Medbase beendet Zusammenarbeit mit Rainer Schregel +++ Kanton St.Gallen leitet Verfahren ein und beruft ihn als Amtsarzt ab +++ auch Ärzteschaft eröffnet Untersuchung

Nach einem Artikel über seine streitbaren Äusserungen in Sachen Corona teilt der Wattwiler Amtsarzt Rainer Schregel aus und greift eine Tagblatt-Journalistin persönlich an. Sein Arbeitgeber Medbase, der Kanton St.Gallen als auch die Ärztegesellschaft des Kantons ziehen daraus ihre Konsequenzen.

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Rainer Schregel (rechts) zu Gast bei Stricker.tv im Thurgau – einem selbst ernannten Anti-Mainstream-Medium.

Rainer Schregel (rechts) zu Gast bei Stricker.tv im Thurgau – einem selbst ernannten Anti-Mainstream-Medium.

Bild: Screenshot Youtube

(red.) Rainer Schregel hat in Wattwil ein siebenköpfiges Ärztehaus der Kette Medbase geleitet. Am Freitagnachmittag teilt sein Arbeitgeber mit, dass die Zusammenarbeit nach Gesprächen mit Rainer Schregel zwischenzeitlich mit sofortiger Wirkung beendet worden ist.

Rainer Schregel habe sich vermehrt öffentlich und in teilweise unsachlicher Weise kritisch über die behördlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie geäussert, wobei in diesem Rahmen auch unnötig herabsetzende Äusserungen gegenüber einer Journalistin erfolgt seien, heisst es in der Stellungnahme.

«Medbase distanziert sich sowohl von der Haltung als auch von den entsprechenden Äusserungen von Rainer Schregel.»

Es sei zu betonen, dass Medbase das Recht seiner Mitarbeitenden auf Meinungsfreiheit als hohes Gut respektiert. Medbase sei aber der dezidierten Auffassung, dass entsprechende Äusserungen – soweit sie auf Medbase zurückfallen können – in einem sachlich geführten Diskurs zu erfolgen haben.

Zudem weist das Unternehmen darauf hin, dass es vollständig hinter den behördlichen Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie stehe und stets bestrebt sei, diese im Rahmen ihrer Tätigkeit gewissenhaft umzusetzen.

Gesundheitsdepartement des Kantons leitet Verfahren ein

Das Gesundheitsdepartement des Kantons St.Gallen hat ein Verfahren gegen Amtsarzt Rainer Schregel eröffnet und ihn vorsorglich aus dem Amt als Amtsarzt abberufen. Das schreibt der Kanton in einer Medienmitteilung. Dies bedeute, dass er während des laufenden Verfahrens nicht mehr amtsärztlich tätig sein dürfe. «Amtsärztinnen und Amtsärzte haben im Kanton St.Gallen eine besondere Visibilität, denn sie sind Amtspersonen, welche den Staat vertreten», heisst es weiter. Aus diesem Grund werde von den Amtsärztinnen und Amtsärzten auch eine Sensibilität in Bezug auf ihre Doppelrolle (Amtsperson vs. Privatperson) und ihre Äusserungen in der Öffentlichkeit erwartet. Der Kanton sagt:

«Das Verhalten in den sozialen Medien ist aus Sicht des Gesundheitsdepartementes mit dem Amt als Amtsarzt nicht vereinbar.»

Auch St.Galler Ärzteschaft leitet Verfahren ein

«Der Vorstand der Ärztegesellschaft des Kantons St.Gallen hat mit grossem Befremden von den Facebook-Publikationen von Rainer Schregel Kenntnis genommen», heisst es in einer Mitteilung.

«Dass er als vermeintlicher Coronaleugner auftritt, ist das eine. Dass er aber die Journalistin, die seine Äusserungen im St.Galler Tagblatt publiziert hat, persönlich beleidigt und dabei selbst vor Nazivergleichen nicht zurückschreckt, ist für die Ärztegesellschaft inakzeptabel.»

Die Ärzteschaft distanziere sich in aller Form von einem derart persönlichkeitsverletzenden Verhalten eines ihrer Mitglieder, heisst es weiter.

Verletzung des ärztlichen Verhaltenskodexes

Jürg Lymann, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons St.Gallen.

Jürg Lymann, Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons St.Gallen.

Bild: Ralph Ribi

Der Präsident der Ärztegesellschaft des Kantons St.Gallen, Jürg Lymann, habe deswegen nach Absprache mit dem Vorstand der Gesellschaft ein Verfahren gegen Rainer Schregel bei der Standeskommission der Ärzteschaft eingeleitet. Diese wird nun untersuchen, inwieweit der Wattwiler Arzt den Verhaltenskodex der Ärzteschaft verletzt habe.

Hat das Vorgehen auch mit den Coronapositionen Schregels zu tun? «In erster Linie geht es um sein Verhalten gegenüber der Journalistin. Dieses ist standeswidrig», antwortet Lymann. Grundsätzlich distanziere er sich auch von den Coronapositionen des Amtsarztes, aber: «Sie sind nicht Inhalt des Verfahrens bei der Standeskommission.»

Auf die Frage nach möglichen Konsequenzen für Schregel antwortet Lymann: Möglich sei eine Busse bis maximal 50000 Franken, «im schlimmsten Fall» drohe ihm ein Ausschluss aus der kantonalen Ärztegesellschaft.

Auch ausserberuflich gewissenhaftes Verhalten

Die Standesordnung der FMH schreibe ihren Mitgliedern vor, dass sie sich auch ausserberuflich gewissenhaft zu verhalten haben, schreibt die Ärztegesellschaft in ihrer Mitteilung weiter. «Und zwar in einer Weise, in der das Ansehen und die Vertrauenswürdigkeit der Ärzteschaft erhalten bleibt.» Die Ärztegesellschaft bedauere das in den Medien publizierte Verhalten von Rainer Schregel ausserordentlich.

Als Amtsarzt teils in der Öffentlichkeit

Rainer Schregel ist nicht nur Hausarzt, sondern auch einer von 24 Amtsärzten im Kanton St.Gallen – und damit oft erste Ansprechperson für kantonale und kommunale Behörden. Bei aussergewöhnlichen Todesfällen und fürsorgerischen Unterbringungen muss er ausrücken. Durch diese Sonderaufgaben steht Schregel zu einem Teil in der Öffentlichkeit.

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