Mehr Alte, weniger Ausländer

Kinder sind am stärksten auf Sozialhilfe angewiesen. Auch ältere Personen beanspruchen finanzielle Unterstützung häufiger. Das zeigen die neusten Zahlen des Bundes. Das Risiko, dass Ausländer Sozialhilfe beziehen, hat abgenommen.

Nina Rudnicki
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Im Kanton St. Gallen gab es 2014 knapp 11 000 Sozialhilfeempfänger. (Bild: Reto Martin)

Im Kanton St. Gallen gab es 2014 knapp 11 000 Sozialhilfeempfänger. (Bild: Reto Martin)

In der Ostschweiz haben im vergangenen Jahr rund 16 500 Personen Sozialhilfe bezogen (siehe Grafik). Das zeigen die Zahlen der neusten Sozialhilfestatistik des Bundesamts für Statistik (BFS). Das entspricht in etwa den Zahlen des Vorjahres. Schweizweit beziehen 261 983 Personen Sozialhilfe. Die Sozialhilfequote liegt wie im Vorjahr unverändert bei 3,2 Prozent. Sie ist gemäss BFS der wichtigste Indikator der Sozialhilfe, da sie den Anteil der Personen mit Sozialhilfebezug im Verhältnis zur ständigen Wohnbevölkerung aufzeigt.

In den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden liegt die Sozialhilfequote etwas unter dem Schweizer Schnitt von 3,2 Prozent. Innerrhoden ist nebst Neuenburg, Basel-Stadt und Waadt einer der vier Kantone, in denen die Sozialhilfequote zurückgegangen ist. Im Kanton St. Gallen ist sie gleich geblieben, in Appenzell Ausserrhoden und im Thurgau etwas angestiegen.

30 Prozent mehr Betroffene

Ein Drittel aller Sozialhilfebeziehenden in der Schweiz, also 76 500 Personen, sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Sie sind von allen Altersgruppen mit einer Sozialhilfequote von 5,2 Prozent am stärksten auf finanzielle Unterstützung angewiesen. In der Ostschweiz sind die Zahlen in den vergangenen zehn Jahren in etwa gleich geblieben. So sind in St. Gallen rund 3200 Kinder und Jugendliche, in Ausserrhoden 365, in Innerrhoden 34 und im Thurgau 1179 betroffen.

Zudem beanspruchen ältere Sozialhilfebeziehende ab 46 Jahren immer häufiger Sozialhilfe. Gesamtschweizerisch waren es im Jahr 2005 noch 19,5 Prozent oder 46 000 Personen. Gemäss BFS hat sich der Anteil der älteren Betroffenen in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 30 Prozent erhöht, wobei am häufigsten die 46- bis 55-Jährigen betroffen sind. Unterstützungsbedürftige Personen ab 65 Jahren gelangen nur in Ausnahmefällen in die Sozialhilfe. Sie werden fast ausschliesslich von den Ergänzungsleistungen (EL) finanziert.

Diese Entwicklung zeigt sich auch in der Ostschweiz. So waren im Jahr 2014 in den vier Kantonen insgesamt über 4600 Personen, die älter als 46 Jahre waren, auf Sozialhilfe angewiesen. 2005 waren es noch rund 3500 Personen.

In Nationalitäten unterteilt

Die Sozialhilfestatistik ist zudem in Nationalitäten unterteilt. Hier zeigt sich folgende Entwicklung: Landesweit beziehen aktuell 2,2 Prozent aller Schweizer Sozialhilfe. Die Quote ist damit gleich hoch geblieben wie im Jahr 2005. Anders sieht es bei den Ausländern aus, deren Sozialhilfequote derzeit bei 6,3 Prozent liegt. 2005 betrug sie hingegen noch 6,6 Prozent. In der Sozialhilfestatistik werden seit dem Jahr 2009 ausserdem die vorläufig aufgenommenen Flüchtlinge mit mehr als sieben Jahren Aufenthalt in der Schweiz berücksichtigt.

Oft Alleinerziehende betroffen

In der Hälfte aller Fälle wurde die Sozialhilfe 2014 weniger als zwei Jahre beansprucht. Bei knapp einem Drittel davon betrug die Bezugsdauer weniger als ein Jahr. 27,5 Prozent der aktuell Betroffenen beziehen hingegen seit vier und mehr Jahren Sozialhilfe. Ein Drittel aller Alleinerziehenden beziehen länger als vier Jahre Sozialhilfe.

Unterschiede nach Geschlecht oder Nationalität sind bezüglich der Bezugsdauer keine zu beobachten, wie das BFS schreibt.

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