeiten: Für sie seien die Professoren zugleich Arbeitgeber und Betreuer, es bestehe eine doppelte Abhängigkeit. Dass diese Machtposition ausgenutzt werde, sei zwar nicht die Regel, sagt Hofmann – «es kommt aber durchaus häufiger vor». Das zeige eine aktuelle Befragung bei Doktoranden.

Viele Doktoranden sind in tiefen Pensen angestellt

Auch mit der Entlöhnung ist der Mittelbau unzufrieden. Sie sei nicht marktkonform. Erik Hofmann nennt ein Beispiel: Lehrbeauftragte, die eine Bachelor- oder Masterarbeit betreuen – von der ersten Besprechung bis zur abschliessenden Bewertung –, erhalten dafür eine Pauschale von hundert Franken. Das stehe in keinem Verhältnis zum Arbeitsaufwand und zur Wichtigkeit der Abschlussarbeit für die Ausbildung der Studierenden.

Die Saläre des HSG-Mittelbaus variieren stark von Stufe zu Stufe. Der Jahreslohn für Assistentinnen und Assistenten beträgt gemäss der offiziellen Gehaltstabelle zwischen rund 62'000 und 90'000 Franken. Das sind allerdings Werte für ein Vollpensum – in der Realität sind die Assistenten laut Hofmann zu maximal 70 Prozent angestellt. Viele Doktorandinnen und Doktoranden hätten lediglich einen 35-Prozent-Vertrag.

Mit diesen Zahlen wird sich auch das Kantonsparlament beschäftigen: Die SP-Grüne-Fraktion verlangt in ihrem Vorstoss unter anderem Übersichten zu den Einkommen, Pensen und Verträgen des Mittelbaus. Und sie will von der Regierung wissen, ob sie bereit sei, den Mittelbau zu stärken. Die Antwort steht noch aus.

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