MEDIZIN: Ein Streit und tiefrote Zahlen

Das Spital Linth hat den Vertrag mit der Ärzteschaft in Rapperswil-Jona für den Betrieb einer Notfallpraxis nach kurzer Zeit gekündigt. Grund war ein hohes Defizit.

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Die lokale Ärzteschaft von Rapperswil-Jona und das Spital Linth liegen im Streit. Einer der Gründe ist eine neue Notfallpraxis, die Spital und Ärzteschaft gemeinsam betrieben. Wenige Monate nach dem Start im April 2016 kündigte das Spital den Vertrag mit der Ärzteschaft. Der Grund ist die schwierige Finanzlage: Die Praxis hatte im ersten Betriebsjahr ein Defizit von 400000 Franken eingefahren. Dies bei Betriebskosten von 1,1 Millionen Franken. Diese Zahlen gab das Spital Linth gestern an einer Pressekonferenz bekannt.

Stephan Bärlocher, Leiter Finanzen, Betrieb und Organisation des Spitals Linth, sagt, die Notfallpraxis sei mit grossem Vertrauensvorschuss gestartet. Man habe gewusst, dass die Praxis «im ersten Jahr keine schwarzen Zahlen schreibt». Doch der Verlust sei zu hoch. «Da muss man die Reissleine ziehen», betonten die Verantwortlichen des Spitals. Die Frequenzen seien zu tief gewesen.

Daniel Holtz, Vertreter der Ärzteschaft, sagt, die Zahlen seien für ein «Start-up» keineswegs schlecht gewesen. Auch weil die Betriebskosten 130 000 Franken für den Abenddienst beinhalteten, welchen Ärzte des Spitals Linth in der Praxis leisteten: Diese Kosten müsse man vom Defizit abziehen. Weshalb die Notfallpraxis nicht richtig funktioniert hat, darüber mutmassen die Spitalverantwortlichen. Ein fehlendes Marketingkonzept sei ein möglicher Grund, aber auch, dass nicht alle Mediziner hinter dem Projekt stehen würden. Diesen Vorwurf weist Holtz zurück: «Das ist lächerlich.» Der Ärzteschaft liege viel an der Praxis. Vorerst führen die Hausärzte die Praxis ohne abendliche Unterstützung der Spitalärzte fort. Ob eine neue Vereinbarung zwischen Spital und Ärzteschaft zu Stande kommt, ist offen. (ckn/red)

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