MEDIENARBEIT: Mehr Stellen für Kommunikation

Die Gemeinden im Kanton stocken ihre Kommunikationsstellen auf. Deren Aufgaben hätten zugenommen, sagen die Verantwortlichen. Und die Bürger würden heute mehr Mitsprache fordern.

Sina Bühler
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Städte und Gemeinden möchten auf allen Kanälen mit den Bürgern verbunden sein. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Städte und Gemeinden möchten auf allen Kanälen mit den Bürgern verbunden sein. (Bild: Gaëtan Bally/KEY)

Sina Bühler

ostschweiz@tagblatt.ch

Die Stadt St. Gallen stockt ihre Kommunikationsabteilung um zwei Stellen auf. Wittenbach und Rapperswil-Jona haben gerade ihre ersten Fachleute angestellt, Wattwil hat eine neue Stelle ausgeschrieben. Die Kommunikationsbranche ist im Wachstum. Daniel Perrin ist Leiter des In­stituts für Angewandte Medienwissenschaft an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), das Kommunikationsfachleute ausbildet. Er bestätigt den Trend: «Das hat vor allem damit zu tun, dass das Feld professionalisiert worden ist.» Auch habe sich mit Social Media der Informationsauftrag total verändert. «Heute moderiert man vor allem den Diskurs der Anspruchsgruppen. Das bedeutet, Kommunikationsleute müssen heute viel mehr zuhören, anstatt selber zu reden.» Diese neuen Kommunikationskanäle erfüllen dafür auch die Anforderungen, die Gemeindebehörden erfüllen müssten. Neben einer autoritären Aufgabe, bei der die Behörden bestimmen, was Bürger tun müssen, wie beispielsweise Steuern zu bezahlen, seien sie auch Dienstleister. «Sie müssen den Bürgern helfen, sich im politischen Alltag der Gemeinde zurechtzufinden.» Dies bedinge eine adressatennahe Art der Kommunikation.

Austausch mit Bürgern über Social Media

Auch in der Kommunikationsabteilung der Stadt St. Gallen ist Social Media ein Thema. Auf Facebook und Twitter beschränke sich Öffentlichkeitsarbeit nicht auf das Publizieren von Medienmitteilungen, es entstehe ein Diskurs, der von der Stadt aktiv ­aufgenommen werde, erklärt Kommunikationsleiter Andreas Nagel. Die Aufgaben von Öffentlichkeitsbeauftragten hätten sich massiv geändert. «Die 24-Stunden-Gesellschaft verlangt Auskünfte nicht nur zu Schalteröffnungszeiten», sagt Nagel. Und die Anfragen würden weniger von Medienschaffenden, als von Bürgerinnen und Bürgern kommen. Auch deren Mitwirkungsbedürfnis habe stark zugenommen. Entsprechend könnten sie sich, beispielsweise bei der Entwicklung von Bahnhof Nord oder Marktplatz, aktiv einbringen. Laut Nagel ist die städtische Kommunikationsstelle auch zuständig für die interne Kom­munikation, sie bewirtschafte unter anderem das Intranet und verantworte das Mitarbeiter­magazin.«Wir schreiben Kommunikationskonzepte für die Verwaltung, übernehmen Bedarfsanalysen und die Kommunikation konkreter Projekte. Das sei zeitaufwendige Denkarbeit, die geschultes Personal brauche.

Die Stadt St. Gallen hat zwei neue Stellen in der Öffentlichkeitsarbeit ausgeschrieben – eine davon betrifft die Grafik, die ­andere die Projektkommunikation. Eigentlich sei dies eine Sparmassnahme, sagt Andreas Nagel: «Wir geben bisher jährlich 800 000 bis 900 000 Franken für externe Kommunikations­büros aus.» Deswegen werde die Aufstockung in der Anfangsphase mindestens kostenneutral sein. Das zusätzliche Know-how verschaffe aber Synergiegewinne, die insbesondere im grafischen Bereich zu mittelfristigen Kostenreduktionen von gegen 200 000 Franken pro Jahr führen würden.

Keine Sparmassnahme, aber eine Entlastung, erwartet der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner: «Kommunikation ist grundsätzlich Chefsache. Aber auch in diesem Thema steigen die Aufgaben und der Aufwand.» Wattwil schafft auf den Juni hin eine neue Stelle, in deren Aufgabenbereich auch das Standortmarketing und die Zusammenarbeit mit dem lokalen Gewerbe liegen. Mit ein Grund sei, dass die Gemeinde diverse grössere Projekte im Köcher habe, bei welchen die Kommunikation mit der Bevölkerung grundlegend sei – beispielsweise bei raumplanerischen Fragen. «Früher schickten wir den ­Redaktionen eine Medienmit­teilung und das war’s», sagt ­Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner. Heute entstehe ein Diskurs, die Bevölkerung interessiere sich bereits in der Planungsphase. Auch würden Behördenentscheide eher in Frage gestellt als früher, «das heisst, wir müssen heute die Informationen und Argumente besser transportieren».

Stadtschreiber reicht nicht mehr aus

Die Stadt Rapperswil-Jona hat die Kommunikationsabteilung bereits im Juni des vergangenen Jahres ausgebaut. «Bis dahin war die Kommunikation ausschliesslich beim Stadtschreiber angesiedelt», sagt Stadtschreiber Hansjörg Goldener. Dieser decke aber bereits so ein breites Aufgabengebiet ab. «Der Medienwandel und die Digitalisierung machen angemessene Kommunikation und Information der Bevölkerung komplexer und anspruchsvoller, die berechtigten Erwartungen an eine umfassende und zeitnahe Information sind gestiegen.» Deshalb sei eine 50-Prozent-Stelle geschaffen worden.

Die Zuständige unterstütze unter anderem den Stadtrat in der Kommunikation und übernehme die Medienarbeit für ausgewählte, wichtige Projekte, wie Abstimmungsvorlagen, das Jubiläumsfest oder die Verselbstständigung von «Energie Zürichsee Linth». Mediensprecher sei aber nach wie vor er selber, sagt der Stadtschreiber von Rapperswil-Jona Hansjörg Goldener. Das letztjährige Debakel mit der Kritik an der Kesb Linth habe mit der neuen Stelle nichts zu tun: «Die Diskussionen um die Kesb zeigen aber exemplarisch den erwähnten Wandel im Kommunikationsumfeld.»