Mehr Gefängniszellen im Kanton

ALTSTÄTTEN. Das Regionalgefängnis in Altstätten soll ausgebaut werden – von 45 auf 126 Plätze. Dafür werden vier andere Gefängnisse im Kanton St.Gallen geschlossen. Diese Reorganisation bringt nicht nur Vorteile.

Michel Burtscher
Drucken
Teilen
Das Regionalgefängnis in Altstätten: Zu hohe Auslastung und gestiegene Anforderungen machen eine Erweiterung nötig. (Bild: Urs Bucher)

Das Regionalgefängnis in Altstätten: Zu hohe Auslastung und gestiegene Anforderungen machen eine Erweiterung nötig. (Bild: Urs Bucher)

Das grösste Gefängnis im Kanton St.Gallen wird noch grösser: Das Regionalgefängnis in Altstätten soll erweitert werden – von 45 auf 126 Zellenplätze. Im Gegenzug werden die Gefängnisse in Bazenheid, Flums, Widnau und Gossau geschlossen, wie die Staatskanzlei mitteilt. Gründe für die Reorganisation sind die zu hohe Auslastung der Gefängnisse sowie die gestiegenen Anforderungen an die Unterbringung, Betreuung und medizinische Versorgung der Insassen. Künftig wird es im Kanton St.Gallen 182 Gefängnisplätze geben, das sind 42 mehr als heute.

Anforderungen sind gestiegen

«Vor allem die Anforderungen an die Betreuung haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert», sagt Joe Keel, der Leiter des kantonalen Amts für Justizvollzug. Heute reiche es nicht mehr, die Insassen einfach in eine Zelle zu sperren. «Sie sollen sich auch ausserhalb der Zelle aufhalten können und beschäftigt werden.» Das sei bei kleinen Gefängnissen – in Gossau hat es beispielsweise neun Plätze, in Flums zehn – eher schwierig. Dort seien Beschäftigungsprogramme schon aufgrund der Infrastruktur nicht umsetzbar. Darum sei die Konzentration auf einen Ort sinnvoll, sagt er. Auch wirtschaftliche Aspekte spielen eine Rolle: Ein grosses Gefängnis ist effizienter als mehrere kleine.

Die Reorganisation hat nicht nur positive Folgen, wie Keel sagt: «Künftig wird der Aufwand für die Befragungen von Untersuchungshäftlingen durch die Staatsanwälte grösser sein.» Bisher war das Ziel, dass diese idealerweise in der Nähe der zuständigen Staatsanwaltschaft untergebracht werden. Das sei nachher nicht mehr möglich. «In Zukunft können allenfalls mehr Befragungen per Videokonferenz durchgeführt werden», sagt Keel.

Im Moment haben die Gefängnisse im Kanton laut Keel eine Auslastung von 95 bis 105 Prozent. «Das ist deutlich zu viel: Im Idealfall liegt die Auslastung bei 75 bis 80 Prozent, damit auf Schwankungen reagiert werden kann.» Man müsse im Moment zu Notmassnahmen greifen, beispielsweise Einzelzimmer zu Zweierzimmern umfunktionieren und Betten in Aufenthaltsräumen aufstellen. «Mit dem Ausbau wird sich die Situation entschärfen.» Zusätzliche Entlastung erwartet Keel durch die geplante geschlossene Strafanstalt im bündnerischen Cazis. Im Rahmen des Ostschweizer Strafvollzugskonkordats können dort auch Insassen aus dem Kanton St.Gallen untergebracht werden.

Bau frühestens 2021 fertig

Aufgrund der Grösse des Bauprojekts in Altstätten führt das kantonale Hochbauamt einen öffentlichen Architekturwettbewerb durch. Dieser soll bis Ende dieses Jahres abgeschlossen sein. Eine Volksabstimmung ist für 2018 vorgesehen. Fällt diese positiv aus, soll 2019 mit dem Bau begonnen werden. Man erwarte eine Bauzeit von etwa zwei bis drei Jahren, sagt Keel. Für die Erweiterung des Gefängnisses sind im Investitionsplan des Kantons 75 Millionen Franken vorgesehen, der Bund beteiligt sich an den Kosten je nach Haftart mit 35 bis 60 Prozent.

Beim Bau müssen einige Dinge beachtet werden: So dürfen die Insassen verschiedener Haftarten – also beispielsweise solche in Untersuchungshaft und solche, die Freiheitsstrafen verbüssen – nicht im gleichen Zellentrakt untergebracht werden. Zudem müsse darauf geachtet, dass der ganze Komplex gut überwachbar sei, sagt Keel.

Der Kanton plant in Altstätten schon einen Schritt weiter: Ein möglicher Ausbau um 50 weitere Plätze müsse berücksichtigt werden, sagt Keel. Dies auch im Hinblick auf das geplante Empfangs- und Verfahrenszentrum, das neben dem Regionalgefängnis gebaut werden soll. Dadurch könnte zusätzliche Nachfrage nach Zellenplätzen entstehen.