Mehr betrunkene Minderjährige

Der Alkoholkonsum unter minderjährigen St. Gallerinnen und St. Gallern nimmt zu. 32 Prozent der 15jährigen Knaben waren bereits mehrmals betrunken. Derweil stehen die Zeichen für eine bessere Prävention wegen des Spardrucks schlecht.

Adrian Vögele
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20 Prozent der 15jährigen Knaben und Mädchen im Kanton St. Gallen trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol. (Bild: ky/Urs Flüeler)

20 Prozent der 15jährigen Knaben und Mädchen im Kanton St. Gallen trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol. (Bild: ky/Urs Flüeler)

ST. GALLEN. «Alarmierend» sei der Trend zum Rauschtrinken unter St. Galler Jugendlichen, heisst es in einem Postulatsbericht der Regierung. In einer Befragung geben 32 Prozent der 15jährigen Schüler und 22 Prozent der 15jährigen Schülerinnen an, bereits mehrmals betrunken gewesen zu sein. Die Zunahme gegenüber 2006 beträgt 2,5 Prozent bei den Mädchen und fast 4 Prozent bei den Knaben.

Was nicht heisst, dass Mädchen punkto Alkoholkonsum weniger gefährdet sind: 18 Prozent der 14- bis 15jährigen Schülerinnen hatten bei mehreren Trinkgelegenheiten im Monat vor der Befragung jeweils mehr als fünf alkoholische Getränke aufs Mal konsumiert. Bei den Knaben sind es 14,5 Prozent. Zudem, so schreiben die Autoren, seien 2009 und 2010 mehr Mädchen als Knaben mit einer Alkoholvergiftung ins Ostschweizer Kinderspital eingeliefert worden.

Fast jeder Fünfte kifft

Mit ihrem Trinkverhalten liegt die St. Galler Jugend im nationalen Durchschnitt. Anders beim Cannabis: Unter den 14- bis 15-Jährigen bezeichnen sich 10,6 Prozent der Mädchen und 18,7 Prozent der Knaben als Cannabiskonsumenten. Diese Zahlen liegen bis zu fünf Prozent über dem nationalen Mittel.

Auch der Tabakkonsum unter Minderjährigen ist laut den Autoren «beunruhigend»: Knapp 5 Prozent der Jugendlichen zwischen 11 und 15 Jahren rauchen täglich. Etwa 10 Prozent rauchen mindestens einmal pro Woche.

Kein Geld für mehr Prävention

Der Bericht geht auf ein Postulat der SP-Fraktion im Kantonsrat zurück. Diese hatte mehr Anstrengungen für eine «umfassende und wirksame Suchtprävention» gefordert. Hierzu listet der Bericht eine Reihe von Massnahmen auf – etwa für intensivere Präventionsarbeit an den Schulen –, die jedoch teilweise mit höherem personellen und finanziellen Aufwand verbunden sind. Ein Griff ins Leere: «Mit Blick auf die derzeitige Finanzlage des Kantons rechnen wir nicht damit, dass kurzfristig mehr Ressourcen für die Suchtprävention zur Verfügung stehen», hält das Gesundheitsdepartement auf Anfrage fest.

Angebot reduziert

Der Kanton spart in diesem Bereich schon länger: Im Jahr 2003 wurde das Präventivbudget halbiert. Der Beitrag an das Zentrum für Prävention (Zepra) sank um eine Million Franken, dessen Standorte in Altstätten und Wil wurden geschlossen und die Dienstleistungen in der Stadt St. Gallen konzentriert. Mit dem aktuellen Sparprogramm hat der Kanton ausserdem die Finanzierung der regionalen Suchtfachstellen vollständig den Gemeinden übertragen. Auch «Smartconnection» wurde gestoppt – jenes preisgekrönte St. Galler Programm für Alkoholprävention, das mittlerweile in mehreren anderen Kantonen sowie in den Niederlanden, Österreich und Liechtenstein läuft. Dies entspricht einer weiteren Kürzung des Zepra-Beitrages um zehn Prozent.

Vergleichsweise wenige Stellen

1,2 Stellen pro 100 000 Einwohner kann der Kanton St. Gallen heute in der Suchtprävention vorweisen. Damit verfügt er über deutlich weniger Ressourcen als andere Ostschweizer Kantone. Das Gesundheitsdepartement nennt keine detaillierten Vergleichszahlen, hält aber fest: «Andere Kantone haben teils dreimal mehr Ressourcen zur Verfügung.» Die Folge: «Themen und Zielgruppen für Präventionsprojekte mussten noch mehr eingeschränkt und priorisiert werden.» Höchste Priorität hat die Alkohol- und Tabakprävention bei Jugendlichen.

Der Postulatsbericht schlägt die Erarbeitung eines kantonalen Konzepts für die Suchtprävention vor. Dieses soll die Aufgabenteilung zwischen Kanton und Gemeinden klar definieren und unter anderem einen regelmässigen Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Fachstellen vorschreiben. Auf das Konzept soll ein detaillierter Umsetzungsplan folgen.