Mediengruppe Bitnik entgeht einer Anklage

ST. GALLEN. Die Software ist unschuldig: So könnte man plakativ das vorerst letzte Kapitel rund um die Mediengruppe Bitnik, ein paar Ecstasy-Pillen und die St. Galler Staatsanwaltschaft überschreiben.

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Die ominösen Pillen. (Bild: pd)

Die ominösen Pillen. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Die Software ist unschuldig: So könnte man plakativ das vorerst letzte Kapitel rund um die Mediengruppe Bitnik, ein paar Ecstasy-Pillen und die St. Galler Staatsanwaltschaft überschreiben.

Die Polizei hatte am 11. Januar, direkt nach der Finissage einer Ausstellung der Gruppe in der St. Galler Kunsthalle, mehrere Objekte beschlagnahmt, darunter die besagten Pillen. Diese wurden kontrolliert und für echt befunden. Lange war nicht klar, ob deshalb Anklage gegen die Künstlergruppe erhoben wird. Nun gibt die Gruppe selbst Entwarnung: «Der <Random Darknet Shopper> wurde uns zurückgegeben. Alle Gegenstände sind wieder in unserem Besitz. Ausser das Ecstasy, das zerstört wurde. Auch wurde uns mitgeteilt, dass die Strafverfolgung gegen uns eingestellt worden sei.»

Staatsanwalt als Kunstkritiker

Wie die Künstler auf Twitter schreiben, habe die Staatsanwaltschaft das «übergeordnete Interesse an einer öffentlichen Debatte und die Fragen, die der <Random Darknet Shopper> aufwirft, den Besitz des Ecstasy gerechtfertigt». Diese Begründung verleitet auf Facebook sogar zur Aussage eines Bitnik-Fans, der Staatsanwalt sei ein «guter Kunstkritiker». Vielsagend schreibt Bitnik, dass auf dem zurückgegebenen Programm sogar noch einige Bitcoins drauf seien.

Die Mediengruppe Bitnik hatte für die Ausstellung in St. Gallen den «Random Darknet Shopper» auf Einkaufstour im Darknet geschickt – einem weniger bekannten Teil des Internets. Wöchentlich kaufte das Programm mit Bitcoins im Wert von 100 Dollar zufällig Gegenstände in einem Schwarzmarkt-Shop. Die gelieferten Objekte wurden Teil der Ausstellung. Und so kamen auch Ecstasy-Pillen nach St. Gallen.

Pillen tatsächlich Ecstasy

Nach der Beschlagnahmung der Ausstellungs-Gegenstände erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, dass Anzeige gegen Unbekannt eingereicht worden sei. Im Fokus stand die Partydroge Ecstasy. Eine Analyse der Kantonspolizei St. Gallen ergab, dass es sich bei den Pillen tatsächlich um MDMA handelte.

Bei der Aktion ging es auch um die Frage, ob eine Software für ihre Einkäufe im Internet überhaupt haftbar ist. Oder ob ihre Programmierer, in diesem Falle die beiden Mitglieder von Bitnik, eine strafbare Handlung begangen haben. Die Frage ist mit der Einstellung des Verfahrens zwar nicht beantwortet, das könnte höchstens ein Gericht machen. Aber immerhin wird die St. Galler Staatsanwaltschaft nicht zur Pionierin, indem sie eine Software verklagt. (rr)

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