Mehr Durchfluss fürs Nadelöhr

ST.GALLEN. Die Bussysteme in der Stadt St.Gallen und in der Region bis in den Oberthurgau sollen besser aufeinander abgestimmt werden. Ein Konzept sieht grosse Veränderungen auf den Fahrplanwechsel im Dezember 2018 vor.

Christoph Zweili
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Mit der Eröffnung des neuen Bahnhofplatzes St. Gallen sollen auch regionale und städtische Busnetze besser verknüpft werden. (Bild: Michel Canonica)

Mit der Eröffnung des neuen Bahnhofplatzes St. Gallen sollen auch regionale und städtische Busnetze besser verknüpft werden. (Bild: Michel Canonica)

Neue Haltestellen für Stadtbusse, Postautos ohne festen Standplatz, die ihre Passagiere quasi fliessend aufnehmen, ohne lange stehen zu bleiben: Es ist, als nähme das gestern eingeführte Busregime auf der St.Leonhard-Strasse das neue Regime auf dem St.Galler Bahnhofplatz für 2019 vorweg. «Das ist aber Zufall», sagt Andreas Bernhardsgrütter, Angebotsplaner im Kanton für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen. Unglücklich ist der Projektleiter der neuen Busplanung im Raum St.Gallen/Oberthurgau über diese Parallele nicht. Im Gegenteil: «Damit werden die Bahn- und Bus-Passagiere sensibilisiert.»

Bahn und Bus sind verknüpft: Das neue Buskonzept will das rund 30 Jahre alte Bussystem auf Stadtboden mit dem Bahnangebot verbinden, das für 2019 Veränderungen im Fernverkehr und bei der S-Bahn St.Gallen vorsieht. Erklärtes Ziel des neuen Konzepts ist es, mehr Durchmesserlinien auf städtischem Boden, aber auch im Raum Gossau/Abtwil und von Rorschach bis Amriswil einzuführen, wie es im Agglomerationsprogramm vorgesehen ist. Analog zur Durchmesserlinie der Appenzeller Bahnen, die ebenfalls Ende 2018 in Betrieb geht, soll es diese Durchbindungen auch bei den Bussen geben – Strecken also, wo die Passagiere nicht umsteigen müssen.

Diverse Buslinien verlängern

Vorgesehen ist etwa, den Pendlerströmen folgend, die Verlängerung der Buslinie Wittenbach–St. Gallen nach Abtwil. Oder die Weiterführung der Linie Gossau–St.Gallen nach Mörschwil und Horn. Betroffen sind auch städtische Buslinien wie der Ost-Ast der Linie 7 Neudorf–Hauptbahnhof, der in Richtung Bruggen verbunden werden soll. Oder die Linie 3 Heiligkreuz–Hauptbahnhof, die bis zum Säntispark verlängert würde – dafür wären aber elektrische Leitungen zu bauen, weil Doppelgelenkbusse in St.Gallen bisher nur als Trolleybusse im Einsatz sind. Künftig soll auch das St.Georgen-Quartier mit Trolleybussen bedient werden und eine direkte Verbindung zum Marktplatz erhalten, allenfalls verlängert in Richtung Bahnhof St.Fiden und Heiligkreuz.

Über 80000 Personen gehen täglich über den Bahnhofplatz in St.Gallen, über 1700 Busse und Postautos verkehren hier täglich. Mit der Eröffnung des neuen Bahnhofplatzes werden Ende 2018 weniger Perrons, beziehungsweise Haltekanten zur Verfügung stehen. Teilt sich ein Bus eine Kante mit einer anderen Linie, muss er schneller wieder weg, um Platz zu machen – daher der Ausdruck «Durchfluss-Haltekante».

Auch künftig zwei Busnetze

«Es wird auch künftig ein städtisches und ein regionales Busnetz geben», sagt Bernhardsgrütter. «Die beiden Systeme sollen sich aber zu einem gemeinsamen Takt ergänzen. Neu soll auch der Bahnhof Mörschwil mit dem Bus erschlossen werden. Damit wäre der östliche Teil der Stadt St.Gallen aus dem Raum Rorschach und Rheintal dank schlanker Umsteigezeiten in Mörschwil schneller erreichbar.»

Der Bahnhofplatz St.Gallen ist das Nadelöhr, wo beide Busnetze zusammentreffen – im neuen Konzept gehen von hier aus stündlich über 70 Abfahrten Richtung Osten ab, das heisst: Die Busse verkehren im Minutentakt. Nach Westen und Süden zusammengenommen sind es noch einmal 70. «Wir werden also nicht verhindern können, dass es auf den stark belasteten Hauptkorridoren Überlagerungen gibt», sagt Bernhardsgrütter. Dazu gehöre etwa die Strecke von der Leonhardsbrücke bis zum Kantonsspital. Kapazitäts-Engpässe gibt es auch auf der Linie 203 auf der Achse Heiligkreuz–Bahnhof. Hier ist der Bus am Morgen aus Wittenbach kommend bereits vor der Haltestelle Heiligkreuz ausgelastet. Das System in den Hauptverkehrszeiten noch mehr zu verdichten, sei auf gewissen Strecken nicht mehr möglich. Ein wenig Luft brächte der Einsatz grösserer Fahrzeuge. Über den Einsatz von Doppelgelenkbussen lassen sich die Transportunternehmen demnächst verlauten – per Ende 2018 laufen auch die Buskonzessionen aus. «Jetzt schon zu sagen, welcher Anbieter welche Linie ab 2019 fährt, dafür ist es aber noch zu früh», sagt Bernhardsgrütter.

«Neugierde spürbar»

Noch ist das Ganze kein ausgereifter Fahrplan, sondern erst ein Konzept, dessen finanzielle Auswirkungen noch nicht bekannt sind: «Doch bei den betroffenen Gemeinden und den Transportunternehmen ist Neugierde spürbar.» Das Amt für öffentlichen Verkehr erwartet die Stellungnahmen bis September.