Ostschweiz
Abtwiler Arzt gerät ins Zwielicht – er soll einen Krebspatienten falsch therapiert haben

Er ist im Internet auf verschiedenen Kanälen aktiv – und dabei wird schnell klar: Für den Abtwiler Arzt Manfred Doepp ist die Coronakrise ein Fake. Nun wirft ihm die Sendung Kassensturz vor, «mit einer in diesem Fall nachweislich wirkungslosen Methode» einen Krebspatienten therapiert zu haben.

Regula Weik
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Der Abtwiler Arzt Manfred Doepp in der Kassensturz-Sendung.

Der Abtwiler Arzt Manfred Doepp in der Kassensturz-Sendung.

Screenshot: SRF

Dr. med. Manfred Doepp. Nuklearmediziner (Deutschland), Allgemeinmediziner (Österreich), Praktischer Arzt (Schweiz), Experte für Energiemedizin. So heisst es auf der Website des Arztes. Weiter ist da zu lesen: «Corona. Und die wirksame Aktivierung ihrer natürlichen Abwehr!» Die Mittel, die dabei helfen, empfiehlt und verkauft der Arzt gleich selber. Doch auf seiner Website findet sich nicht nur ein Shop mit Vitaminen, Enzymen und Nahrungsergänzungsmitteln, sondern auch zahlreiche Videos, in denen er sich auch zur Coronapandemie äussert. Diese Beiträge machen hellhörig.

Doepp, seine Ansichten und seine Behandlungsmethoden griff diese Woche das Schweizer Fernsehen in der Sendung Kassensturz auf. Die Sendung zeigt einen Ausschnitt aus einem Video des 74-Jährigen zur Coronakrise: «Es ist nach allen Unterlagen, die ich habe, ein Fake. Dahinter stecken ganz andere Interessen. Die Maske ist ja reiner Blödsinn, das ist eine Versklavung der Menschheit. Es wäre ohne weiteres möglich, ohne Impfungen das Ganze zu beenden.» Doepp praktiziert im Kanton St.Gallen. Seit 2018 lautet seine Adresse: Holistic-Center, Abtwil. Zuvor war er von 2011 bis 2018 Leitender Arzt des Quantisana-Gesundheitszentrums für ganzheitliche Diagnostik und Therapie in Rorschacherberg gewesen.

Patienten falsch behandelt?

Doch der Kassensturz fokussiert nicht allein auf Doepps Corona-Äusserungen. Die Sendung zeichnet den Weg eines Krebspatienten nach, der sich dem Abtwiler Arzt anvertraut hatte. Doepp setzte dabei den Timewaver, ein Bioresonanzgerät, ein. Dieses ist eine Art Scanner für den menschlichen Körper. Doch dem Patienten geht es immer schlechter. Ein halbes Jahr nach Doepps Behandlungsbeginn, diagnostizieren Onkologen am Zürcher Triemlispital Lungenkrebs mit Metastasen im Hirn. Nicht mehr heilbar. Einige Monate später stirbt der Mann. Im Fernsehbeitrag werfen die Angehörige des Verstorbenen Doepp vor, er habe ihren Vater medizinisch falsch behandelt.

Thomas Cerny, renommierter Krebsforscher und Präsident der Krebsforschung Schweiz, kritisiert im Kassensturz-Beitrag, Doepp habe seine Verantwortung als Arzt nicht wahrgenommen. Es sei wertvolle Zeit verloren gegangen, der Krebs sei während Doepps Behandlung bereits erkannt gewesen. «In diesen Monaten hat der Tumor, der am Anfang hoffentlich limitiert war, wahrscheinlich Ableger im Hirn gemacht. Da ist ein halbes Jahr verloren gegangen. Eine kleine Ewigkeit für die Diagnose eines Lungenkrebs. Hier hat man mit hoher Wahrscheinlichkeit die Chance vertan, dass der Tumor noch eine gute Prognose gehabt hätte.»

«Nicht für die Behandlung und Erkennung von Krebs gedacht»

Die Sendung konfrontiert den Arzt damit. Doepp sagt, der Timewaver sei nicht gedacht für die Behandlung und Erkennung von Krebs. «Denn der Krebs ist ein Symptom, das am Ende einer langen Ursachenwirkungskette auftaucht.» Nur die «seelischen und körperlichen Hintergründe» würde er erkennen. Auf die Frage, weshalb er den Patienten nie schulmedizinisch untersucht habe, antwortet er: Das sei nicht nötig gewesen. Erkenntnisse aus der Anamnese, Erfahrung und sein klinischer Blick würden genügen.

Doepp ist Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Energie-, Bioresonanz- und Informationsmedizin. Auf die Frage des Kassensturz, ob der Abtwiler Arzt als Mitglied noch tragbar sei, antwortet Vorstandsmitglied Hans Schwarz: «Es gibt ein Gespräch mit ihm, in dem er sich erklären kann. Es werden Fakten gesammelt, auch in seinem Umfeld, damit man sich ein genaues Bild machen kann. Dann wird er entweder quasi freigesprochen oder er erhält einen Verweis oder er kann im schlimmsten Fall ausgeschlossen werden.» Das St.Galler Gesundheitsdepartement will Fragen zum Abtwiler Arzt am Donnerstag beantworten.

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