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MEDIZIN: Bypässe made in St.Gallen

Das Kantonsspital St.Gallen strebt eine eigene Herzchirurgie an – und zwar ab 2022. Es beantragt für die nächste Spitalliste einen Leistungsauftrag. Die Regierung sieht keine Notwendigkeit dafür.
Regula Weik
Utensilien für eine Herzoperation. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Utensilien für eine Herzoperation. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Im Kanton St.Gallen nimmt heute kein Spital, weder ein öffentliches noch ein privates, herzchirurgische Eingriffe vor. Heute müssen sich Patientinnen und Patienten, die sich Bypässe am Herz einsetzen oder eine Herzklappe ersetzen lassen müssen, auswärts behandeln lassen. Die meisten begeben sich in ein Herzzentrum nach Zürich. Dort gibt es vier solche Zentren. Insgesamt sind es 16 in der Schweiz. Die Ostschweiz ist herzchirurgisches Brachland – mit Ausnahme des Herz-Neuro-Zentrums Bodensee. Das zeigt eine Auslegeordnung der St. Galler Regierung zur herzchirurgischen Versorgung. Sie war dazu vom Kantonsparlament beauftragt worden – bereits vor längerer Zeit. Der regierungsrätliche Bericht geht auf ein Postulat der FDP zurück; das Parlament hatte dieses vor bald zehn Jahren gutgeheissen.

Auch wenn der Kanton St. Gallen über keine eigene Herzchirurgie verfügt: Die hiesigen Patientinnen und Patienten seien gut versorgt, hält die Regierung fest. Und weiter: «Das Verständnis auf nationaler Ebene für ein zusätzliches Herzzentrum in St.Gallen dürfte gering sein und auf Widerstand stossen.» Nicht zuletzt wegen der Fallzahlen. Bereits heute erreichten 11 der 16 Herzzentren die von den europäischen Fachgesellschaften für Herzchirurgie und Kardiologie empfohlene Mindestfallzahl bei Bypasseingriffen nicht. Für die aktuelle Spitalliste sei denn auch keine innerkantonale Bewerbung für den Bereich Herzchirurgie eingegangen. Derzeit stelle sich die Frage nach einer St. Galler Herzchirurgie also nicht. Die Spitalliste gilt noch bis Sommer 2022. Ginge dannzumal die Bewerbung eines einheimischen Spitals ein, würde diese «anhand der vorgegebenen Evaluationskriterien» geprüft, so die Regierung.

Ein Schritt zur Komplettversorgung

Nun steht fest: Diese Arbeit wird auf die Regierung zukommen. Die vorberatende Kommission hat nämlich dieser Tage den Bericht zur herzchirurgischen Versorgung beraten und dazu auch Gesundheitsexperten eingeladen. Dabei zeigte sich: Die Geschäftsleitung des Kantonsspitals St. Gallen strebt eine eigene Bypass- und Herzklappenchirurgie an. Sie will der Regierung einen Leistungsauftrag für die neue Spitalliste ab 2022 beantragen.

Daniel Germann, Direktor das Kantonsspitals und Vorsitzender der Geschäftsleitung, bestätigt dies auf Anfrage. Der Entscheid sei in der Geschäftsleitung einstimmig gefällt worden. Kardiologie und Herzchirurgie arbeiteten immer enger und stärker zusammen, Patientinnen und Patienten würden zunehmend von «Herz-Teams» behandelt und versorgt. Dieser Trend zeige sich gesamtschweizerisch und auch in anderen Bereichen wie etwa der Bauch-, der Thorax- oder der Gefässchirurgie. Auf die Frage, ob das Kantonsspital mit einer eigenen Herzchirurgie einen Quantensprung vollziehe, antwortet Germann: «Wir katapultieren uns damit nicht in eine völlig andere Kategorie. Aber es wäre ein grosser Schritt hin zu einer Komplettversorgung.» Auch bei einer eigenen St. Galler Herzchirurgie: Herztransplantationen gäbe es auch dannzumal keine im Kanton. Sie gehören zur hochspezialisierten Medizin und werden schweizweit nur am Universitätsspital Zürich, am Inselspital Bern und am Centre hospitalier universitaire vaudois in Lausanne angeboten.

Die herzchirurgischen Eingriffe haben in den letzten zehn Jahren zugenommen. Auch die St. Galler Bevölkerung ist vor kranken Herzen nicht gefeit. 2005 musste bei 319 Patienten ein Herzklappen- oder Bypasseingriff vorgenommen werden. Zehn Jahre später war bei 426 St. Gallerinnen und St. Gallern eine solche Operation notwendig – das macht etwa 85 Eingriffe pro 100000 Einwohner. In den nächsten Jahren ist allein aufgrund der demografischen Entwicklung mit einem weiteren Anstieg herzchirurgischer Eingriffe zu rechnen. Germann teilt denn auch die Befürchtungen der Regierung wegen zu kleiner Fallzahlen nicht. «Wir gehen von 500 bis 600 Fällen pro Jahr aus.»


Keine Überkapazitäten schaffen

Wie reagiert die vorberatende Kommission auf die Pläne des Kantonsspitals? «Klar wohlwollend», sagt Kommissionspräsident Walter Locher. Das Vorhaben müsse dannzumal selbstverständlich genau geprüft werden. Es dürften sicher keine Überkapazitäten geschaffen werden; darin seien sich die Kommissionsmitglieder einig. Die Gesundheitsexperten hätten diese Gefahr verneint. «Die Kommission steht der aktuellen Ballung herzchirurgischer Versorgung ausserhalb der Ostschweiz kritisch gegenüber. Diese Konzentration ist für uns problematisch und rechtlich fragwürdig», sagt Locher und fügt an: «Es besteht heute grundsätzlich bereits eine gesetzliche Verpflichtung, die Angebote interkantonal zu koordinieren, was aber nur unzureichend geschehen ist.» Von einer eigenen Herzchirurgie profitiere zum einen die Aus- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten und medizinischem Fachpersonal, zum andern die Volkswirtschaft des Kantons und der angrenzenden Gebiete, ist der Freisinnige überzeugt.

Finanziell betrachtet spielt es für den Kanton keine Rolle, ob die herzchirurgische Versorgung seiner Bevölkerung inner- oder ausserkantonal erfolgt; er muss sich so oder anders mit 55 Prozent an den Behandlungskosten beteiligen. 23,3 Millionen Franken betrugen diese 2015 für Klappen- und Bypasschirurgie. Davon übernahm der Kanton 12,8 Millionen Franken, die Versicherer der obligatorischen Krankenpflegeversicherung 10,5 Millionen. Das Kantonsparlament berät den Bericht in der Februarsession.

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