Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Medizin studieren in St. Gallen

Die St. Galler Regierung will wegen des Ärztemangels einen eigenen Medizin-Studiengang im Kanton einführen. Im Gespräch sind drei Varianten – mit Beteiligung der HSG. Im besten Fall könnte die Ausbildung in drei Jahren starten.
Adrian Vögele
Ärzte bei der Arbeit im Kantonsspital St. Gallen: Hier sollen künftig Medizinstudenten ihr Handwerk lernen. (Bild: Ralph Ribi)

Ärzte bei der Arbeit im Kantonsspital St. Gallen: Hier sollen künftig Medizinstudenten ihr Handwerk lernen. (Bild: Ralph Ribi)

ST. GALLEN. Der Mangel an Ärztinnen und Ärzten bereitet der St. Galler Regierung Sorgen. «Es ist dringend notwendig, etwas dagegen zu unternehmen», sagte Regierungspräsidentin und Gesundheitschefin Heidi Hanselmann gestern vor den Medien. Schweizweit werden gemäss Bund jährlich 1200 bis 1300 neue Ärzte benötigt. Die Zahl der frisch Ausgebildeten ist aber weit geringer. 2013 haben 790 Personen den Master in Humanmedizin abgeschlossen. Neu mit dem Studium begonnen haben 1155 Personen. Die Abbruchquote beträgt 10 bis 20 Prozent.

In den vergangenen Jahren gaben vor allem die Spitäler – auch in St. Gallen – Gegensteuer, indem sie Mediziner aus dem Ausland rekrutierten. «Am Kantonsspital beträgt der Anteil ausländischer Ärztinnen und Ärzte rund 50 Prozent», sagt Hanselmann. Die meisten stammen aus Deutschland oder Österreich. Doch zum einen unternehmen diese Länder in jüngster Zeit einiges, um medizinische Fachkräfte zurückzugewinnen beziehungsweise gar nicht erst an die Schweiz zu verlieren. Zum anderen, so Hanselmann, könne die Umsetzung der SVP-Initiative gegen die Masseneinwanderung die Rekrutierungsprobleme noch verschärfen.

Eigene Fakultät als Option

St. Gallen soll darum künftig einen eigenen Beitrag zur Linderung des Ärztemangels leisten: Die Regierung hat das Gesundheits- und das Bildungsdepartement beauftragt, die Einführung eines Medizin-Studiengangs in St. Gallen zu prüfen. Das Kantonsspital könne die Rolle als akademisches Lehrspital durchaus übernehmen, sagt Hanselmann. «Es ist das grösste nicht-universitäre Spital der Schweiz», betont sie.

Für das St. Galler Medizinstudium ist eine Kooperation mit der HSG im Gespräch. «Die Universität könnte an einem solchen Projekt gut mitwirken», sagt Bildungsdirektor Stefan Kölliker – auch wenn sie bislang vor allem als Wirtschaftsuniversität bekannt sei.

In den kommenden Monaten analysiert der Kanton nun drei Varianten einer Medizin-Ausbildung:

• St. Gallen bietet in Kooperation mit anderen Universitäten ein Medizin-Masterstudium an. Das Angebot würde sich an Studenten richten, die den Bachelor in Medizin bereits an einer anderen Universität – allenfalls auch im Ausland – absolviert haben.

• St. Gallen bietet einen kompletten Masterstudiengang in Medizin an, der sich wiederum an Bachelorabsolventen anderer Universitäten richtet.

• St. Gallen baut eine eigene Medizinische Fakultät auf, Studenten können hier das gesamte Studium der Humanmedizin inklusive Bachelor und Master absolvieren.

Die Ergebnisse des Projektauftrags sollen im nächsten Frühjahr vorliegen. Dann beginnt der politische Entscheidungsprozess. Hanselmann und Kölliker rechnen dafür ein Jahr ein, mindestens ein weiteres Jahr wird anschliessend die Umsetzung dauern. «Im besten Fall könnte die Ausbildung in drei Jahren starten», sagt die Gesundheitschefin. Der Fahrplan sei sportlich – doch es gelte, keine Zeit zu verlieren.

«Ruf der HSG wäre nützlich»

Konkrete Kennzahlen wie die Kosten oder die Anzahl der Studienplätze kann Kölliker noch nicht nennen. Es sei aber denkbar, dass St. Gallen künftig 100 bis 400 Medizinstudierende gleichzeitig ausbilde. Der Bildungschef erinnert daran, dass die HSG baulich erweitert wird – sie könne einen solchen Zuwachs im Rahmen des geplanten Ausbaus bewältigen. Der gute Ruf der HSG könne einer neuen St. Galler «Medical School» zudem nur nützlich sein.

Was die Finanzen betrifft, so beteiligt sich der Kanton bereits heute an der Ausbildung von Ärzten. «Wir bezahlen jährlich etwa 14,7 Millionen Franken für St. Gallerinnen und St. Galler, die in anderen Kantonen Medizin studieren», sagt Kölliker.

Tendenz zur Teilzeit

Nebst St. Gallen wollen auch die Kantone Luzern und Tessin neue Medizin-Studiengänge schaffen. «Doch selbst wenn diese Projekte umgesetzt werden, wird das zur Behebung des Ärztemangels nicht ausreichen», sagt Hanselmann. Denn die zunehmend schwierige Rekrutierung ausländischer Mediziner sei nicht der einzige Faktor, der die Situation verschärfe. «Immer mehr jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen Teilzeit arbeiten. Das bedeutet, es braucht zur Besetzung einer Vollzeitstelle immer öfter mindestens zwei Personen.» Hinzu komme die demographische Entwicklung. «Die Menschen werden immer älter. Das ist einerseits erfreulich, hat andererseits aber zur Folge, dass die Nachfrage nach Leistungen im Gesundheitswesen steigt.»

Für Kölliker und Hanselmann ist klar: Von einer St. Galler Ärzte-Ausbildung würde nicht nur die Gesundheitsversorgung profitieren. «Die Erfahrung zeigt, dass man oft dort Wurzeln schlägt, wo man studiert hat», sagt Hanselmann. Eine «Medical School» sei darum auch ein Wirtschaftsfaktor und könne einiges zur Attraktivität des Standortes St. Gallen beitragen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.